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Ausland

Tausche Highheels gegen Gummistiefel

von , am
28.08.2014

Einfach alles hinschmeißen und noch einmal komplett von vorne anfangen? Unsere Auslandsabenteurer Karolin und Luise haben im britischen Wales eine junge Frau getroffen, die es gewagt hat.

Von der Stadt aufs Land: Emma und Paul haben sich einen Traum verwirklicht. © Müller-Hofstede

Emma ist gebürtige Londonerin. U-Bahnen, viel Verkehr und Menschenmassen gehörten zu ihrem Alltag, genau wie Bars, Museen und Konzertbesuche. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. "Mir macht es Spaß mit Menschen zu arbeiten und ich wollte helfen." Doch nach einigen Jahren merkt sie, wie müde die Stadt und auch ihr Job sie macht.

Über acht Millionen Menschen leben in der Hauptstadt Großbritanniens, doch hier zu wohnen ist teuer. Viele Leute wohnen in engen Verhältnissen, Gärten sind eine Seltenheit und auf den Straßen herrscht ein raues Klima. Als Sozialarbeiterin für Kinder bekommt Emma viel von den Problemen Londons mit und sieht Sachen, die sie bis heute beschäftigen.

Als sie dann selber ihre erste Tochter bekommt, wird ihr klar, für ihr Kind wünscht sie sich was anderes: Platz zum Spielen, saubere Luft und wenig Verkehr! Und wo gibt es das?! Auf dem Land!!! Als Emma ihren Freundinnen von dem Plan erzählt, halten die sie für verrückt! Anders dagegen ihr Mann Paul, der ist sofort dabei. Er ist auf dem Land in Wales aufgewachsen und wie Emma sagt: "Einen Waliser zieht es immer zurück in seine Heimat." Verständlich! Denn die hügelige Landschaft mit ihren rauen Felsklippen und weißen Stränden ist traumhaft schön! Wales liegt im Westen Großbritanniens etwa zwei bis drei Autostunden von London entfernt. Neben dem Englischen verfügt Wales über eine eigene Sprache, das Walisische! "Sehr kompliziert" lacht Emma, "bis ich das gelernt habe, vergehen noch ein paar Jahre!" und davor hat sie noch jede Menge andere Dinge zu lernen.

Die Suche nach dem neuen Heim

Kaum haben Emma und Paul den Entschluss gefasst, beginnen sie mit der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Es soll Weiden haben für Schafe, Platz für einen Hühnerstall und Gemüseanbau. Es soll abgelegen sein, aber mit Anschluss zu einem Dorf. Schließlich müssen die Kinder ja irgendwann in die Schule gehen. Emma ist mittlerweile schwanger mit ihrer zweiten Tochter.

"Wir haben uns sofort in dieses Grundstück verliebt. Es hatte alles, was wir wollten." Die beiden haben all ihre Ersparnisse zusammengekratzt und das Grundstück gekauft. "Wir mussten wahnsinnig viel renovieren, das Haus war in einem schlechten Zustand. Das erste halbe Jahr haben wir ohne Strom und fließend Wasser gewohnt. Manchmal habe ich mich da schon gefragt, ob wir das Richtige gemacht haben."

Das fragt Emma sich auch oft, wenn sie im Stall sitzt mit dem Laptop auf dem Schoß und per YouTube lernt, wie man ein Schaf schert oder was das beste Futter für Lämmer ist. "Von Viehzucht und Gemüseanbau habe ich keine Ahnung! Aber es gibt ja zum Glück das Internet und gute Nachbarn!" Paul kann weiter in seinem Beruf als Akkustiker arbeiten, Emma schmeißt den Bauernhof. "Highheels habe ich schon Ewigkeiten nicht mehr angehabt, hier  trage ich nur Gummistiefel. Dafür war ich aber auch schon lange nicht mehr so glücklich!"

Seit einem Jahr haben sie im hinteren Teil des Gartens zwei alte, bunt bemalten Holzwagen für Touristen stehen, die ihr Stadtleben für ein Wochenende gegen Emmas Paradies austauschen wollen. "Das war ein weiterer Traum von mir!" lacht Emma. "Mein Mann ist schon ganz gespannt, was da noch alles so kommt."

Für alle, die auch mal Emmas Paradies besuchen wollen: www.canopyandstars.co.uk/britain/wales/monmouthshire/little-oasis-pandy

Mehr über Wales erfahrt Ihr auf: www.visitwales.de
 
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