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Am anderen Ende der Welt

von , am
05.02.2014

Anika Berlin aus Hakensbüttel lebt und arbeitet ein Jahr lang auf einer australischen Farm. Sie will praktische Erfahrungen für ihr Studium sammeln, in die Farmarbeit reinschnuppern und weitere Abenteuer erleben.

Das Kälber füttern gehört zu Anikas täglichen Aufgaben auf der australischen Farm. © privat
Da bin ich nun, am anderen Ende der Welt. Seit Anfang August lebe und arbeite ich auf der Milchviehfarm der Snells im nördlichen Teil Victorias - etwa 200 Kilometer von Melbourne entfernt, in einem kleinen Dorf namens
Merrigum.

Aller Anfang ist

Nachdem ich auf der Farm angekommen bin, ging es gleich los, denn von Anfang August bis etwa Mitte Oktober haben 170 Kühe und Fersen gekalbt. Das ist eine der arbeitsintensivsten Zeiten auf der Farm. Höhepunkt dieser Saison waren 14 Kalbungen an einem Tag.

Trotz Winter sind die Kalbungen auf der Weide, jedoch werden die Kälber relativ schnell mit Quad und Anhänger in den Kälberstall gefahren, in dem sie die ersten Wochen verbringen. Später kommen sie in Außenboxen. Wenn sie von der Milch abgesetzt werden und nur noch Müsli bekommen, werden sie auf die Weide gebracht. Es bleiben aber nur die Kuhkälber auf der Farm, die Bullenkälber werden nach ungefähr einer Woche verkauft.

Das Quad ist übrigens ein guter "Arbeitskollege" und mein ständiger Begleiter. Es hilft mir, das Müsli zu den Kälbern auf die Weide zu bringen, die Milch für die Kälber in einem kleinen Tank zu transportieren, Rinder und Kühe zu treiben und die Bewässerung zu kontrollieren oder auch umzustellen.  

Zeitgleich besamt

Ab Mitte Oktober begann die Besamungssaison für 220 Kühe und dauerte zehn Wochen. Auf der Farm wird regulär ein Hormonprogramm zur Synchronisierung der Brunst angewendet. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes 14-Tage-Prostaglandinprogramm. Nach der letzten Hormonspritze bekommen die Kühe ein Brunstpflaster, mit dessen Hilfe brünstige Kühe zur Besamung aussortiert werden. Die Brunstpflaster werden den Kühen auf den Rücken geklebt und durch gegenseitiges Bespringen der Kühe verändert sich die Farbe. Im Idealfall sind alle Kühe durch das Hormonprogramm synchronisiert und können zeitgleich besamt werden.

Die Kühe und Fersen werden durch Sprühen von unterschiedlichen Farben auf das Hinterteil in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt, sodass man unterscheiden kann, ob sie tragend, schon besamt sind oder noch besamt werden müssen. Somit hat man letztendlich eine bessere Übersicht der bunt gemischten Herde.

Die Farm der Snells umfasst insgesamt etwa 370 Jerseys, Holsteins und Kreuzungen, die das ganze Jahr auf der Weide sind. Als grundlegendes Futtermittel haben sie Gras, beim Melken werden sie mit Getreide zugefüttert und einmal am Tag bekommen sie Maissilage, Heu und Stroh. Die Leistung pro Kuh liegt bei 6.500 Liter pro Laktation (4 Prozent Butterfett, 3,2 Prozent Protein), wobei der Milchpreis anhand von Butterfett und Protein bemessen wird. Zudem gehören 200 Hektar Grünland zu der Farm.

Ein großes Thema auf der Farm: die Beregnung. Von August bis Mai wird mit Bewässerung durch Überflutung beregnet. Das Wasser läuft durch das natürliche Gefälle über die Flächen. Die Farm hat einen Höhenunterschied von insgesamt zwei Meter. Die Wasserzufuhr ist durch einen Kanal, der mit einem großen See und kleinen Bächen verbunden ist, gewährleistet. An den tiefsten Punkten gibt es Auffangbecken, in dem das überschüssige Wasser gesammelt und wiederverwendet wird.

Im Sommer ist es so heiß, dass die Kühe vor dem Melken sogar eine Dusche zum Abkühlen bekommen.

Eine Weile bleib ich noch

Ich freue mich auf die nächsten vier Monate in Australien. Die Arbeit hier macht mir Spaß und das Leben auf einer australischen Farm ist ähnlich wie die in Deutschland.  

Neben den täglichen Aufgaben wie melken, Kälber füttern, Trecker fahren und Grünlandmanagement erlebe ich in den nächsten Monaten noch eine zweite Kalbesaison auf der Farm.
Viele Grüße vom anderen Ende der Welt,
Eure Anika
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