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Ausland

Tea time oder Teetid

von , am
21.01.2014

Teetrinken kann manchmal ganz schön kompliziert sein, das haben die Weltenbummler Karolin und Luise festgestellt. Doch lest einfach selbst.

Luise (l.) und Karolin im Teesalon in Großbritannien. Sie lernen die Verhaltensregeln bei dieser Zeremonie. © privat
"Tässchen Tee gefällig?" Dazu sagen wir nicht nein! Durchgefroren lassen wir uns auf dem Sofa vorm Kamin nieder. Wir kommen gerade von einer Wattwanderung entlang der ostfriesischen Nordseeküste. Was wir nicht wissen: Bei einer Tasse bleibt es nicht. Wer nicht als unhöflich erscheinen will, trinkt in Ostfriesland mindestens drei!

Doch das ist nicht die einzige Verhaltensregel, die wir bei einer anständigen Teezeremonie lernen. In der nächsten Stunde taumeln wir von einer Falle in die nächste: Wir fragen nach Früchtetee, rühren wie wild in unserer Tasse und wollen keine Sahne. Zum Glück sieht es unsere Gastgeberin Friede nicht so eng und klärt uns lachend auf: Die Ostfriesen trinken natürlich Ostfriesentee, eine Mischung aus Assam-Sorten. Es ist ein sehr kräftiger, dunkler Tee.

Zuerst kommt Kandiszucker (Kluntjes) in die leere Tasse, dann wird der heiße Tee darauf gegossen, so dass es gemütlich knackt. Zum Abschluss ein Schwung Sahne.
Die Mischung lädt zum Umrühren ein, aber das ist ein absolutes "No-Go"! Der Grund dafür ist, dass der Kluntjes sich sonst zu schnell auflöst und sich die Geschmäcker außerdem vermischen!

Wie die Queen

Wenige Wochen später reisen Luise und ich nach Großbritannien. Hocherhobenen Hauptes betreten wir das Land der Teespezialisten, schließlich wissen wir nach unserem Ostfrieslandbesuch ja nun Bescheid. Koffer abstellen und ab in den nächsten Teesalon! Denn während es in Deutschland hauptsächlich Cafés gibt, in denen, wie der Name schon verrät, Kaffee im Vordergrund steht, wimmelt es in Großbritannien von Teesalons.
Gereicht wird uns eine Karte mit einer Riesenauswahl mit Teesorten und ein paar Leckereien. Die Briten nehmen ihren Nachmittagstee traditionell mit Scones und/oder mit kleinen Sandwiches belegt mit Ei, Gurken, Kresse, Schinken oder Lachs.

Darjeeling und Scones sind unsere Wahl, bis jetzt läuft alles ganz gut, doch dann passiert es. Unsere Kellnerin kommt mit dem Tee wieder. "Mif oder Tif?", fragt sie uns mit hocherhobener Kanne. Was? "Just tee", murmel ich. Was zum Teufel soll denn Mif oder Tif bedeuten? Doch anscheinend sind Teetrinker freundliche Leute. Unsere Kellnerin klärt uns auf: In England trinkt man den Tee traditionell mit Milch. Die Frage, ob jedoch zuerst der Tee eingegossen wird oder die Milch, ist im Königreich ungeklärt. Die Anhänger des Prinzips "Milk In First", auch MIFs genannt und die Anhänger von "Tea In First" auch TIFs genannt, streiten sich darüber seit Jahrhunderten.

Während die Kellnerin uns aufklärt, habe ich schon ausgetrunken und greife zur Kanne, um mir nachzuschenken, doch sie kommt mir zuvor: In Großbritannien schenkt immer der Gastgeber nach!

Und auch sonst gibt es noch ein paar Regeln:
Gegen das Porzellan schlagende Löffel sind verpönt. Die Tasse wird beim Trinken, nur minimal von ihrer Untertasse entfernt. Um dies zu erreichen wird die Teetasse mit Untertasse bis zum Kinn angehoben. Nun erst wird die Tasse ausschließlich mit Daumen und Zeigefinger genommen und zum Mund geführt. Der Tee wird in kleinen Schlucken getrunken und es wird auf keinen Fall geschlürft. Während des Teetrinkens ist das Rauchen untersagt. Der Rauch von Zigaretten oder Zigarren würde das Aroma des Tees verderben.

So, jetzt können wir unseren Tee endlich genießen und uns damit rühmen, sowohl wie ein Ostfriese als auch wie ein Brite Tee trinken zu können. Wir dürfen bloß nicht durcheinander kommen!
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