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Culinary Misfits: Krumm und lecker!

von , am
10.09.2014

Sie kreieren Gerichte mit krummem Gemüse - in diesem Fall auch "Misfits" genannt - und vergessenen alte Sorten: Lea Brumsack und Tanja Krakowski. Karolin und Luise haben die beiden in ihrem Laden in Berlin besucht.

Lea Brumsack Tanja Krakowski sind beide Designerinnen und haben ihre Leidenschaft in der Esskultur und der regionalen Vielfalt gefunden. © Müller-Hofstede

Nachhaltig Herzförmige Kartoffeln, krumme Gurken, Auberginen mit Nasen, buchtige Tomaten, winzige rote Beete oder überdimensionale Zucchini - was bei Kindern und verspielten Erwachsenen zu Begeisterung führt, wird von Großhändlern gar nicht erst eingekauft. In die Regale der großen Supermärkte kommt nur, was der Norm entspricht. Dabei wachsen diese kleinen Makel auf natürliche Weise.

Esst die ganze Ernte!

Das Resultat ist, dass die Landwirte auf ihren Sonderlingen sitzenbleiben, die immerhin mindestens ein Drittel der Ernte ausmachen. Was sie nicht selbst verwerten können, landet oft im Müll. "Esst die ganze Ernte" ist der Schlachtruf von Lea Brumsack und Tanja Krakowski!

Die beiden jungen Frauen sind eigentlich Produktdesignerinnen, kein Wunder also, dass sie ein Auge für außergewöhnliche Formen haben, doch ihre Leidenschaft gilt gutem Essen. Vor ein paar Jahren taten sie sich zusammen, um dem "Wegwerfwahnsinn" ein Ende zu bereiten. Ihr Ziel ist eine gesunde und faire Esskultur ohne Einheitsbrei und Standardgemüse! Sie gründeten den vegetarischen Berliner Cateringservice "Culinary Misfits" (kulinarische Eigenbrötler).

Ihre Lieferanten sind Landwirte aus der Region, maximal 100 km entfernt, doch die meisten kommen direkt von der Stadtgrenze. Sie arbeiten gerne mit Lea und Tanja zusammen, weil sie so den Verlust ihrer Ernte möglichst gering halten können.

Die jungen Frauen kaufen ihnen die krummen Möhren, schiefen Gurken, knubbeligen Kartoffeln, kleinen Rübchen oder Riesenzucchini ab, die sonst keiner haben will und verwandeln sie in leckere Gerichte, wie Rote-Beete-Kugel mit Ziegenkäsecreme, Teltower Rübchensuppe mit Apfel-Chutney oder kaltes Zucchini-Mandel-Süppchen mit Basilikumöl.
Die Speisekarte ihres Cateringunternehmens ist stark abhängig vom Wetter, die beiden müssen sehr flexibel sein. Wenn es stark hagelt, ruft schon mal der eine oder andere Landwirt nach Hilfe, dann heißt es zersplitterte Zucchini einsammeln und verarbeiten. Bei viel Regen steht Radieschen auf dem Menü. Das Konzept geht auf: Kunden, Bauern und die beiden jungen Frau sind sehr zufrieden.

Was ursprünglich als Projekt ihrer Studien-Abschlussarbeiten zum Thema Lebensmittelverschwendung gedacht war, ist mittlerweile zum Vollzeitjob geworden. Neben ihrem Catering Service sind Lea und Tanja auf verschiedenen Wochenmärkten unterwegs. Hier verkaufen sie neben krummen Karotten und Co. auch ausgefallene und aussterbende Gemüsesorten.

Sie wollen die Gemüse-Sonderlinge in die Küchen der Leute bringen. "Das Bild, das viele Konsumenten von Gemüse haben, das von den graden Gurken, knallig roten Tomaten und perfekten Kartoffeln in den Supermarktregalen geprägt wird, muss sich ändern", sagt Tanja.

Beliebte Sonderlinge

Am Anfang waren die Marktbesucher eher belustigt über das Angebot. "Sie kamen mehr um zu gucken, als um zu kaufen." Doch das hat sich schnell geändert und mittlerweile ist es schon fast schwierig, ganz normale Möhren zu verkaufen. Was man alles mit den Sonderlingen vom Feld anstellen kann, zeigen Lea und Tanja auch in ihrem Laden in Berlin Kreuzberg, den sie im Sommer 2014 eröffneten. Neben einem wechselnden Mittagsmenü verkaufen sie Rote-Beete Muffins, Rotkohlsalat im Weckglas oder Schmorgemüse mit Couscous, Quark und schwarzem Sesam.
Karolin Langfeldt

Hier erfahrt Ihr noch mehr über Lea, Tanja und ihre krummen Sonderlinge: www.culinarymisfits.de  
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