Login
Ausland

Kühe melken im Land der Hobbits

von , am
08.10.2013

Der Südniedersachse Tobias Mascher arbeitet ein Jahr lang in Neuseeland. Zehn Tage nach seiner Landwirtschaftlichen Prüfung saß er im Flieger. Mit im Gepäck: eine Portion Geduld und Abenteuerlust.

Was Tobias in Neuseeland über Landwirtschaft lernt, hält er im Berichtsheft fest. © Landpixel/Soltmannowski
Auf dem Milchviehbetrieb von Richard McIntyer in Neuseeland gibt es viel tun. Auf dem 520 Hektar großen Betrieb ist die Abkalbezeit in vollem Gang. "Und der Chef ist mal wieder nicht da", sagt Tobias Mascher. An die Arbeitsmoral der Ozeanier muss sich der Junglandwirt erst gewöhnen: Hier wird gearbeitet, um zu Leben, nicht gelebt, um zu arbeiten. Da muss man auch mal hinnehmen, dass der Chef trotz Arbeitsspitze seinem Hobby nachgeht statt mit anzupacken. "Tomorrow is a new day (Morgen ist ein neuer Tag)", bekommt Tobias dann oft zu hören.
Familiär "vorbelastet"

Trotzdem bereut der 20-Jährige seine Entscheidung nicht, für ein Jahr nach Neuseeland gegangen zu sein. Gebürtig aus Schoningen bei Uslar im Solling hatte er familiär bedingt schon immer eine enge Beziehung zur Landwirtschaft. Daher hat er sich, obwohl der elterliche Betrieb früh verpachtet wurde, nach seinem Realschulabschluss sofort für eine Lehre entschieden: "Die Landwirtschaft habe ich ja quasi im Blut. Ins Ausland wollte ich schon lange, aber nicht nach Neuseeland", erzählt Tobias weiter. Erst aus einem ursprünglich geplanten Australienaufenthalt entstand dann die Reise nach Neuseeland. "Meine beiden Lehrchefs meinten, dass es dort landwirtschaftlich sehr viel interessanter sei", begründet er seine Meinungsänderung. Da beide selbst früher schon dort gearbeitet haben, war es kein Problem, den Kontakt zu Milchbauer McIntyer zu vermitteln. Bereits zehn Tage nach seiner  landwirtschaftlichen Abschlussprüfung saß der frisch gebackene Landwirt dann im Flugzeug Richtung Südhalbkugel.

900 Milchkühe dort normal
 

Und seine Chefs sollten recht behalten. Tobias ist begeistert von dem Betrieb, der 900 Milchkühe und zwei Melkhäuser zählt. Diese Größenordnung ist dort normal. Wenn Tobias den Neuseeländern erzählt, dass in Deutschland Betriebe auch mit 100 Kühen überleben können, herrscht allgemeines Staunen. "Die denken dann, dass die deutschen Landwirte den ganzen Tag auf dem Sofa liegen", berichtet er schmunzelnd.Auch lernt Tobias einige Unterschiede in der Wirtschaftsweise kennen. So steht etwa die Herde das ganze Jahr über draußen, selbst die Kälber kommen nach zwei Wochen auf die Weide. Zugefüttert wird nur manchmal mit Heu und einer Kalzium-Magnesium-Gabe direkt. Spurenelemente werden dem Wasser zugesetzt.

Die reine Grasfütterung ohne Kraftfutterzugabe ist auch der Grund für die relativ niedrige Milchleistung von durchschnittlich 5.500 kg. Dadurch werden fünf Laktationen pro Kuh erreicht mit einer Remontierungsrate von 20 Prozent. Hinzu kommt eine andere Auffassung der Melkhygiene. "Während des Melkens wird oft nicht so intensiv saubergemacht so wie in Deutschland." Auch den persönlichen Umgang mit den Tieren vermisst er. „"Bei 900 Tieren kennt man die einzelnen Kühe nicht mehr. Es sind nur noch Nummern."

In seiner Zeit auf Neuseeland gewinnt Tobias aber nicht nur an landwirtschaftlichem Fachwissen und verbessert seine Englischkenntnisse. "Auch persönlich entwickle ich mich weiter. Ich bin viel selbstständiger geworden." Zudem hofft er, dass das Jahr in Übersee ihm helfen wird, einen attraktiven Arbeitsplatz nach seiner Rückkehr nach Deutschland zu bekommen. Er empfiehlt jedem, der die Möglichkeit hat ins Ausland zu gehen, diese Chance zu nutzen. "Es lohnt sich."
Auch interessant