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Mach Dein Ding

von , am
23.09.2015

Stehen Frauen, die einen Betrieb leiten möchten, vor größeren Herausforderungen als ihre männlichen Kollegen? Dieser und weiteren Fragen widmet sich Talea Becker in ihrem Buch "Hast du keinen Bruder?".

Talea Becker, Jahrgang 1985, stammt aus dem Wangerland. Aufgewachsen ist sie auf einem Milchviehbetrieb und hat im Anschluss Agrarwissenschaften studiert. © Breuer
In zwei Sätzen: Talea, worum geht es in Deinem neuen Buch?

Um selbstständige Landwirtinnen, also Frauen, die selbstständig Betriebe leiten. Herausforderungen und Schwierigkeite mit denen die Frauen umzugehen haben und natürlich auch die schönen Seiten des Berufes werden thematisiert.

Was hat Dich motiviert, die Frauen zu befragen und daraus ein Buch zu schreiben?

Dieses Buch hätte ich selbst gerne gelesen. Ich bin auf dem Hof aufgewachsen, habe Agrarwissenschaften studiert, mehrere Praktika im In- und Ausland gemacht, die Praktikantenprüfung abgelegt und war mir trotzdem unsicher, ob ich einen Betrieb leiten könnte. Um das zu klären, wollte ich mich mit Frauen austauschen, die in dieser Position sind. Von den Ergebnissen sollen auch andere profitieren können!

Würdest Du sagen, dass nur wenige Frauen als Betriebsleiter tätig sind, weil das Thema so wenig präsent ist?

Ja! Es gibt einfach keine Vorbilder, an denen sich junge Frauen orientieren können. Dazu kommt, dass der Hof oft aus Gewohnheit oder falsch verstandener Tradition an den Sohn vererbt wird. Die Erziehung ist meist darauf ausgerichtet; auf dem Trecker sitzen immer die Jungs.

Die Frauen aus Deinem Buch haben es trotzdem in die Position geschafft, aber wie geht es dann weiter, mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen?

Als Erstes musst Du damit umgehen können, dass Du auffallen wirst. Eine Frau in der Betriebsleitung ist in dem Sinne "nicht normal". Viele Arbeiten werden Dir nicht zugetraut. Außerdem kommt dazu, dass Du nicht allein bist. Mitarbeiter, Händler, Berater, Nachbarn begegnen Dir und Du musst mit ihnen umgehen können. Sonst kannst Du nicht erfolgreich wirtschaften.

Aber was ist denn nicht normal? Gibt es einen Unterschied in der Betriebsführung bei Frau und Mann?

Frauen, die einen Betrieb führen, mussten sich aktiv dafür entscheiden. Sie wissen was sie wollen und können das auch durchsetzen. Meine Gespräche haben gezeigt, dass die Frauen sehr großen Wert darauf legen, den Überblick zu behalten. Sie machen die Buchführung selbst und haben so alle wichtigen Entscheidungen im Blick. Trotzdem konzentrieren sich viele Betriebsleiterinnen auf einen Bereich, wie zum Beispiel die Tierhaltung und delegieren verbleibende Aufgaben an ihre Mitarbeiter.

Kann ich daraus den Schluss ziehen, dass Frauen innovativer sind, da sie kein Problem damit haben, etwas Neues zu machen?

Auf die befragten Frauen trifft das sicherlich zu. Betriebe, die von Frauen geleitet werden, sind eher modern als traditionell, sonst wäre es erst gar nicht zu der Konstellation gekommen. Generell ist das aber eine Frage der Persönlichkeit!

Haben Dich die Gespräche beeindruckt oder sogar überrascht?

Mir ist aufgefallen, wie unterschiedlich die Frauen sind. Gleichzeitig sind aber alle sehr entschlossen und haben ihren eigenen Willen. Spannend fand ich die Tatsache, dass einige den Beruf gewählt haben, da er sehr gut mit Kindern vereinbar sei. Die ganz Kleinen können mit ins Büro und später mit in den Stall. Außerdem ist so gut wie immer jemand da, der aufpassen kann.

Du hast Dir einen Eindruck von den Betrieben machen können, sind die Frauen mit ihrer Situation zufrieden?

Ja, absolut. Die Betriebsleiterinnen haben natürlich auch Zukunftspläne. Die sie auch in nächster Zeit umsetzen werden.

Nach der ganzen Recherche stellt sich die Frage: Traust Du Dir nun zu, einen Betrieb zu leiten?

Ja! Ich weiß, dass ich das schaffen würde. Und das gilt auch für andere junge Frauen. In der ganzen Branche liegt so viel Potenzial brach. Es gibt schließlich keinen Mangel an Höfen. Mehr Betriebsleiterinnen würden Vielfalt in die Branche bringen.
 
Was empfiehlst Du jungen Landwirtinnen, die einen Betrieb übernehmen wollen?

Macht Euer Ding. Konzentriert Euch auf Eure Unterstützer, wie Familie und Freunde! Für Skeptiker und Kritiker braucht Ihr viel Geduld und Humor. Oft ist die Kritik nicht einmal böse gemeint, nimmt aber trotzdem den Wind aus den Segeln. Davon soll sich niemand entmutigen lassen. Selbstbewusstsein ist wichtig, aber niemand ist von Anfang an super tough. Das kommt mit der Zeit. Und Muskeln sind längst nicht mehr alles. Das meiste lässt sich auch mit etwas Köpfchen lösen.
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