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Ausland

Kühetreiben hoch zu Ross

von , am
07.08.2013

In der Schule fing es an: Die 11. Klasse verbrachte Dirk Landmann als Austauschschüler in Chile. Seitdem hat ihn das Fernweh nicht mehr losgelassen.

"Arbeitsgerät" mit vier Beinen: Beim Kühetreiben und auf anderen Wegen auf der Farm in der Provinz Santa Fe saß Dirk Landmann fest im Sattel. © privat
Für landwirtschaftliche Praktika und Projekte reiste der 25-Jährige, inzwischen Master-Student im Studiengang Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus in Göttingen, nach Argentinien, in die USA sowie nach Russland und Kirgisien.

Wie hast du die Landwirtschaft im Ausland erlebt?

Bei einer Fachexkursion mit dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) nach Zentralasien und Russland wurden uns landwirtschaftliche Projekte etwa über Weidemanagement in Kirgisien vorgestellt. Bei meinem dreimonatigen Praktikum in Argentinien arbeitete ich 2009 auf einem Milchviehbetrieb mit 750 Kühen und rund 40 Angestellten. Für die Gesundheit der Tiere sorgte dort ein eigener Betriebstierarzt, den ich oft begleitete, außerdem organisierte ich für zwei Wochen eigenverantwortlich die Versorgung der Kälber. Eher ungewohnt war, dass die Kälber bis zum 45. Tag einzeln angepflockt gehalten werden.

Wenn man bei uns etwas kaputt wegwirft, fangen sie in Argentinien erst an: Als ich die Arbeiter in der betriebseigenen Werkstatt einmal wegen eines kaputten Treckersitzes ansprach, meinten die nur "Das kriegen wir hin." Wenig später hieß es: Fertig! Sie hatten aus einer Eisenfelge und einem Strohsack einen neuen Sitz gebastelt.

Wie war die Unterbringung?

Eine interessante, aber etwas einsame Erfahrung war mein Praktikum auf einem Ackerbaubetrieb 2010 in Minnesota/USA. Ich habe dort als Trainee mit einem Kollegen zusammen in einem eigenen Haus gewohnt. Während meiner Zeit dort haben wir insgesamt 1.133 Hektar Sommerweizen, 202 Hektar Winterweizen, 1.376 Hektar Sojabohnen und 324 Hektar Sonnenblumen bewirtschaftet. Die Sonnenblumen habe ich fast alleine gedroschen, was es insgesamt gesehen  natürlich schwer macht, Leute zu treffen, wenn man die meiste Zeit eine Riesen-Maschine mitten im Nirgendwo über die Felder steuert. Ich wusste zwar vorher, dass ich nicht in einem klassischen Familienbetrieb lande. Aber bei der Arbeit auf diesen endlos großen Flächen habe ich erst gemerkt, was Einsamkeit ist.

Was hast Du an persönlichen Erfahrungen mitgenommen?

Die Begegnungen mit den verschiedenen Menschen finde ich immer wieder sehr spannend. In Argentinien haben mich abends die Arbeiter häufig zum Grillen eingeladen. Ich wollte mich revanchieren, aber das haben sie gar nicht erwartet. Ihr Zusammenhalt hat mich besonders beeindruckt. Für meinen Chef dort war ich zwar mehr Angestellter als Familienmitglied, aber als ich ein paar Tage krank war, hat sich seine Familie sehr um mich gekümmert. Allgemein finde ich, je mehr Menschen ich kennenlerne, umso gelassener kann ich auf sie zugehen.

Wie lief es mit der Organisation?

Den Praktikumsplatz in Argentinien, die Anreise und alles, was sonst dazugehörte, habe ich mir über Tipps von Bekannten selbst organisiert. Eine finanzielle Förderung gab es über die „Stiftung für Begabtenförderung der Deutschen Landwirtschaft”. Beim Praktikum in den USA lief der Kontakt zum Betrieb über die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes (DBV), die mich in ein entsprechendes Programm der Ohio-State-University vermittelt hat.
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