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Ausbildung

Auf das richtige Pferd setzen

von , am
29.07.2015

Eigentlich wollte Lukas Koslowa Landwirt werden. Doch nach einem Schulpraktikum auf der Besamungsstation in Ankum, der Außenstelle des Landgestüts Celle, stand für ihn fest: Ich sattel um. Eine Entscheidung, die auch seine Familie beeinflusst hat.

Lukas Koslowa wollte eigentlich Landwirt werden. © Bischof

Montagmorgen auf dem Dressurpferde-Leistungszentrum in Lodbergen, Kreis Cloppenburg: Sicher und ruhig führt Lukas seinen Lieblingshengst Sean Connery in den Sprungraum. Der Hengst schlägt mit dem Kopf. Doch sonst bleibt er ruhig stehen, bis er bereit ist für den Sprung auf das Phantom. Nun muss Lukas den richtigen Zeitpunkt abpassen und schnell reagieren. Besamungswart Sebastian Krause steht für die Samenabnahme schon bereit.

Vielseitige Aufgaben

Lukas ist im dritten Ausbildungsjahr. Er absolviert auf dem Betrieb eine Ausbildung zum Pferdewirt Haltung und Service. Mit den acht Hengsten der Deckstation arbeitet er seit einem halben Jahr intensiv. Er hat die Aufgabe übernommen, als die Stelle für den zweiten Besamungswart nicht mehr besetzt war. "Wir wollten das mal probieren", sagt der 20-Jährige. Der Umgang mit den männlichen Tieren liegt ihm und er mag die Arbeit mit ihnen. Die Betreuung der Deckhengste ist in der Ausbildung aber nicht vorgesehen.

Tätigkeiten, die dazu gehören, zählt Lukas dann auf. "Es ist wie ein Gesamtpaket", sagt er. "Man ist überall einsetzbar: die Pferde werden bewegt, longiert und geritten, die Pferdehaltung gehört dazu mit Füttern und Ausmisten, der Service bei den Gesprächen mit den Kunden, Verkaufs- und Einzelverträge erstellen, es ist echt vielseitig." Und all das konnte er auf dem Betrieb bereits lernen. Denn neben den Hengsten stehen hier noch 23 Berittpferde. Die werden ausgebildet und verkauft. Drei Zuchtstuten und Jungpferde gehören auch zum Bestand.

"Eigentlich wollte ich Landwirt werden", erinnert sich Lukas. Denn mit Kühen und Schweinen ist er groß geworden. Der Vater betrieb im Nebenerwerb eine Landwirtschaft. Das Interesse an den Pferden kam dann im Schulpraktikum auf der Besamungsstation in Ankum, der Außenstelle des Landgestüts Celle. "Das hat mir super gefallen, und von da an wurde es immer mehr", erzählt er. "Mit Pferden kann man eine andere Beziehung aufbauen als mit Kühen."

Und dann steckte seine Pferdebegeisterung auch andere an. "Die ganze Familie hat auf Pferdehaltung umgestellt", erzählt Lukas. "Auch meine Schwester Ann-Kathrin ist auf den Zug aufgesprungen." Sie ist ebenfalls in der Ausbildung zum Pferdewirt Haltung und Services. Und so hat die Familie den früheren Betrieb mit 50 Rindern, Ställen und Land aufgegeben. Sie erwarb dann ein ehemaliges Hotel mit knapp 14 Hektar Land und Pferdeställen. Hier stehen zurzeit 15 Pferde.

Lukas machte seinen erweiterten Realschulabschluss. Schon während des zweiten Praktikums bekam er einen Ausbildungsplatz in einem Berittstall in Wallenhorst. "Als der Lehrbetrieb dann aufgelöst wurde, mussten wir eine Lösung finden", berichtet er. "Da haben wir dann in Lodbergen angefragt, und das hat auch gleich geklappt."

Immer gut in Bewegung

Sein Arbeitstag beginnt meist um 6.45 Uhr. Dann führt ihn sein erster Gang schon ins Besamungslabor, wo alles für die Samenaufbereitung vorbereitet wird. "Man hat nicht viel Zeit", sagt Lukas. "Denn die Spermen fangen sofort an abzusterben." Sind die Samenportionen fertig, verpackt er sie, um sie zu verschicken.

Die EU-Hengststation darf Frischsamen und Tiefgefriersperma an Kunden in der ganzen Welt versenden. Aber auch auf dem Dressurpferde-Leistungszentrum kommen Kunden vorbei, die ihre Samenportion abholen. "Dann muss man etwas über den Hengst erzählen, welche Abstammung er hat und wie er sich vererbt." Gehen die Hengste auf Turniere, läuft auch morgens als erstes der Deckbetrieb.

Dann beginnt der Arbeitstag für Lukas schon um 13.30 Uhr. Oft fährt er auch mit aufs Turnier, um die Pferde zu putzen und die Mähnen einzuflechten. Dann sei er lange unterwegs und schon mal müde. Er kennt die Anforderungen, die der Beruf an ihn stellt. "Man muss schon etwas abkönnen und körperlich fit sein", weiß Lukas und er sagt: "Es muss Spaß machen, wenn man da nicht voll hinter steht, braucht man das nicht zu machen." Rund um die Pferde gibt es auf dem Betrieb viel zu tun. Lukas hat einen Blick dafür, wo es brennt. "Ganz viel mach ich selber", erklärt er. "Einige Arbeiten werden aber auch zugeteilt oder ich frage." So stellt er Futtermischungen zusammen, steigt aufs Pferd, wenn die Bereiterin ausfällt, schleppt die Reitplätze, pflegt Sättel und Trensen, und fegt den Hof.

Und nachmittags sind auch die Hengste noch mal dran. Einzeln stehen sie auf dem Paddock und müssen wieder in die Box geführt werden. "Dreimal am Tag kommen die raus, dann sind sie völlig entspannt", sagt Lukas. Sein Blick geht zum Letzten in der Reihe: "First Amper ist immer in Bewegung, das ist nicht so gut." Da er geschwitzt hat, kommt er als Einziger noch unter die Dusche. Man sieht ihm an, dass ihm die Erfrischung gut tut. "Das ist wie beim Menschen", sagt sein Betreuer. "Der eine mag dies und der andere mag das."

In Zukunft: Familienbetrieb

Lukas mag Pferde, und er will auch in Zukunft damit arbeiten. Gerade sitzt er über den Büchern, um für die bevorstehende Prüfung zu lernen. Sein nächstes Ziel ist eine Fortbildung zum Besamungswart. "Man ist noch so in dem Stoff drin." Daran anhängen will er auch den Pferdewirtschaftsmeister. Sein Fernziel aber ist der Ausbau der Pferdehaltung auf dem elterlichen Betrieb, in den auch seine Schwester mit einsteigen will. Kein Wunder bei der pferdebegeisterten Familie: Der Vater will sich um die landwirtschaftliche Arbeit kümmern, die Mutter beim Füttern und in der Heuernte helfen, und die Geschwister betreuen die Pferde. Vielleicht steht irgendwann auch einmal ein prächtiger Hengst auf dem Hof.
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