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Ausbildung

Wie die Sendung mit der Maus

von , am
26.06.2013

Sie schraubt und schleift, sie versorgt Kunden mit Ersatzteilen. Lisa Nusser ist gelernte Landmaschinenmechanikerin - ein Beruf, den nach wie vor fast ausschließlich Männer ausüben.

Lisa hat vor Freude geweint, als der erste Schlepper, dank ihr, wieder lief! © Ehret
Eigentlich hatte Lisa mit Landtechnik gar nichts am Hut. "Ich hatte immer Angst vor technischen Sachen", erinnert sich die 29-Jährige.

Nach dem Abi studierte sie an der Uni Hohenheim Agrarwissenschaften. Als im ersten Semester die Landtechnik-Vorlesungen begannen und ihr jegliche Grundlagen fehlten, marschierte sie in die nächste Werkstatt, um zuzuschauen. "Beim Zugucken ist es dann nicht geblieben: Ich habe gemerkt, wie viel Spaß das macht."

Aus zwei Wochen Praktikum werden die ganzen Semesterferien. Jedes Wochenende fährt die Studentin nach Hause, montags schwänzt sie die Uni, um schrauben zu können. Als der Chef irgendwann fragt: "Wann machst Du denn jetzt die Ausbildung?", ruft sie kurzerhand bei der Uni an und meldet sich ab. Im fünften Semester. Die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn nutzt Lisa, um den LKW-Führerschein zu machen. Nebenher arbeitet sie bei einem Lohnunternehmer und als Staplerfahrerin.

Vor Freude geweint

Das Reparieren bringt ganz andere Erfolgserlebnisse als das Studium. !Als mein erster Schlepper wieder lief, stand ich im Hof und hab geheult vor Freude", erzählt Lisa lachend. "Die Jungs haben alle gedacht, ich bin bekloppt." Sie findet es wahnsinnig spannend, was es alles zu lernen gibt, wie die Dinge aufeinander aufbauen. In jede Maschine würde sie gern die Nase reinstecken. "Das ist wie Sendung mit der Maus, nur den ganzen Tag über", strahlt sie.

Ihre Eltern, beide Lehrer, waren zuerst nicht sehr begeistert von der Berufswahl. "Aber mittlerweile finden sie es gut, weil sie merken, dass ich zufrieden damit bin." Auch Freundinnen und Schwester unterstützen sie in der Entscheidung für den "Traumberuf".

Allein unter Männern

Während sie in Hohenheim von wohlgesitteten männlichen Studenten umgeben war, traf die damals 26-Jährige auf der Gewerbeschule auf lauter pubertierende Jungs. Sie war die einzige Frau in der Schule, die Damentoilette war verschlossen. Der Umgang miteinander war rau.  

Heute reflektiert sie die Schulzeit so: "Es hat mir zehnmal so viel gebracht wie das Studium. In der Ausbildung hab ich gelernt, anders aufzutreten." Vorher sei sie ein graues Mäuschen gewesen, habe sich in den riesigen Hörsälen der Uni verloren gefühlt. Bereits im ersten Berufsschuljahr wurde sie dann zur Schulsprecherin gewählt, bei der Freisprechungsfeier hielt sie eine Rede vor 500 Leuten.

In der Werkstatt durfte Lisa während der Ausbildung alles machen: " Ich hatte einen tollen Chef, der mich nie benachteiligt hätte." 

Gute Jobaussichten für Frauen

Innerhalb des vergangenen halbes Jahres der Ausbildung bekam Lisa fünf Job-
angebote, ohne sich jemals irgendwo beworben zu haben. Frauen in diesem Beruf sind bekannt wie bunte Hunde. In ganz Deutschland sind es derzeit 41.

Weil sie nicht ihr Leben lang so schwer arbeiten wollte, suchte die junge Frau einen Job als Lageristin. Bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bestellt sie Ersatzteile, nimmt Reparaturgeräte an und sucht den Mechanikern die richtigen Maschinenteile heraus. Aber auch in der Werkstatt hilft Lisa aus, ungefähr 30 bis 40 Prozent ihrer Arbeitszeit repariert sie noch Maschinen.

Vorurteile seitens der Landwirte begegnen ihr häufig. Wenn sie im Ersatzteillager ans Telefon geht, fordern die Anrufer: "Geben Sie mir mal einen Lageristen." Auch wenn sie in der Werkstatt am Arbeiten ist, kann es passieren, dass Kunden hereinlaufen und fragen: "Ist hier kein Mechaniker?" Die jüngeren Landwirte finden eine solche Frau praktisch - ein- bis zweimal pro Woche kann es schon vorkommen, dass Lisa Heiratsanträge bekommt. Bei den älteren Landwirten dagegen genießt die Lageristin Welpenschutz. Sie reagieren mit väterlichen Sprüchen: "Meine Tochter fährt auch ab und zu Traktor." Lisa nimmt das mit Humor: "Du wirst als Frau nicht für voll genommen, aber wenigstens wirst du nett dabei behandelt", lacht sie.

Benachteiligt fühlt sie sich als Frau dennoch nicht. Es habe auch Vorteile: Mit ihren schlanken Armen käme sie besser an verwinkelte Stellen in Maschinen als Männer. Auch im Kundenumgang könne sie punkten: Stinkige Kunden schalten einen Gang zurück, wenn sie mit ihr sprechen, erzählt sie. Der dritte Vorteil hilft hauptsächlich ihr selbst. Wenn Lisa etwas nicht weiß, ist sie sich nicht zu schade, nachzufragen. Männer hätten damit eher Probleme.

Rückblickend sagt Lisa, sie hätte diesen Weg schon früher gehen sollen. Sie ist glücklich mit ihrem Beruf; ihre Leidenschaft sind die Landwirtschaft und die Maschinen.
 
Infos zur Ausbildung findet Ihr unter www.starke-typen.info
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