Login
Ausland

Urwald, Urlaub und Unglaubliches

von , am
14.10.2014

Nicole Schröder aus der Ortsgruppe Neuenkirchen wagte das Abenteuer: drei Monate Costa Rica. Sie lernte Land, Leute sowie einige Kuriositäten kennen - und entdeckte die Langsamkeit.

Nicole mit ihrer Gastschwester Mariana auf Erkundungstour im La Paz Waterfall Garden. © Schröder

Als Gast in diesem mittelamerikanischen Land empfangen zu werden, ist eine einzigartige und außergewöhnliche Erfahrung. Die Menschen hier sind sehr herzlich und gastfreundlich. Und so wurde mir in der ersten Nacht bewusst, dass sich Gastmutter, Gastbruder und Gastschwester ein Zimmer teilen, nur damit ich ein eigenes Bett im eigenen Zimmer habe! Das ist eine großzügige Geste, die ich sehr zu schätzen weiß.

Da wird mir heiß und kalt

Über den ersten Schock, dass es in diesem Haus nur kaltes Wasser gibt, bin ich schnell hinweg gekommen. Denn bei durchgängig rund 30 °C und einer Luftfeuchtigkeit von über 60 Prozent, sowohl am Tag als auch in der Nacht, ist eine kühle Dusche einfach wunderbar. Aber nicht nur mir macht die Hitze zu schaffen. Auch den Ticis - wie die Costa Ricaner sich nennen - ist es eine Spur zu warm und jeder sucht Abkühlung. Daher ist Stress hier auch eher ein Fremdwort. Alles geschieht eine Spur langsamer, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

Auch das Autofahren ist hier eine Angelegenheit für sich. Anscheinend muss man zwar eine Fahrprüfung machen, aber es gibt niemanden, der einen dafür unterrichtet. Man guckt sich das Fahren bei den Eltern ab und lernt dann später in der Praxis. Dies erklärt, warum der Verkehr häufig zum Stocken kommt. Und wer dachte, die Panamericana sei ein mehrspuriger Highway, der irrt sich genauso wie ich. Diese einspurige Straße führt übrigens direkt an unserer Haustür vorbei durch die bergige Landschaft.

Meine Gastfamilien kümmerten sich wunderbar um mich und zeigten mir so viele Teile dieses facettenreichen Landes wie nur möglich. Und so hatten wir bei der Suche nach einem Strand im Westen des Landes auf hügeligen, ungeteerten Wegen eine halbe Achterbahnfahrt hinter uns.  Aber dieses Abenteuer hat sich gelohnt: An den schönsten Stränden von Santa Teresa haben wir Sonne, Strand und Meer genießen können. Und ich bestaunte die größten Wellen, die ich jemals gesehen habe. Ins Wasser bin ich nur knietief gegangen, da die Wucht des Wassers enorm war.  
Spannend war auch die Wanderung durch einen steinigen Fluss. Auf meine Frage im Vorfeld, ob ich nicht doch feste Schuhe anziehen soll, bekam ich die Antwort: "Ne, ne, Flip Flops sind besser. Wir müssen sicherlich mal durchs Wasser gehen." Während der waghalsigen Wanderung war es dann doch ein beruhigendes Gefühl, eine Unfallversicherung abgeschlossen zu haben. Doch bei dem Blick auf einen der schönsten Wasserfälle des Landes, vergaß ich ganz schnell alle Strapazen.

Eisdiele neben der Kirche


Bei den Städtetouren wurde mir erklärt, dass jede Stadt denselben Aufbau hat. Im Zentrum gibt es immer einen Park, der gegenüber der Kirche ist. Eine Eisdiele namens "POPS" ist immer bei der Kirche. Deshalb geht man am Wochenende nach der Kirche mit einem Eis in den Park. Drum herum befinden sich  Geschäfte und Supermärkte, die die Innenstadt mit Leben füllen und zum Flanieren einladen.

Ein anderer Tagesausflug führte uns nach Cartago in die Stadt der "Virgin de Los Angeles". Jedes Jahr am 2. August pilgern rund zwei Millionen Ticos zu der Basilika, um ihrem Glauben gerecht zu werden und die Jungfrau von Los Angeles anzubeten. Dabei wandern die Leute teilweise bis zu neun Tage aus allen Landesteilen nach Cartago, da der Fußmarsch Teil des Glaubensbekenntnisses ist. Wirklich unglaublich, wie die halbe Landesbevölkerung den Verkehr auf den Hauptstraßen zum Erliegen bringt, und dafür fast ihren ganzen Jahresurlaub aufwendet. Denn per Gesetz stehen den Arbeitnehmern nur zwölf Tage zur Verfügung. Vor Ort sorgen dann Chöre für die musikalische Unterhaltung und Paraden mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen von früher und heute für Stimmung.
Es war eine wundervolle Zeit und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Wenn Ihr auch Interesse an einem Austausch habt, dann meldet Euch doch beim Verein Deutscher IFYE’s (www.ifyegermany.de), denn damit stehen Euch die Türen in den USA, Finnland, Estland oder Norwegen
offen.  
Auch interessant