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Vom Konfi-Geld gab’s "Alma"

von , am
06.05.2015

Jonas Hüneke (14) aus Wietzen kaufte sich vom "Konfi"-Geld ein eigenes Rind - und zwar ein ganz Besonderes. "Alma" ist ein Pinzgauer Rind, eine robuste, vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse aus dem Alpenland.

Gut umsorgt: Wenn das Gras auf dem Freiland für die Pinzgauer Rinder nicht reicht, kümmert sich Jonas ums Füttern. © Hüneke-Thielemann

So eine Entscheidung konnte Jonas natürlich nicht allein treffen. Das muss schon in die Familiensituation passen. Aber bei ihm passte das. Der Neuntklässler lebt mit seinen Eltern, zwei jüngeren Brüdern und den Großeltern auf einem kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit Hofladen, Ackerbau sowie Schweine- und Fleischrindermast. Landwirtschaft und Viehzucht haben ihn geprägt: Füttern, Melken, Ausmisten, Treckerfahren - Jonas war immer dabei. "Er stand ja quasi schon mit dem Maxi Cosi in der Stallgasse", sagt Mutter Dorit. "Oder anders gesagt: zu viel Stallluft abbekommen", fügt Vater Detlef mit fröhlichem Grinsen hinzu. Wobei er den Wunsch seines Sohnes ganz besonders gut verstehen kann: "Ich hab mir ja damals selbst nach der Konfirmation eigene Tiere gekauft - Schweine." Das Unterfangen vor vielen Jahren stand allerdings unter keinem guten Stern. "Zwei haben sich leider am ersten Tag schon totgebissen", erinnert er sich.

Robust und genügsam

Den Schritt für die Anschaffung der Pinzgauer Rasse hat sich Jonas gemeinsam mit seinen Eltern sehr genau überlegt. Zunächst dachte er an Schafe, doch nach einem Gespräch mit einem Schafhalter kam er davon ab. Bei Claus Prange in Balge-Behlingen, einem der wenigen Pinzgauer-Züchter im Kreis Nienburg, informierten sie sich über die kleinen Bergrinder mit der hübschen, kastanienbraunen Färbung und der auffälligen Bauch- und Rückenblässe.  Was sie dort hörten, passte perfekt in eine Nebenerwerbslandwirtschaft mit zwei Berufstätigen und einem Schüler: Pinzgauer sind äußerst pflegeleicht. Als robuste und genügsame Futterverwerter können sie ganzjährig im Freien gehalten werden. Sie haben ein sehr ruhiges Wesen und beste Muttereigenschaften. "Und sie sind leichtkalbig", erklärt Jonas. Wichtige Eigenschaften, denn der Junglandwirt will schließlich keine Streicheltiere halten, sondern eine reelle Muttertierherde aufbauen.

Dass die Alpenrinder im niedersächsischen Flachland bestens gedeihen, sah die Familie beim Besuch auf Pranges Jungtierweide. Die drei jungen Pinzgauer, die da beieinander standen, eroberten nicht nur Jonas‘ Herz: Seine Eltern entschlossen sich, ebenfalls zwei Rinder zur Zucht zu kaufen. So durften die drei Jungtiere noch einige Zeit mit dem Bullen auf der heimischen Wiese verbringen, bevor sie endgültig nach Wietzen umzogen. Jonas und sein Vater hatten inzwischen die Weide am Hof neu eingezäunt. Wenn das Freiland nicht genug Gras hergibt, kümmert sich Jonas um das Futter aus eigenem Anbau für die Pinzgauer.

Schon bald war für den Jungzüchter allerdings die erste ernüchternde Erfahrung fällig: Eines der Tiere erwies sich prompt als "Umbuller", war also nicht beim ersten Mal trächtig geworden. "Wenn man Tiere hält, muss man sich auf Rückschläge gefasst machen", hatte Vater Detlef seinem Sohn gleich mit auf den Weg gegeben. Eine Nachbesamung war fällig, und weil der Bulle jetzt kilometerweit entfernt war, nun also auf künstlichem Wege und mit Zusatzkosten.

"Konfi"-Kuh bald mit Kalb

Jetzt sind alle drei Pinzgauerdamen, "Agathe", "Annabelle" und "Alma", trächtig:  Zwei sollen im Juni kalben, der Nachzügler-Nachwuchs wird im November erwartet. Mit Jonas freut sich die ganze Familie darauf. "Muttertiere mit Kälbern auf der Weide - das ist doch ein total schönes Bild", bringt es Dorit Hüneke auf den Punkt. Und wer weiß: Vielleicht bekommen auch alle, die Jonas für seine "Konfi-Kuh" belächelt haben, einen ganz neuen Blick auf seinen vierbeinigen Konfirmationswunsch …
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