Login
Tierwohl-Label

Kaufbereitschaft für Tierwohlprodukte geringer als bisher gedacht

Neues Siegel der Initiative Tierwohl für Geflügelfleisch
am Montag, 21.01.2019 - 10:23

Die Hochschule Osnabrück untersuchte die Kaufbereitschaft von Verbrauchern für Tierwohlprodukte. Die Ergebnisse überraschten.

Eine aktuelle Studie der Hochschule Osnabrück hat ergeben, dass nur 16 Prozent der Einzelhandelskunden bereit sind, einen Tierwohlartikel (in Form verpackter Ware) anstatt konventionell erzeugter Ware zu kaufen. Tierwohl-Siegel hatten dabei nicht durchgängig einen positiven Einfluss auf die Kaufbereitschaft.

Zudem wurden lediglich Preisaufschläge von etwa 30 Cent für einen mittelpreisigen Schweinefleisch-Artikel akzeptiert, der nach Tierwohl-Standards produziert wurde. Das entspricht einer Preiserhöhung von 9 bis 13 Prozent je nach Ausgangspreis des Artikels.

Neun Testprodukte in neun Wochen

In dem Praxistest wurde der Abverkauf von Selbstbedienungsware bei Bratwurst, Minutensteak und Gulasch aus Schweinefleisch der Preiseinstiegsmarke "Gut und Günstig" und der Bio-Premiummarke "Bio Janssen" mit einem neuen Produkt im mittleren Preissegment mit Tierwohl-Siegel verglichen.

Von den neun Testprodukten wurden im neunwöchigen Testzeitraum in Summe mehr als 18.000 Produkte in insgesamt 18 EDEKA- und NP Discount-Märkten verkauft.

Kaufverhalten: Testergebnisse überraschten

"Die Testergebnisse haben uns überrascht", kommentiert Prof. Dr. Ulrich Enneking von der Hochschule Osnabrück. "Bisherige Umfragen haben ergeben, dass viele Verbraucher grundsätzlich bereit sind, deutlich mehr Geld für Fleisch auszugeben, wenn es nach höheren Tierwohl-Standards produziert wurde."

Nun sei klar, dass die beobachtete Realität beim tatsächlichen Kaufverhalten differenzierter und komplexer ist.

Mehr Geld ausgeben: Bereitschaft nur bedingt ausgeprägt

Die grundsätzliche Bereitschaft, im Test mehr Geld für solches Fleisch auszugeben, sei nur bedingt ausgeprägt. Dieses geringe Kaufinteresse stehe dabei im Widerspruch zu den Ergebnissen der parallel durchgeführten Befragung im Kassenbereich. Hier gaben deutlich mehr Konsumierende an, Tierwohl-Produkte zu bevorzugen.

Forderung: Weitere Forschungsanstrengungen

Enneking forderte weitere Forschungsanstrengungen, insbesondere unter Einbezug des realen Kaufverhaltens. Die ermittelten Kaufbereitschaften könnten sich durch die Einführung eines zum Beispiel staatlichen Tierwohllabels durchaus positiver entwickeln, sofern es eine hohe Verbraucherbekanntheit und -akzeptanz aufbaut.

Mit Material von Hochschule Osnabrück

Tierwohl-Siegel und ihre Kriterien im Überblick

Neuland Siegel
Tierschutzlabel Einstiegstufe
Tierschutzlabel Premiumstufe
Vier Pfoten Label
Staatliches Tierwohllabel
Initiative Tierwohl
Labelübersicht für die Schweinemast