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Ausbildung

Wenn Schwärmen zum Beruf wird

von , am
22.10.2013

Das Thema des neuen Echte Niedersachsen-Kalenders ist „Grüne Berufe“. Doch wie sieht ein Alltag in diesen Berufen aus? Wir haben Jan im Bieneninstitut Celle besucht. Traumberuf: Berufsimker.

Jan Jüttner mit Ausbilder Helmut Schönberger: Irgendwo in diesem "Gewimmel" an der Wabe ist die Königin. © True
Für den Laien eine Situation zum Weglaufen: Hunderte von Bienen summen umher. Doch Jan Jüttner, im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, öffnet mit ruhigen Bewegungen den Kasten - ohne Schutzanzug, ohne Maske, ohne Handschuhe. "Das brauchen wir nicht", sagt Ausbilder Helmut Schönberger, dem keine Bewegung seines Azubis entgeht.

Denn das Öffnen der "Beute", wie der Kasten heißt, der richtige Umgang mit den Tieren und das Finden der Königin sind Bestandteil der praktischen Prüfung. Der Ausbilder ist sichtlich mit Jans Arbeit zufrieden. Auch die 23-jährige Eileen Bohn, bereits im dritten Ausbildungsjahr, besteht unter den Blicken des erfahrenen Imkermeisters. Sie kam über ein Praktikum zum Imkerberuf.

Vom Hobby zum Beruf

Jan war als Schüler ein Schwarm zugeflogen. Er besorgte sich bei einem Berufsimker das notwendige Equipment, las, lernte viel und wurde zum Hobbyimker. Heute ist er Auszubildender am Institut für Bienenkunde in Celle, das zum Niedersächsischen Amt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gehört. Drei Imkermeister und drei Gesellen betreuen zurzeit acht Azubis. Außerdem kommen 34 bis 38 Schüler pro Jahr aus dem gesamten Bundesgebiet hinzu, die hier Module ihrer Ausbildung absolvieren.
Ein Handwerkszeug, das die Auszubildende bei der Arbeit an den Stöcken stets dabei haben, ist der Smoker, in dem Hanf verräuchert wird. Wenn die Bienen den Rauch wahrnehmen, füllen sie ihre Honigmägen, um sich für die Flucht vor der vermeintlichen Gefahr zu wappnen und stechen nicht, wenn sie gestört werden. "Der Rauch ist auch unsere Visitenkarte", erklärt Helmut Schönberger.

Hochsaison im Sommer

Während Hobbyimker jeweils einige Völker betreuen, kümmern sich Berufsimker um mindestens hundert, das ist während der Saison im Sommer ein Fulltime-Job. Die Völker müssen verteilt werden, damit sie ihren Radius ausschöpfen können. Um 500 Gramm Honig zu produzieren, legen die Arbeitsbienen eine Flugstrecke von rund 120.000 Kilometern zurück.

Rund 500 Völker werden vom Bieneninstitut betreut, zum Teil auf dem Institutsgelände, mitten in der Stadt, direkt am Französischen Garten. Außerdem sind die angehenden Imker mit ihren Ausbildern unterwegs, um nach den Völkern zu sehen, die während der Saison etwa in der Lüneburger Heide stehen.

Die Azubis sind nicht nur an den Bienenstöcken tätig, sie arbeiten auch in der Tischlerwerkstatt des Instituts, lernen Schweißen, Gabelstaplerfahren, den Umgang mit der Kettensäge, büffeln an der Berufsschule Pflanzenkunde, pauken Marketing, Lebensmittelhygiene und arbeiten in der Wachsküche oder im Honigraum, wo sie das kostbare Produkt abfüllen. Ab und an steht auch ein Blick ins Labor des Bieneninstituts an. Das ist etwas ganz besonderes für Jan, denn ihn zieht es zu den Reagenzgläsern. Der 17-Jährige möchte im Anschluss an seine Abschlussprüfung noch eine Ausbildung zum Bio-/Chemie-Laboranten machen.

Gute Aussichten

Wer Imker werden möchte, sollte naturverbunden sein und gern draußen arbeiten. Imkermeister Helmut Schönberger ist zuversichtlich, was die Perspektiven angeht: "Die Zahl der Berufsimker in Deutschland nimmt wieder zu." Eine Stelle zu finden erfordere aber etwas Eigeninitiative. Rund 50 Ausbildungsbetriebe gibt es in Deutschland.

Infos zur Ausbildung gibt es beim Institut für Bienenkunde, Tel. 05141-9050340, Internet: www.laves.niedersachsen.de oder beim Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund e. V. (DBIB), Tel. 08806-924509, www.berufsimker.de
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