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Ausland

Geflügel, Genetik und gute Aussichten

von , am
13.03.2014

Agrarstudent Sascha Kuer aus Lingen wird in diesem Sommer sein Studium abschließen. Danach möchte er in einem internationalen Geflügelunternehmen arbeiten. Darum war er 2012 neun Wochen in England.

Ein Blick über den Tellerrand kann so aussehen! Sascha Kuer hat ein neunwöchiges Praktikum in England gemacht. © Kuer
Knapp 700 Kilometer Luftlinie entfernt von Saschas Heimatort Lingen im Emsland liegt Chester, eine Stadt im Nordwesten von England - und dort ist auch "Aviagen Turkeys", der weltweit führende Anbieter von Zuchttieren für die Putenhaltung angesiedelt. Bei diesem Unternehmen hat der Emsländer ein Praktikum gemacht. "Den Kontakt habe ich über die Uni bekommen. Ein super Netzwerk."

Bei "Aviagen Turkeys" werden die Grundlagen der Zuchtarbeit für die weltweite Putenproduktion gelegt. Die letzte Stufe der Vermehrung findet dann vor Ort - zum Beispiel in Betrieben in Deutschland - statt", erklärt der 24-Jährige Agrarstudent. Im Mittelpunkt der Zuchtarbeit steht heute nicht mehr nur die Leistung, sondern auch das Wohlergehen der Tiere und die Robustheit. Es werden bei der Zucht mehr als 30 Merkmale berücksichtigt.
Pendeln zwischen Büro und Farm

Die Arbeitstage starteten um 8 Uhr auf den jeweiligen Farmen rund um Chester im Westen Englands nahe der walisischen Grenze. Es gibt unterschiedliche Farmen: Aufzuchtfarmen, Legefarmen, Bruterei, Schlachterei und Labor.

"Oft war ich bis zum Mittag dort und nachmittags im Büro. Auf den Farmen herrscht hoher Hygienestandard, es wird ein- bzw. ausgeduscht und spezielle Kleidung getragen", so der Agrarstudent.

Auf den Aufzuchtfarmen arbeitet unter anderem ein Zuchtexpertenteam. "Wenn die Tiere etwa 18 Wochen alt sind, wird auf viele unterschiedliche Faktoren hin selektiert, wie Fußballengesundheit, Beinstellung oder Gewicht." Die Puten haben alle einen Transponder im Flügel, durch den genaue Einzeltierdaten erfasst werden.

"Teilweise wird - je nach Selektionsmerkmal - nur noch ein Prozent der Tiere für die Zucht verwendet", berichtet Sascha über die Arbeitsweise bei "Aviagen Turkeys".
Und was passiert mit den Puten, die nicht weitergezüchtet werden? "Die kommen zum Schlachthof und das Fleisch wird vermarktet. Die verbleibenden Hähne und Hennen werden dann zu den Legefarmen transportiert."

Und der Wunsch ist geblieben

Rückblickend war es für Sascha eine aufregende Zeit. "Nicht nur, weil ich zum ersten Mal auf der linken Straßenseite fahren musste", erklärt er mit einem Augenzwinkern.
Und er hat viel erlebt: Bei einem traditionellen Pferderennen - natürlich in Anzug mit Zylinder - zugeschaut, Burgen und Schlösser besichtigt sowie Pubs besucht. "Viele Pubs haben mehr als zehn verschiedene Biersorten, und ich wusste anfangs gar nicht, wofür ich mich entscheiden sollte."

Jetzt ist Sascha wieder zurück in der Heimat und arbeitet für seinen Abschluss. Er denkt oft und gern an die Zeit in England zuück. "Nun habe ich detaillierte Einblicke, in die verschiedensten Bereiche eines weltweit führenden Geflügelunternehmens. Mein Wunsch, später in einem internationalen Unternehmen zu arbeiten ist noch stärker geworden."
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