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Ausbildung

Kein Job wie jeder andere

von , am
12.03.2013

Ann-Kathrin Arnemann ist im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin (HBL) an der Berufsbildenden Schule Ritterplan in Göttingen.

Freut sich auf die berufliche Herausforderung: Fachschülerin Ann-Kathrin Arnemann. © Wilkening

Zweite große Pause an der Berufsbildenden Schule Ritterplan in Göttingen. Im hauseigenen Bistro ist eine Menge los. Mitarbeiter und Schüler stehen Schlange für den Mittagstisch. "Mit oder ohne Hähnchenfleisch?", fragt Ann-Kathrin Arnemann ihre Kundin und füllt dann eine Box mit gebratenen Nudeln. Die Fachschulklasse hat neben anderen Klassen die Verantwortung für das Bistro. Sie erledigt die Planung, den Einkauf und hat sich in diesem Jahr bei der Aktion der Verbraucherzentrale Niedersachsen für eine Auszeichnung im Rahmen des Projektes "Schule auf Esskurs" beworben.

"Wenn wir unsere geplanten Ziele erreichen, erhalten wir unseren ersten Stern. Das ist für uns eine gute Übung im Projektmanagement und kann später im Betrieb übernommen werden", erklärt Ann-Kathrin. Im Sommer beendet sie ihre Ausbildung.

Gegen viele Vorurteile

"Ich würde gern in die Verpflegung einer Rehaklinik, da hab ich schon ein Praktikum gemacht, was mir gut gefallen hat und Verpflegung ist das, was mich am meisten interessiert." Die Entscheidung, nach der Ausbildung zur Hauswirtschafterin, die zweijährige Ausbildung zur staatlich geprüften Betriebsleiterin zu absolvieren, traf sie auch, weil sie gern Verantwortung übernimmt. "In einem zusätzlichen Seminar hat unsere Klasse auch noch die Qualifizierung zur Hygienebeauftragten erworben. Ein weiteres Mosaiksteinchen in unserer zukünftigen Karriere", fügt Ann-Kathrin lächelnd hinzu. Das ist aber noch längst nicht alles: Die zweijährige Ausbildung vermittelt die Ausbilderbefähigung, so dass später im Betrieb Hauswirtschafterinnen ausgebildet werden dürfen.

Arbeitsplätze in Einrichtungen der Behindertenwerkstätten verlangen eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation. Die wurde in die zweijährige Ausbildung integriert und schließt mit einer separaten Prüfung ab. Diese Prüfung hat die Klasse gerade hinter sich. "Dadurch haben wir einen ausdrücklichen Vorteil bei Bewerbungen in diesen Einrichtungen." Die Fachhochschulreife wird in diesen beiden Jahren nach einem erfolgreichen Abschluss ebenfalls erlangt, so dass die Absolventinnen im Anschluss an die Ausbildung mit einem Studium beginnen können.

Für die Ausbildung nimmt die junge Frau auch einige Kompromisse in Kauf: Als Mutter eines zweijährigen Sohnes bringt sie Ausbildung, Haushalt und Mutterpflichten unter einen Hut und wohnt zudem noch nicht einmal in Göttingen. "Ich pendle jeden Tag aus der Nähe von Holzminden hierher, aber das ist ok. Andere aus meiner Klasse reisen täglich aus Nordhessen und Thüringen an, weil es diese Ausbildung in ihrer unmittelbaren Nähe gar nicht gibt."

Reibungslose Abläufe, effiziente Mittelverwendung, die Umsetzung von neuen Ideen und Technologien - all das beinhaltet der Beruf der Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin heute. "Trotzdem wird das Berufsbild häufig unterschätzt, wir kämpfen immer noch gegen manche Vorurteile", sagt Barbara Bertl-Schwarz, Abteilungsleiterin der Hauswirtschaft.
 
Hauswirtschaftliche Führungskräfte werden händeringend gesucht. Der hohe Bedarf in Einrichtungen der Seniorenpflege, der Gemeinschaftsverpflegung, in Tagungshäusern, Hotels, Mensen oder auch auf Kreuzfahrtschiffen bieten für jede der zukünftigen HBL attraktive Arbeitsplätze.

Neue Ideen und Projekte

Die Fachschüler lernen in Göttingen auch die Praxis kennen: Im Bistro, in dem Mitarbeiter und Schüler verpflegt werden, und im Restaurant, in dem auch externe Gäste essen können, übernehmen sie Verantwortung. "Jeden Donnerstag arbeiten wir gemeinsam mit den Schülern im Bistro", erklärt Arnemann. Vom Bestellen der Ware über die Auswahl des Menüs bis hin zum Service liegt dann alles in den Händen des Teams.

"Kein Tag ist wie der andere, das lernen die Schüler von Anfang an ebenso wie Verantwortung zu übernehmen. Mal fehlt etwas, dann ist vielleicht ein Mitarbeiter krank, Probleme mit denen sie später auch im Betrieb klarkommen müssen", erklärt Ausbilderin Marlene Koslowski. "Für mich ist es die Vielseitigkeit des Berufs, die mich begeistert. Es ist spannend, dass man mit unterschiedlichen Menschen zu tun hat, im Team zusammenarbeitet und Verantwortung übernimmt."

Die Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Qualitätsmanagement ist der Schule wichtig. So lernen die Fachschüler einerseits wie wichtig gesunde Ernährung ist und verlieren andererseits nie aus den Augen, dass das Essen in jedem Unternehmen ein Kostenfaktor ist. Ann-Kathrin ist überzeugt von ihrer Ausbildung und den guten Chancen am Arbeitsmarkt. Dazu kommen im Vergleich zur Gastronomie angenehmere Arbeitszeiten und bessere Tarife in der Bezahlung. Begeisterung und Freude treiben sie an. Immer wieder entstehen so neue Ideen und Projekte. "Wir haben seit kurzem wieder die Fleischereilehrlinge an der Schule und überlegen jetzt gemeinsam einen Ritterburger zu kreieren, so als Alleinstellungsmerkmal für die Schule", sagt Ann-Kathrin und lächelt.

Weitere Infos zur Ausbildung gibt es auch im Internet unter www.bbs-ritterplan.de
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