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Mit Leichtigkeit zum Erfolg

von , am
24.06.2014

Respekt und Vertrauen als Schlüssel zur Harmonie zwischen Reiter und Pferd: Die 21-Jährige Elena Meyer arbeitet mit ihrem Connemara-Pony Brentano nach der "Ecole de Légèreté".

Seit zehn Jahren ein Team: Elena Meier und ihr Connemara-Pony Brentano. © Walschek

Brentanos braune Augen sind sehr wachsam, als Elena "Elle" Meier mit dem Training beginnt. Der 17-Jährige Ponywallach weiß die Ruhe und Geduld seiner jungen Besitzerin zu schätzen. Er spitzt die Ohren. Konzentriert sich auf ihre feinen Kommandos. Behutsam hält Elle den Gebissring seiner Trense in der linken, den Zügel über seinen Hals geführt und die lange Gerte in der rechten Hand. Mit langsamen Schritten geht es vorwärts.

Elle erarbeitet die "Losgelassenheit", also das schwungvolle und gesunde Vorwärts ihres Connemara-Ponys an der Hand, vom Boden aus. Sie trainiert Brentano nach der "Ecole de Légèreté" (Schule der Leichtigkeit) des französischen Ausbilders Phillipe Karl. Respekt und Vertrauen als Schlüssel zur Harmonie zwischen Reiter und Pferd: Von Kindesbeinen an arbeitet und reitet Elle nach dieser klassischen Ausbildungsmethode. Ihre ersten Dressur- und Springturniere absolvierte sie auf dem Pferd ihrer Mutter, auf dem Deutschen Reitpony "Lady". Ihr allererstes Turnier ritt sie bereits mit fünf Jahren in der Führzügelklasse. Heute studiert die 21-Jährige Biologie: Ihren Schwerpunkt will sie in der Verhaltensforschung setzen.

Nächstes Ziel: Die höhere Lektion „Piaffe“

"Zur Arbeit mit Pferden gehört Geduld. Man sollte sich für die Ausbildung viel Zeit nehmen, sich aber trotzdem immer wieder kleine Ziele setzen", sagt Elle. Ihr nächstes Ziel ist die Piaffe. Die Piaffe ist eine Kunstgangart, bei der das Pferd elegant auf der Stelle trabt - fast in Zeitlupe. Als natürliches Verhalten zeigt ein Pferd die Piaffe nur bei großer Unruhe und Erregung. Brentano beherrscht bereits Seitengänge in allen drei Gangarten - also Schritt, Trab und Galopp. Das ist eine gute Basis für höhere Lektionen wie die Piaffe. "Ich habe auch schon Zirkuslektionen mit ihm geübt", erzählt Elena.

Wenn die junge Reiterin mit der lockernden Handarbeit fertig ist, schwingt sie sich in den Sattel. Auch hier zeigen sich Mensch und Pferd vollkommen entspannt. Kein hartes Zügelziehen, keine Schenkel, die in den Bauch buffen. Die Übungen vom Boden wendet Elena nun auf dem Pferd an.

Die Versammlung: Das Höchste der Gefühle

Schulterherein, Travers und Renvers - alles Lektionen, die Brentanos Bewegungen geschmeidig und losgelassen machen sollen. Der Fachbegriff hierfür ist die Versammlung: Das Pferd nimmt auf der Hinterhand (den Hinterbeinen) die Last des Reiters auf. Das Genick ist hierbei der höchste Punkt, der Rücken leicht nach oben gewölbt. Dadurch reagiert das Pferd auf feinste Gewichtshilfen. Um das höchste der Gefühle, diese Versammlung zu erreichen, benötigt das Pferd lange Zeit vorher eine Gymnastikausbildung, in der Kondition, Muskeln und Kraft aufgebaut werden. Das Tolle daran: Der Reiter hält sein Pferd gesund. Aber: Oft kommt es vor, dass schlecht ausgebildete Reiter nicht erkennen, dass sich ihr Pferd den Hilfen entzieht. Das passiert, beispielsweise wenn Hilfen von Schenkel und Zügel falsch und hart eingesetzt werden. In der Szene ist diese schlechte Art des Reitens als Hyperflexion oder "Rollkur" bekannt.

Den Sommer mit Lady auf der Weide genießen

Für das korrekte Ausbilden eines Pferdes ist also enorm viel Wissen gefragt. Bücher lesen hilft zwar, ersetzt aber nicht die Anleitung durch einen guten Trainer. Elena nimmt deshalb mit Brentano regelmäßig an Seminaren teil. Hier lernt sie Neues und kann das Erlernte auf den Prüfstand stellen. Elle hat ihr Pony in Pegestorf (Holzminden) auf der Reitanlage Hellwig und Matthes GbR untergebracht, einem Ehrenmitglied der "Ecole de Légèreté".

Mehrmals im Jahr sind dort Philippe Karl und sein weibliches Pendant in Deutschland, Sabine Mosen, zu Gast. Brentano hat jetzt allerdings erst mal Pause. Elena holt ihn zu sich nach Hause. Dort verbringt er den Sommer gemeinsam mit Ponyfreundin Lady auf einer Weide am Wohnhaus. Denn: Auch gute Sportler brauchen eine Auszeit vom Alltag.
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