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Luftsprung

von , am
31.07.2013

Auf dem Platz in Jever zeigt eine Gruppe Skateboarder was sie können. Mit ihren Brettern rollen sie über die Rampen, zeigen irrwitzige Tricks und landen krachend auf dem schwarzen Teer. Dafür haben sie viele Jahre gekämpft.

Jung, wild und engagiert: Einige der Mitglieder der Gruppe "Skate O Fari", die seit 2009 für den Ausbau ihres Skateplatzes kämpfen. © Päschel
Sie hätten es sich auch einfach machen können. Sie hätten lauthals über die teure, neue und kaum zu befahrene Skateboardanlage schimpfen können, die die Stadt im Jahr 2008 hatte errichten lassen. Im ersten Moment fiel den Skatern in Jever auch nichts anderes ein, gibt Joshua Dings zu. Doch anstatt sich enttäuscht abzuwenden, suchten der heute 24-Jährige und eine handvoll weiterer Jugendlicher nach sinnvolleren Alternativen.

Sie schlossen sich zur Gruppe "Skate O Fari" zusammen und sammelten rund 18.000 Euro. Und sie fanden Mittel und Wege, um "ihren" Platz doch noch zu dem zu bringen, was er von Anfang sein sollte und bisher nicht war: Ein Platz, auf dem sich gut Skateboard fahren lässt. Nach einem Um- und Ausbau wird die neue Anlage nun am 23. August mit einem kleinen Contest eröffnet.

Es muss etwas passieren

"Es ist bemerkenswert, mit welchem Engagement sich die Jugendlichen hier eingesetzt haben", staunt nicht nur Detlef Berger. Den 53-jährigen Stadtjugendpfleger in Jever beschäftigt das Thema bereits seit 1998, dem Jahr, in dem die Stadtverwaltung zum ersten Mal dem Drängen der Jugendlichen nach gab und für geschätzte 10.000 D-Mark ein paar Rampen errichten ließ. "Seither gab es immer wieder Probleme und viele, die unzufrieden waren", sagt Berger. Mal fühlten sich die Anwohner gestört, mal verscherzten es sich die Jugendlichen selbst mit den Grundstücksnachbarn und Behörden, weil sie die Plätze zumüllten und allzu oft spontane Partys feierten. Dreimal wurden die Rampen an anderer Stelle wieder aufgebaut.

Beim letzten Umzug vor fünf Jahren ließ sich die Stadt aller Querelen zum Trotz sogar noch einmal auf eine kostspielige Investition ein. Weil es Detlef Berger gelungen war, über Stiftungen, Spender und Sponsoren ca. 35.000 Euro einzuwerben, stockte der Stadtrat 2008 die Summe um weitere 15.000 Euro auf. Viel Geld, mit dem eigentlich alles endlich zum Guten hätte geführt werden können.

Das Ergebnis aber fiel für Joshua Dings und seine Freunde ernüchternd aus: "Der Platz war zu klein und die Rampen im Verhältnis zu groß", stellten sie fest. Weil der Abstand zwischen den verschiedenen Hindernissen viel zu knapp bemessen wurde, konnten sie sie nicht anfahren. Zudem drohten die tonnenschweren Betonelemente bei heißen Temperaturen in der frisch asphaltierten Fläche zu versinken.

Selbst aktiv werden

Nachdem der erste Ärger verraucht war, entschieden die Jugendlichen mit der Unterstützung von Detlef Berger, dass etwas passieren müsse. Im Frühjahr 2009 gründeten sie "Skate O Fari" und machten sich zum ersten Mal ernsthafte Gedanken darüber, was sie selbst zur Verbesserung der Situation beitragen könnten. Beim alljährlichen und großen Stadtfest stellten sie in einer der Nebenstraßen einen Tisch auf die Straße und zeigten Videos zu ihren Fahrkünsten. "Dazu haben wir die ganze Zeit die Dose geschüttelt", erzählt Joshua Dings, der sich im Laufe der Zeit immer mehr zum Sprecher und Kopf der Gruppe aufschwang. "In zwei Tagen Altstadtfest sind 450 Euro zusammen gekommen." Gemessen an den zu erwartenden Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro, war das natürlich zu wenig. "Der Betrag war aber gar nicht so wichtig", relativiert Detlef Berger. Entscheidender sei die Wirkung in der Öffentlichkeit gewesen. "Die Menschen in Jever haben gesehen, dass die Jungs Verantwortung übernehmen."

Immer beliebter

Das Engagement der Skateboarder zeigte Wirkung, zumal es über Monate und Jahre hinaus anhielt. "Mittlerweile ist ihr Aktionstand beim Altstadtfest  nicht nur größer und an einen zentralem Punkt gewechselt, sondern auch stadtbekannt. Wir werden offensichtlich immer beliebter", sagt Joshua Dings grinsend.

Dass sie nun nach langem Warten doch noch zu einem Platz nach ihren Vorstellungen kommen, ist aber nicht nur dem Zuspruch vieler Jeveraner und Sponsoren zu verdanken. Den entscheidenden Durchbruch erzielte Detlef Berger im Gespräch mit einem Unternehmen in Süddeutschland, das Rampen baut. Dessen Angebot lautete: "Ich baue euch den Platz für das Geld, das ihr habt." Die einzige Bedingung, die die Firma stellte, war die Bitte, die Anlage als Referenzplatz nutzen zu können. "Ich hatte fast schon resigniert", gesteht der Stadtjugendpfleger. So aber werden er und "Skate O Fari" für ihren jahrelangen Einsatz belohnt.
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