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Vom Hörsaal in den Reitstall

von , am
05.02.2015

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde: Für viele junge Menschen trifft dieses Motto zu. Aber wie geht es weiter, wenn der Auszug aus "Hotel Mama" ansteht und das neue Zuhause eine Studenten-WG mitten in der Stadt ist?

Hoch zu Ross: Die Osnabrücker Studentenreiter genießen auf der Reitanlage der Familie Hardinghaus ihre vorlesungsfreie Zeit. © Kuhlmann

Wiehernde Pferde, scharrende Hufe - abseits des Hörsaals spielt sich das Leben der Osnabrücker Studentenreiter auf der Reitanlage der Familie Hardinghaus in Osnabrück ab. Hier haben einige Mitglieder der Reitgruppe ihre eigenen Pferde untergebracht oder nutzen Reitbeteiligungen an fremden Pferden, um ihrem Hobby weiter treu zu bleiben. "Durch die Studentenreiter habe ich trotz Studium und auch ohne eigenes Pferd die Möglichkeit, regelmäßig zu reiten und auch an Turnieren teilzunehmen", freut sich Corinna Bornhold. Die Studentenreitgruppe Osnabrück hat 30 Mitglieder. Sie treffen sich jeden Dienstagabend zum Stammtisch im Unikeller.

Obfrau, also offizielle Ansprechpartnerin der Studentenreitgruppe, ist Ann-Kathrin Saur. "Anni" ist 24 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Koblenz und studiert Landwirtschaft an der Hochschule Osnabrück-Haste. "Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Mädels und Jungs zwischen 19 und 30 Jahren. Unter uns sind Studenten von verschiedenen Fakultäten in Osnabrück. Manche studieren wie ich Landwirtschaft, andere Kunst, Jura, Maschinenbau oder BWL. Uns alle verbindet die Reiterei."

Siegen ist nicht alles

Nicht alle Mitglieder sind auch aktive Reiter. Die sogenannten Schlabus kommen als "Schlachtenbummler" mit zu den Turnieren der Studentenreiter, um ihr Team anzufeuern. Es gibt keinen übertriebenen Ehrgeiz, die Mitglieder wollen Spaß haben, Kontakte knüpfen und feiern.

Von September bis April ist Turniersaison bei den Studentenreitern. Deutschlandweit gibt es etwa 60 Studentenreitgruppen. Fast wöchentlich finden von Freitag bis Sonntag in verschiedenen Städten nationale Turniere, genannt CHU’s (Concours Hippique Universitaire), statt. Etwa zehn Mitglieder jeder Reitgruppe fahren zu den Turnieren, drei von ihnen bilden das Team und dürfen reiten.

Meist werden zwölf Teams aus verschiedenen Städten eingeladen. Freitagabends findet eine Mottoparty statt, am Samstag gibt es ein Rahmenprogramm, wie eine Planwagentour oder eine Stadtführung. Über das Wochenende verteilt absolvieren die Reiter ihre Prüfungen. Der Osnabrücker Student Malte Eitenmüller erklärt das K.-o.-Prinzip: "Das Besondere ist, dass die Reiter nicht ihre eigenen Pferde mitbringen dürfen. Die Studentenreitgruppe, die das Turnier ausrichtet, leiht im Vorfeld Pferde aus, die den Teams durch ein Losverfahren zugeordnet werden. Jeder Reiter muss auf dem ihm zugeteilten Pferd eine A-Dressur und ein A-Springen absolvieren, wobei jeweils drei Reiter auf demselben Pferd starten. Der Beste von ihnen qualifiziert sich für die nächste Dressur- bzw. Springrunde. Der Schwierigkeitsgrad der Prüfungen steigert sich von Runde zu Runde. Jeweils die zwei besten Reiter treten dann im Finale in der M-Dressur bzw. dem M-Springen gegeneinander an." In den Wettkämpfen zu siegen ist jedoch noch nicht alles. Denn es gibt noch den Survival-Cup: "Diese Auszeichnung bekommt die Mannschaft, die geschlossen am längsten auf beiden Partys war und trotzdem tagsüber Einsatz zeigt", erklärt Georg Zumnorde.

Die gemeinsame Vorbereitung auf das eigene Turnier, das traditionell auf der Reitanlage Sudowe in Rulle stattfindet, schweißt zusammen. Jeder packt mit an, alles wird in Eigenregie organisiert. Während der Veranstaltung werden Freundschaften geschlossen - bundesweit und studienfachübergreifend.

Tradition, Tanzen und Turniere

Für Alexandra Schwegmann hat die Studentenreiterei Tradition. "Viele Studenten lernen ihren Partner während ihrer Zeit in der Studentenreitgruppe kennen und heiraten schließlich. Deren Kinder treten dann häufig auch den Studentenreitern bei. Das hat es schon oft gegeben." Vielleicht kommt sich das eine oder andere Paar auch beim legendären „Knotentanz“ näher. Und noch einen Vorteil hat die Studentenreiterei: Während ihrer Treffen vergessen die Mitglieder für ein paar Stunden den Uni-Stress.

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