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Ausbildung

Der Mann im Haus

von , am
13.08.2013

Kaffeekochen, Wäschepflegen, Schreibtischarbeit - Das alles gehört zum Arbeitsalltag eines Auszubildenden für die Hauswirtschaft. Florian Siebrands ist begeistert von seinem Berufsalltag.

Florian Siebrands, Auszubildender der Hauswirtschaft: „Es ist ein sehr moderner Job.“ © Wilkening
Das Gut Sannum liegt im Ort Großenkneten in der Nähe von Oldenburg. Das Wohnheim für Erwachsene mit einer geistigen, seelischen oder mehrfachen Behinderung verfügt über eine angeschlossene Landwirtschaft mit Bioland-Gärtnerei - und dem Café Sannum. Hier bedient Florian heute seine Gäste. Er ist im dritten Lehrjahr. Das Café ist öffentlich, alle Lebensmittel werden täglich frisch zubereitet.
 
Neben dem Zubereiten von Kaffee und Co. hat Florian (20) auch immer ein Auge auf die anwesenden Bewohner. "Meine Schicht geht bis heute Abend, aber ich habe auch erst um 11 Uhr angefangen, das ist schon ok, ich mag das, kein Tag ist wie der andere", sagt er und stellt ein Kaffeekännchen auf den Tisch. Reine Frauenwirtschaft - von wegen Männer sind in der Hauswirtschaft nach wie vor selten, warum also hat er sich für diese Ausbildung entschieden? Er lacht. "Tja, jeder Junge will wahrscheinlich Feuerwehrmann oder so was werden, aber mir macht das hier viel Spaß. Ich bin zufällig Hauswirtschafter geworden. Weil ich eine Lehre als Sozialassistent abgebrochen habe, aber noch schulpflichtig war, habe ich eine einjährige Hauswirtschaftsschule besucht und das hat mir so gut gefallen, dass ich danach weitergemacht habe."
 
Statt wie üblich erst im Laufe der Lehre in den Betrieb einzusteigen, begann Florian gleich im ersten Lehrjahr auf Gut Sannum. "Ich habe mich hier vorgestellt und es hat einfach gepasst. Meine Ausbilderin Frau Bolduan meinte, dass sie normalerweise nur junge Frauen hier hat, vielleicht fand sie es deshalb auch gut mal einen Mann vor Ort zu haben." Er grinst. "Es ist eine vielseitige Ausbildung, auch für mich persönlich lerne ich einfach viel. Wann hab ich früher schon mal gebügelt oder gelernt einen Knopf anzunähen. Als Koch lernt man nur kochen, aber hier hab ich das volle Programm: Wäschepflege, Betreuung, Versorgung, Reinigung. Nur das Büro steht noch aus, da bin ich demnächst."
 
Ein moderner Beruf - kein Hausfrauenjob
 
Die Förderung und Unterstützung der Bewohner ist Ziel des Gutes. "Klar muss man am Anfang erst lernen, wie man mit Menschen mit einer Behinderung umgehen muss - aber das ging schnell." Mit dem Beginn der Ausbildung ist er von zu Hause aus- und in eine kleine Wohnung im Nachbarort eingezogen. "Das war schon auch ein Start in ein komplett neues Leben für mich", sagt er. Die Berufsschule besucht er in Oldenburg, nach der Ausbildung möchte er seinen Betriebsleiter machen. Seine Eltern unterstützen Florian in seinem Berufswunsch.
 
Mancher Freund war am Anfang skeptisch. "Viele haben Vorurteile, weil sie gar nicht wissen, was der Beruf alles beinhaltet, was man auch alles lernen muss. Es ist ein sehr moderner Beruf, kein Hausfrauenjob." Für die Prüfung im kommenden Jahr hat Florian sich auch durch die Teilnahme am Berufswettbewerb vorbereitet. "Das ist einfach eine gute Vorbereitung und macht Spaß." Und das Arbeiten mit Frauen? Er lacht. "Damit hab ich keine Probleme. Wir sind ein gutes Team. Ich kann mir nicht mehr vorstellen in einem anderen Job zu arbeiten."
 
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