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Ausland

Nicht auf dem Holzweg, oder doch?

von , am
05.02.2013

Wo lässt sich die Masterarbeit im Winter unter größtmöglichen Strapazen schreiben? Zum Beispiel in Serbien! Warum Frank Helbig sich genau diesen Ort ausgesucht hat und was er erlebt, erfahrt Ihr hier.

Frank auf einem Brennholzpolter im Niederwald in Südserbien. © Helbig
Dichte Rauchschwaden hängen in den entlaubten und trist industriell anmutenden Hügeln einer Vorstadt von Belgrad. Gebäude des NATO-Bombardements erinnern an einen Krieg, dessen offene Wunden sich bei jedem Stadtbummel zeigen. Was verschlägt einen nur an solch einen Ort?  Das Studium.
Eine Abschlussarbeit im Ausland zu schreiben, bietet die Möglichkeit sich vor dem Einstieg in den Beruf nicht nur dem Studium ein individuelles Profil zu verpassen, sondern auch gleichzeitig eine Menge Spaß zu haben und neue Eindrücke zu sammeln.
Ehrgeizige Ziele für die Zukunft

Ich bin in Serbien, um meine Masterarbeit über Brennholznutzung zu schreiben. Kurze Zwischeninfo: Ich studiere Renewable Energy Management (M.Sc.) in Freiburg - das Studium baut auf das Forstwirtschaftsstudium in Göttingen auf.

Doch warum bin ich gerade hier in Serbien gelandet? Die Europäische Union und mit ihr die Bundesregierung haben sich ehrgeizige Ziele zur Nutzung erneuerbarer Energien gesteckt.

Die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz zur Energiegewinnung innerhalb der EU soll auch in Zukunft weiter ansteigen. Mit fortschreitendem Ausbau der energetischen Verwendung steigt gleichzeitig der Druck der sogenannten Landnutzungskonkurrenz. Denn es gibt neben Wäldern ja auch Felder sowie den Menschen und seine Infrastruktur, auf die die uns zur Verfügung stehende Fläche aufgeteilt werden muss.

Aus diesem Grund steigt das Interesse daran, wie in den EU angrenzenden und zum Teil von großer Armut gezeichneten Ländern mit der Ressource Holz umgegangen wird. Dies ist einer von vielen Gründen, aus dem sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (www.giz.de) in der Forstwirtschaft und der Nutzung des Holzes, also dem Bioenergiemarkt für Festbrennstoffe, engagiert.

Meine Aufgabe ist herauszufinden, wie in Serbien Brennholz genutzt wird. Wie viele Leute heizen dort in welchen Öfen mit Holz? Wie werden die Wälder bewirtschaftet? Wie viele Bäume werden z.B. gepflanzt, wenn einer gefällt wird. Fragen über Fragen, denen es im serbischen Winter nachzugehen gilt. Ich hoffe sehr, dass die Ähnlichkeit mit dem sprichwörtlichen sibirischen Winter lediglich linguistischer Natur ist.

Ich bin mit dem Bus in 18 Stunden von Stuttgart über Österreich, die Slowakei und Ungarn in die Hauptstadt Serbiens, der weißen Stadt - Belgrad, gefahren. Warme Herbstluft begrüßt mich - wir sind in etwa auf dem Breitengrad Mailands - und beißende Abgase begrüßen beherzt. Kyrillisch lesen? Keinen blassen Schimmer. Serbisch sprechen? Noch schlimmer. Also setzte ich mich erst mal auf eine Parkbank und genoss die ungewohnt ruhigen Großstadtverhältnisse.

Die erste serbische Freundschaft

Dann fügte sich alles wie von allein. Das nächste Hostel war nicht weit. Das ganze Hostel, eine ausgebaute Dachgeschosswohnung, war leer. Keiner an der Rezeption, keiner in den Zimmern. Niemand. Also geh ich in die Küche, mache mir einen Tee und lasse den Dingen ihren Lauf. Es dauert nicht lang und es kommt jemand. Eine kleine Katze, die sich genießerisch die Sonnenstrahlen aufs Schnäutzchen scheinen lässt und mir beim Tee Gesellschaft leistet. Die erste serbische Freundschaft ist schon mal geschlossen.
Die nächsten Wochen gilt es sich mit Land und Leuten vertraut zu machen, die Fakultät für Forstwirtschaft kennenzulernen, eine Untersuchungsregion zu finden und viele, viele Fragen zu stellen. Mit Blick auf die Tatsache, dass ich weder Russisch noch Serbisch spreche, machen sich doch die ersten Zweifel breit, ob das nicht zu viel des Guten sei.

Wie es weitergeht, werdet Ihr in den nächsten Ausgaben erfahren.
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