Login
Ausland

Ein etwas anderes Leben

von , am
02.07.2013

Wie wird im ländlichen Serbien das Holz verarbeitet? Wie wird es dann von den Bewohnern der Region verbraucht? Forststudent Frank Helbig sucht für seine Masterarbeit vor Ort nach Antworten.

Frank Helbig forstet für seine Masterarbeit in Serbien, wie dort Holz verarbeitet und verbraucht wird. © Helbig

Das durchschnittliche Haus in dem Ort, in dem wir jetzt sind, beherbergt zwei bis drei Personen und kann mit einer traditionellen Berghütte verglichen werden. Der Wohnraum ist in wenige Zimmer unterteilt. Die Fenster und das Dach sind undicht, so dass kalter Wind hindurch pfeift.  
Fremde und Freunde

Einige Wochen zuvor habe ich in Belgrad das urbane Leben kennengelernt und musste feststellen, dass es sich nicht stark von dem unterscheidet, was ich aus anderen westlichen Städten kenne. In Kursumlija ist es anders. Unbehaglich. Das Leben hier ist geprägt von lebendiger Erinnerung an die Konflikte mit dem angrenzenden, zweitjüngsten Land der Welt - dem Kosovo - und mangelnden Perspektiven. Dabei ist der Alltag in einer kontinentalen Bergregion des Balkans so schon hart genug.

So treffen wir auf skeptische Blicke, als wir als Fremde an die Tür klopfen. Wenig später, wenn die Menschen merken, dass wir mit friedlichen Absichten kommen, wandelt sich ihr Ausdruck und wird herzlich. Zum Schluss gibt es Rakia, das serbische Pendant zum Türkischen Raki - ein Obstler der mit Vorliebe selbst gebrannt wird. Dieser Art des "Auf Wiedersehens" entkommen wir nicht und so sind wir nach 300 Haushaltsbefragungen auch wahre Experten in der Vielfalt der Rakia-Kultur des Landes.

Fürs Leben lernen

Die Begegnung mit dem kleinen Dejan war für uns bewegend, einfach beeindruckend. Er ist zehn Jahre alt und schon ein Geschäftsmann. Er sammelt Holz, schneidet es und verkauft es an die Nachbarn im Dorf. Sein Vater lebt nicht mehr. Seine Mutter ist auf seine Hilfe angewiesen.
Von anderen Einwohnern hören wir immer wieder, dass das Holz zu teuer wird und die Reserven knapp sind. Hinzu kommt, dass es auch Albaner aus dem Kosovo geben soll, die nachts durch die Wälder ziehen, um Holz zu sammeln.

Nie zuvor wurde mir so deutlich vor Augen geführt, was es bedeutet, wenn man sich selbst um die nötige Energie zum Heizen und Kochen bemühen muss. Kaum vorstellbar, was wir in Deutschland auf die Beine stellen müssten, um unseren Energiebedarf selber zu decken. Es würde jedenfalls helfen, einen Schritt näher zu verbesserter  Energieeffizienz zu kommen.

Nach zwei Wochen Aufenthalt in Kursumlija kennen uns der Bürgermeister, die halbe Stadt und wir die lokale Holzindustrie. Wir haben viel über das Leben auf dem Land gelernt und kehren mit einem XXL-Stapel an ausgefüllten Fragebögen zurück nach Belgrad. Nun kommt es zum weniger spannenden Teil der Forschung - dem Auswerten. Diesen Teil möchte ich Euch ersparen und melde ich mich das nächste Mal, wenn die Masterarbeit fertig ist.
 
Bis bald, Euer Frank
Auch interessant