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Ausbildung

Eine Portion Neugier

von , am
03.04.2013

Ausbildung, Studium, fester Job in der Landtechnik - Bettina Armgart hat all das im Schnelldurchlauf durchgezogen. Wie das ging und was sie jedem Berufseinsteiger empfiehlt, hat sie uns verraten.

Immer schauen, was möglich ist. Bettina Armgart verrät ihr ganz persönliches Erfolgsrezept. © Wilkening

"Beim ersten Blick auf den Lebenslauf sagen die meisten: `Ziemlich straight`, aber ich wollte es nie anders haben", sagt die junge Frau und lächelt. Armgart trägt die dunklen, langen Haare praktisch zum Zopf. Gerade ist sie aus Baden-Württemberg in der Nähe von Northeim - ihrer Heimat - angekommen. In Mannheim arbeitet sie als Product Specialist in einem weltweiten Landtechnikunternehmen. Jetzt ist Wochenende und sie bietet am Wohnzimmertisch Kaffee und Kuchen an. "Eigentlich ging eins ins andere über. Ich bin immer mit einer neuen Idee nach Hause gekommen, egal von wo. Meine Eltern wussten immer, sie hat schon wieder was Neues im Kopf."

In den Kopf gesetzt

Aufgewachsen auf dem elterlichen Ackerbau-Betrieb in Südniedersachsen stand für sie relativ schnell fest, dass es eine landwirtschaftliche Ausbildung werden sollte. "Das war schon eine harte Zeit, Lehrjahre sind keine Herrenjahre, aber ich würde es dennoch heute auch wirklich jedem empfehlen. Man kann immer mehr, als man denkt, das habe ich in der Zeit gelernt. Man legt sich ein gutes Praxis-Fundament, das einen für’s Leben prägt." Vom anschließenden Agrarstudium in Osnabrück war ihr Vater zunächst weniger begeistert. "Er hat nicht verstanden, warum ich nicht nach Göttingen gehe. Aber ich hatte mir das in den Kopf gesetzt, ich wollte praxisnah an einer Fachhochschule studieren und ich hab dann auch mein Ding gemacht", erzählt sie über die Kaffeetasse hinweg und grinst.

Während des Studiums absolvierte Bettina Armgart zahlreiche Praktika, begann so Schritt für Schritt ein Netzwerk aufzubauen. "2005 hab ich mein erstes Praktikum in der Landtechnik gemacht und dann für die Firma Rauch auf der Agritechnica gearbeitet. Da ging alles los, das war ja der Wahnsinn, was sich da für Berufsmöglichkeiten erschlossen."
Neugierig sei sie schon immer gewesen. Ihre bevorzugte Rubrik in Agrarmagazinen? Stellenausschreibungen. Parallel dazu engagierte sie sich in der Landjugend, fuhr zur Grünen Woche nach Berlin, traf Mitstudenten auf der Tarmstedter Ausstellung.  "Dadurch, dass ich viele Praktika gemacht habe, habe ich auch gute Kontakte geknüpft, so kam auch die Idee ins Ausland zu fahren."

Blick über den Tellerrand

Während ihres Studiums besuchte sie zwischen 2010 und 2012 Betriebe in Kanada, Osteuropa, den USA und Brasilien. "Ich finde es interessant zu wissen, mit was für Problemen Landwirte in anderen Ländern zu kämpfen haben. Ich glaube diese Praxisorientiertheit ist vielleicht auch so ein bisschen mein Erfolgskonzept", sagt sie mit Hinblick auf ihre Bachelorarbeit. Diese verfasste sie im Jahr 2012, inzwischen bei der Firma Claas angestellt, während eines Aufenthalts in einer Claas-Niederlassung in Frankreich. "Alle meine Tätigkeiten sind durch Praktika entstanden, aber ich habe auch viel Unterstützung und Freiheit von meinen Eltern gehabt", sagt sie. 2011 wurde sie mit dem Internationalen DLG-Preis ausgezeichnet, im vergangenen Jahr erhielt sie den Helmut-Claas-Bonuspreis.

"Man muss schon die Augen offen halten und schauen was möglich ist. Sowohl an Förderungsmöglichkeiten als auch an Stellenangeboten. Und: Wenn es möglich ist für eine Zeit Probe arbeiten", rät sie. Was sollte man mitbringen als Berufseinsteiger? "Neugier", lautet ihre schnelle Antwort. "Aber auch Bodenständigkeit, Praxisnähe, ein gesundes Selbstbewusstsein und vor allem Motivation für neue Dinge und Menschen. Wenn man dann Erfolg hat, kann man auch andere begeistern." Und etwas zurückgeben. So nahm Armgart im vergangenen Jahr ihren kompletten Jahresurlaub für die Maisernte zu Hause. Heimatliche Praxisnähe.
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