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Ausbildung

Mit Leib und Seele Bierbrauer

von , am
04.03.2014

"Lieber keine Experimente machen" - diese Aussage trifft nicht auf Gregor Jordan zu. Der angehende Mälzer und Brauer testet auch in seiner neue Aromen aus.

Gewusst wie: Gregor Jordan begeistert sich für seinen Beruf: In seiner Freizeit probiert zu Hause ständig neue Bieraromen aus. © Raupert

Mit glänzenden Augen steht Gregor Jordan vor seinem geöffneten XXL-Kühlschrank. Dort stehen dicht an dicht und sauber geordnet bei optimaler Kühltemperatur von 2 °C jede Menge gut gefüllter Bierflaschen. Das ist an sich vielleicht nichts Besonderes. In diesem Fall aber schon, weil der 19-Jährige dieses Bier selbst gebraut hat. Die Kenntnisse dazu hat er sich in der Ausbildung als Mälzer und Brauer bei der Rupp-Brauerei in Lauenau erworben.

Gut Ding will Weile haben

Auch wenn es noch so verlockend ist, getrunken werden darf dieses Bockbier noch lange nicht. "Ich experimentiere hier mal mit der Reifezeit", erklärt der angehende Brauer, der in Gehrden vor den Toren Hannovers zu Hause ist.

Rund zwölf Monate soll das Bockbier reifen und einen eigenen typischen Geschmack entwickeln, erläutert der Azubi, der gerade das zweite Lehrjahr absolviert, den Sinn der langen Lagerdauer. Zum Vergleich: Die großen Bierkonzerne produzieren Bockbier durch die Beschleunigung der chemischen und biologischen Prozesse in nur vier Wochen, kleine Brauereien wie Rupp lassen sich dafür drei Monate Zeit.

Seine Liebe zu diesem seltenen Beruf des Brauers hat Gregor beim zweiwöchigen, vom Gymnasium vorgeschriebenen, Berufspraktikum Ende des 10. Schuljahres entdeckt. Sein Bruder war auf diese "schräge Idee" gekommen. Er hat ihn bei einem Bierchen im Familienkreis mit einem Augenzwinkern angepflaumt: "Du trinkst doch gern Bier, dann mach dein Praktikum doch in der Brauerei." Nach kurzem Überlegen war Gregor so von der Idee begeistert, dass er sich sofort bei der Gildebrauerei in Hannover bewarb und zu seinem Glück auch ausgewählt wurde.

Es folgten im Jahr 2010 für ihn zwei interessante Wochen in der Brauerei. "Mir hat der Kontrast von der Theorie in der Schule zur harten Praxis in der Brauerei total Spaß gemacht", erinnerte sich Gregor.

Danach stand sein Entschluss fest, diesen Beruf nach dem Abi 2012 von der Pike auf zu lernen. So bewarb er sich bei Rupp in Lauenau und nach dem Vorstellungsgespräch war der Weg frei. "Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut", freut sich der angehende Mälzer und Brauer, und das liegt nicht nur daran, dass er diesen besonderen Geruch im Gärkeller liebt und sich bei der Brauerei je nach Bedarf kostenlos mit dem edlen Gerstensaft eindecken darf.

Ausgefallenes selbst entwickeln

Die abwechslungsreiche Ausbildung, die zum einen im Schaumburger Land und zum anderen in der Berufsschule bei Becks in Bremen in Form von vierwöchigem Blockunterricht abläuft, hat seinen Ehrgeiz entfacht. So experimentiert er zu Hause gern an neuen Geschmacksrichtungen und will später mit seinen ausgefallenen Ideen und Biersorten potenzielle Kunden anlocken. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Erst einmal heißt es pauken, damit er die naturwissenschaftlich ausgerichtete Ausbildung durch gute Noten vorzeitig nach zweieinhalb Jahren abschließen kann.

Und auch die nächsten Stationen seiner beruflichen Karriere sind schon eingetaktet: Nach der Lehre soll eine zweijährige Gesellenzeit in einer anderen Brauerei folgen, wo er seine theoretischen Kenntnisse anwenden und weitere praktische Erfahrungen sammeln will. Außerdem möchte Gregor dann noch in Berlin oder Weihenstephan sieben Semester studieren, um sich später als Diplom-Braumeister selbstständig zu machen. Danach steht ihm quasi die Welt offen: So könnte er als Braumeister in jeder Brauerei im In- und Ausland anheuern. "Deutsche Braumeister sind stark gefragt, vor allem in Asien", so der ehrgeizige Azubi. Der Trend in Deutschland geht seiner Meinung  eher in die Richtung "Garagenbrauereien" oder - wie in Bayern - zu kleinen Gaststätten mit eigener Brauerei.

In vielen Geschmacksrichtungen

Sein persönlicher Traum ist es, später mal eine eigene kleine Brauerei zu eröffnen, die einen bunten Strauß von eigens kreierten Biersorten verschiedenster Geschmacksrichtungen anbietet. Da er in der Ausbildung eher nur mit den Standardbiersorten konfrontiert wird, hat er das Experimentieren mit neuen Sorten nach Hause verlegt. Dazu braucht es im Prinzip nicht viel: Ein normaler großer Einkochtopf dient als Braubottich oder Braupfanne und dazu die vier elementaren Grundzutaten wie Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Das deutsche Reinheitsgebot hält Gregor weitgehend ein. Ihm kommt bei seinen frischen Kreationen zugute, dass es immer neue Hopfensorten mit den verschiedensten Aromen gibt. Seine Favoriten: die Melonen- und Mandarinenaromen. In Kürze will er ein Bier brauen, das nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht: Ein Whiskybier. "Ich bin total gespannt, wie diese Biersorte schmecken wird", freut sich der 19-Jährige, der dafür zum Schluss des Brauprozesses Whisky hinzufügen will.

An freiwilligen Testpersonen wird‘s ihm nicht mangeln, denn Gregor ist auch wegen seiner Ausbildung bei seinen Kumpels sehr beliebt.

Tipp: Nachwuchs suchen Brauereibetriebe aller Größenordnungen. Es lohnt sich, mit den Brauereien in der Umgebung direkt in Kontakt zu treten.
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