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Ausland

Forschen und feiern in der Ferne

von , am
02.04.2013

Forststudent Frank Helbig ist in Serbien, um seine Abschlussarbeit zu schreiben. Genauer gesagt in Belgrad. Von dort organisiert er eine Forschungsreise und lernt nebenbei Land und Leute kennen.

Frank Helbig mit seinem Forscherteam kurz vor der Abreise nach Südserbien. © Helbig

Welche Region möchte ich unter die Lupe nehmen? Wer ist im Forschungsteam? Von der Hauptstadt Serbiens organisiere ich zusammen mit der forstlichen Fakultät eine mehrwöchige  Forschungsreise in den Süden des Landes um herauszufinden, wie die ländliche Bevölkerung in Serbien das Brennholz nutzt.

Mit der Straßenbahn bummele ich jeden Tag zur Forstfakultät. Im hinteren Abteil ruft eine Gruppe von Demonstranten lautstark immer wieder "Kosovo je Srbija!" Übersetzt: Kosovo ist Serbien! Mitzuerleben, wie diese Gruppe die Stimmung im Bus dominiert und einige der anderen Mitfahrer schließlich sogar mit einstimmen, war ein sehr eindrucksvoller, aber auch einschüchternder Moment.

Zurück zum Holz! Zwei serbische Studenten haben sich bereit erklärt, mir bei der Brennholzstudie im Süden des Landes zu helfen. Mit einem "Yugo" - einem in Serbien typischen Gefährt - werden wir entlang holpriger Straßen nach Süden aufbrechen, um anschließend für einige Wochen in eine Hütte zu ziehen, um die Forschungsbasis zu errichten. Denn die zweite Etappe dieser Reise geht in eines der am wenigsten entwickelten Gebiete Serbiens - den bergigen und waldreichen Süden. Dort, an der Grenze zum Kosovo, gibt es einen kleinen Ort namens Kuršumlija. Hier ist Holz die Hauptenergiequelle und wie genau damit umgegangen wird, möchte ich herausfinden.

Doch bevor es losgeht genieße ich auch das Leben in Belgrad. Entlang der Ufer der Flüsse Sava und Donau befinden sich unzählige Cafés, die zum Flanieren und Entspannen einladen. Das ist schön und gemütlich, aber für meinen Geschmack auch ein bisschen langweilig. Viel spannender wird es am Abend. Ihr glaubt nicht, wie erfinderisch junge Serben sind, wenn es um das Innendesign einer Bar geht. Einstige WGs, deren Wände die kreativen Verzierungen von Besuchern aus der ganzen Welt vereinen; Bücherläden deren Untergeschoss Untergrundclubs im Verborgenen halten und Cafés deren Tür sich nur auf bestimmte Klopfzeichen öffnen, sind nur einige der Perlen des urbanen Getümmels. Doch vorsichtig, neben meiner Neugier auf Land und Leute darf ich mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wir werden in den nächsten Wochen in der Forschungsregion eine ganze Menge Interviews in Haushalten und mit Leuten aus der Forstwirtschaft führen.

Wie es weitergeht, erfahrt Ihr in der nächsten Folge.
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