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Reportage

Ausbildung: Frische Luft schon zur Frühschicht

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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
21.03.2018

Neugeborene Kälber versorgen, Milchkühen das Futter heranschieben: Azubi Finn Loske liebt die körperliche Arbeit an der frischen Luft. Wir haben ihn besucht.

Mit einem neugeborenen Kalb in der Schubkarre treffen wir Finn Loske auf dem Weg zum Kälberstall. „Das ist vor ein paar Stunden geboren und kommt jetzt für die nächsten Tage in ein Iglu“, erzählt er. Die weiße Kunststoffhütte hat er schon vorbereitet: Stroh ist eingestreut. Finn nimmt das junge Tier auf den Arm und trägt es hinein. Dann reibt er sich wärmend die Finger, denn es ist heute bitter kalt. Gestern war noch Schnee gefallen.

Der 18-Jährige arbeitet seit dem vergangenen Herbst auf dem Milchhof Ebeling in Auetal (Landkreis Schaumburg). Zu dem Betrieb gehören 140 Kühe mit weiblicher Nachzucht, eine 780 kW-Biogasanlage sowie 250 ha Land.

„Die Kälber sind mein Bereich: Ich gebe den jungen ihre Milch, streue die Ställe ein, füttere auch die älteren“, erzählt der Azubi im zweiten Ausbildungsjahr. Jeden Tag fährt er mit seinem Auto aus dem 40 km entfernten Springe (Region Hannover) hierher. Dort wohnt er bei seinen Eltern.

Melkdienst muss sein

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Auch beim Melken ist Finn eingebunden. Mit einem weiteren Auszubildenden wechselt er sich in zwei Schichten ab – zur Frühschicht von 5 bis 12 Uhr und zur Spätschicht von 9 bis 18 Uhr. Ein weiterer Melkdienst steht jedes dritte Wochenende an.

Finn streichelt dem Kalb im Stroh noch einmal über den Kopf und schließt das Iglu-Tor. Beim Strohlager belädt er die Schubkarre und verteilt die Einstreu bei den älteren Kälbern.

Schließlich schiebt er noch mit einem Traktor per Kehrreifen das Futter für die Milchkühe nach. „Jetzt muss ich ein paar Melkbecher wechseln. Die werden jedes halbe Jahr erneuert“, erklärt er und zeigt Richtung Melkstall.

Ein Job nur am Schreibtisch geht gar nicht

Während wir durch den Schnee stapfen, frage ich ihn, ob ihm jetzt nicht ein Bürojob lieber wäre. Finn lacht. „Ein Job nur am Schreibtisch, das geht für mich gar nicht!“ Wer Milchkühe zu versorgen hat, müsse zwar jeden Tag ran. Das sei manchmal anstrengend. „Aber draußen bei Wind und Wetter zu arbeiten mit viel Bewegung, das ist doch toll!“

Schon immer war es sein Wunsch, beruflich „etwas draußen in der Natur“ zu machen. Ursprünglich wollte er Berufsjäger werden, denn: Seine Prüfung für den Jagdschein hat er schon mit 15 absolviert.

Nachdem er 2016 seinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, machte er zunächst ein Praktikum als Berufsjäger beim Jagdschloss in Springe. „Aber ich war noch nicht 18 und für die jagdliche Ausbildung hätte ich viel fahren müssen.“ Er bewarb sich bei den Landesforsten, schaffte den Eignungstest.Im Verlauf der Bewerbungsgespräche schied er jedoch aus.

Drittes Ausbildungsjahr im Ackerbau

„Aber Landwirt hatte ich als Berufsziel auch schon immer ein bisschen im Kopf“. Und so startete er eine Ausbildung in der Landwirtschaft - mit dem Berufsfachschuljahr Agrarwirtschaft (BFS).

Vier Tage Schule an der Justus-von-Liebig-Schule in Hannover, einen Tag Mitarbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dafür bewarb er sich beim Eschenhof in Springe, einem Biolandbetrieb mit 75 ha Ackerbau und 3.000 Legehennen. Zu der Zeit machte er auch seinen Treckerführerschein.

Nach seiner Zeit hier auf dem Milchhof wird er für das dritte Ausbildungsjahr ab August in einen Ackerbaubetrieb wechseln, um noch mehr Erfahrungen zu sammeln. „Diese Kombination gefällt mir sehr gut“, sagt Finn. „Ich mag die Arbeit mit den Tieren, aber Ackerbau finde ich besonders interessant.“

Mehr über Finns Ausbildungsalltag lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 12/2018 auf Seite. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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