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Ein Pferd ist nun mal kein Fahrrad

von , am
05.11.2014

Die besten Reiter bilden die beste Mannschaft? Nicht unbedingt. Im Dressurviereck kommt es vor allem auf die Harmonie an - und darauf, dass sich Reiter und Pferde gut verstehen.

Ohne Teamwork geht es nicht. Vor einem Turnierstart packen viele Freunde und Familienmitglieder mit an, bis Tomke Borchers, Lena-Cathrin Carstens, Frauke Borchers, Phyllis Bruns und Lisa Buskohl (v. l.) ins Dressurviereck einreiten können. © Wilken

Welche Pferde gehen gern nebeneinander, welche können sich nicht riechen? Welches Pferd hasst es, wenn ihm ein "Kollege" auf dem Huf folgt, welches trabt am liebsten vorneweg? Welches Pferd galoppiert am schnellsten, welches hat es nicht so eilig? Wenn Lena-Cathrin Carstens für sich und ihre vier Mitreiterinnen vom Reitverein Bockhorn (Kreis Friesland) eine sogenannte Dressur-Kür, eine Choreografie zu Pferde, erarbeitet, muss sie all das und noch mehr beachten. Denn bei der Mannschaftsdressur kommt es darauf an, dass alle Lektionen zu Pferde absolut synchron und sauber ausgeführt werden.

Bis das klappt, ist viel Übung nötig - aber auch eine mitreißende Musik, die die Wirkung der Kür noch unterstreicht. "Die Stücke, zu denen wir reiten, reichen von Helene Fischer bis Culcha Candela. Sie müssen zeitlich genau auf die Kür abgestimmt werden, denn wenn die Gangart wechselt, wechselt auch die Musik", erklärt die 15-jährige Frauke Borchers. "Wir haben dazu immer wieder mit der Stoppuhr abgemessen, wie lange zum Beispiel eine Galoppade dauert, dann die Musik neu angepasst, dann wieder reiten und so weiter." Da ist einerseits Geduld gefragt, aber auch der Wille, sich aufeinander einzustellen. "Es bringt eben nichts, wenn man vier tolle Reiter hat, die aber nicht miteinander harmonieren", so Mannschaftsführerin Lena-Cathrin Carstens. Einmal wöchentlich treffen sich die fünf jungen Frauen aus dem Raum Bockhorn, um gemeinsam zu trainieren. Auch das muss gut abgesprochen werden, schließlich stehen die Pferde der Reiterinnen nicht zusammen in einem Reitstall, sondern jeweils bei den einzelnen zu Hause. "Man braucht also einen Hänger und jemanden, der Zeit hat, den Wagen zu fahren", zählt Lisa Buskohl auf. "Und muss eine freie Halle organisieren, und dann müssen wir auch noch alle Zeit haben", ergänzt Tomke Borchers, die in diesem Herbst ein duales Studium in Hannover begonnen hat und nur noch am Wochenende Zeit zum Reiten findet.

Ohne Unterstützung von Familie und Freunden läuft nichts - ob es um die Fahrten zum Training oder zum Turnier geht, um Hilfe beim Verladen der Pferde, beruhigende Worte vorm Turnierstart oder darum, dass jemand mal eben das Pferd hält, wenn die Reiterin schnell etwas trinken möchte.

Fest im Sattel -schon seit Jahren

Obwohl sie erst seit Anfang des Jahres als Mannschaft starten, wurden die Friesländerinnen im Juni bereits Kreismeister. Allerdings sitzen alle schon von Kindesbeinen an fest im Sattel und verfügen auch über Turniererfahrung. "Aber wenn ich für die Mannschaft reite, bin ich viel aufgeregter", gibt Phyllis Bruns zu. "Wenn man allein reitet und es läuft nicht, ist es eben Pech. Aber in der Mannschaft sind alle betroffen." "Dabei ist keine von uns böse, wenn eine andere mal einen Fehler macht oder sich das Pferd erschrickt. Das kann passieren, ein Pferd ist nun mal kein Fahrrad", sagt Lisa Buskohl mit einem Augenzwinkern.

Der Ohrwurm des Jahres gegen Lampenfieber


Die Pferde haben ihren eigenen "Trick" gegen Lampenfieber: "Wenn Helene Fischers ‚Atemlos‘, unser Startlied, losgeht, merkt man richtig, wie sich die Pferde konzentrieren und Lust auf die Kür haben", so Frauke Borchers. Und wenn die vier Paare beim Turnier erst einmal ins Dressurviereck einziehen, heißt es nur noch: Reiten - und alles andere ist vergessen.

Das Team geht auch beim Agravis-Cup am 14. November an den Start. Infos dazu findet Ihr in der Ausgabe 45 auf S. 84 und 85.
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