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Auszeichnung

Schüler aus Emden freuen sich über Friedenspreis

Schüler-Emden-Friedenspreis
Ann-Kathrin Stapf
am
20.04.2018

Beeindruckende Leistung: Für ein Filmprojekt mit einer Auschwitz-Überlebenden erhielten Schüler den 2. Platz des Niedersächsischen Schülerfriedenspreises.

Dass Erna de Vries aus dem emsländischen Lathen noch lebt, ist ein Wunder. Ihr Todesurteil fiel, da war sie gerade neunzehn. Sie hatte ihr letztes Gebet gesprochen und wartete, dass die Nummer auf ihrem Unterarm aufgerufen würde. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für sie, als den Gang in die Gaskammer.

Die 94-Jährige ist eine der letzten Auschwitz-Überlebenden. Damit ihre Geschichte nach ihr weiterlebt, erzählt sie sie jungen Menschen. So auch an der Berufsbildenden Schule in Emden.
Daraus entwickelte sich das Projekt „Aus der Geschichte lernen - Schülerinnen und Schüler der BBS II Emden treffen die Zeitzeugin und Auschwitzüberlebende Erna de Vries aus Lathen“.

Mit der Unterstützung des Bremer Medienproduzenten Ulrich Scholz, Koordinator Alfred Weese aus Emden und der Förderung durch das Internationale Auschwitz-Komitee entstand daraus ein Dokumentarfilm. Er wurde unter anderem in Hamburg, Emden und Hannover gezeigt. Die beteiligten Schüler wurden 2017 als Zweitplatzierte mit dem Niedersächsischen Schülerfriedenspreis geehrt.

NS-Zeit im Unterricht an der Emdener Schule

Die Projekt-Teilnehmer Mirko Abis, Elena Gadow und John Adams erinnern sich gut an das erste Mal, als sie die Geschichte von de Vries hörten. „Ich habe gefühlt, was sie fühlte und war sehr von ihr beeindruckt“, sagt der 24-jährige Adams.

Abis lobt: „Sie erzählt sehr gut und nimmt einen mit.“ Doch es habe gedauert, bis er das Gehörte realisierte, schildert der 21-Jährige. Anders erging es Elena Gadow: „Sie nahm kein Blatt vor den Mund und hat alles sehr detailliert erzählt und mich damit fürchterlich berührt.“

Unter der Leitung von Geschichtslehrer Gero Conring beschäftigten sich daraufhin acht Schüler zwischen 17 und 23 Jahren mit der Entrechtung, Enteignung, Verfolgung, Deportation und Ermordung der Juden während der NS-Zeit. Die Gruppe besuchte de Vries zu Hause im emsländischen Lathen.

Den NS-Opfern ins Gesicht sehen

Als sie im Juni 2016 als Nebenklägerin in einem der wohl letzten Auschwitz-Prozesse am Landgericht Detmold auftrat, waren sie dabei. Reinhold Hanning wurde in dem Verfahren zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen verurteilt. Er leitete Wachmannschaften in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Auschwitz. Jedoch wurde das Urteil niemals rechtskräftig, weil Hanning zuvor mit 95 Jahren verstarb.  

Für Gero Conring spielt das keine Rolle: „Es war nicht das Ziel, einen alten, kranken Mann ins Gefängnis zu bringen. Er sollte seinen Opfern ins Gesicht sehen.“

John Adams ist sich sicher: „Seine Verurteilung war ein Sieg für die Gerechtigkeit und für Deutschland.“ Kritiker, die sagen, man müsse die Vergangenheit ruhen lassen, kann Elena Gadow nicht verstehen: „Es ist der naive Gedanke, dass man etwas nur lange genug wegschieben muss, und dann ist es nie passiert.“

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