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Garten

Bärlauch macht bärenstark

von , am
29.04.2015

Viele Kinder und Erwachsene sind schon mit Maren Suhr aus Beverstedt-Wellen durch die Natur gewandert und so auf den Geschmack und den gesundheitlichen Wert von Bärlauch, Giersch und Co gekommen.

"Kennt Ihr dieses Kraut?" Maren Suhr möchte in ihren Kursen den Kindern die Welt der Kräuter nahebringen. © Strodthoff-Schneider

Es riecht intensiv nach Knoblauch, denn der Bärlauch hat sich üppig ausgebreitet. Anfang April dieses Jahres startete Maren Suhr die erste Kräuterwanderung in Wellen-Beverstedt im Landkreis Cuxhaven. Sie beginnt vor dem historischen Wohnhaus, das 1912 erbaut wurde. 200 Jahre alte Eichen und Findlinge säumen den Hof. Obwohl es durch den lausigen Ostwind bitterkalt ist, tut das der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Teilnehmer erkunden den natürlich angelegten Landhausgarten und schnuppern. "Wisst Ihr, warum der Bärlauch so heißt?", Maren Suhr wendet sich den jüngsten Teilnehmern zu. Sie blickt in ratlose Gesichter. "Wenn die Bären im Frühjahr aus dem Winterschlaf kommen, finden sie als erste Nahrungsquelle den Bärlauch, und das macht die Bären - bärenstark!", erklärt sie und man sieht den Kindern an, wie sie das Bild vom Bären vor Augen haben.

Der Kräuterexpertin liegen die Kinder besonders am Herzen, sie möchte ihre Sinne für die Natur vor unserer Haustür schärfen. So erklärt sie den Bärlauch kindgerecht und liefert gleichzeitig wichtige Informationen - auch für die erwachsenen Teilnehmer: "Aufgepasst, wenn Ihr Bärlauch in der freien Natur sammeln wollt! Ihr dürft ihn nicht mit Maiglöckchen verwechseln, denn die sind giftig. Das Bärlauchblatt kommt einzeln aus dem Boden und riecht kräftig nach Knoblauch, die Maiglöckchenblätter kommen immer paarweise aus dem Boden."

Für diejenigen, die Bärlauch im Garten haben oder ihn in der Natur sammeln wollen, hat sie noch einen wichtigen Hinweis: "Man soll nie die ganze Pflanze entfernen, sondern einige Blätter stehenlassen, so schützt man den Bestand und kann sich im nächsten Jahr wieder auf eine gute Ernte freuen."

Als Nächstes entdecken wir bei unserer Wanderung die Knoblauchrauke (Alliaria petiolata). Sie wächst an Waldrändern, Hecken und Gebüschen, oft in Gesellschaft von Brennnesseln. Der milde, knoblauchartige Geschmack steckt vor allem in den Blättern und Trieben, diese lassen sich von April bis Juni vielseitig verwenden. "Am besten nutzt man sie frisch in Kräuterquark, Kräuterbutter, Pesto und Salat", erklärt Maren Suhr und ergänzt: "Die Blüten sind im Mai eine schöne und essbare Dekoration."

Weiter geht‘s zu Gundermann, Löwenzahn, Brennnesseln, Giersch, Vogelmiere und dem Scharbockskraut. Letzteres war in früheren Zeiten eine ganz wichtige Vitamin-C-Quelle: "Seeleute nahmen die getrockneten Wurzeln mit auf ihre Reisen, um Skorbut vorzubeugen", erzählt Maren Suhr und warnt: "Nach dem Blühen darf Scharbockskraut nicht mehr verwendet werden, dann werden die Blätter leicht giftig."

Nach der Wanderung geht es in die Küche, in der die Kräuter sortiert und noch einmal bestimmt werden. Es ist überraschend, wie viel die Kinder noch wissen. Anschließend werden leckere Gerichte aus den frischen Kräutern zubereitet, außerdem Kräuteröl und -essig und sowie ein eigenes Kräutersalz hergestellt.

Aus Liebe zur Natur


Aufgewachsen auf einem Bauernhof ist Maren Suhr eng mit Pflanzen, Tieren und der Natur verbunden. Heute lebt sie mit drei Generationen auf dem 100 ha großen Milchviehbetrieb. Sie ist Bäuerin und Kinderkrankenschwester und übt beide Berufe aus. So ist sie auch darauf gekommen, sich intensiver mit Kräutern zu beschäftigen, denn als Kinderkrankenschwester suchte sie nach Alternativen zur Schulmedizin. "In der Hautpflege, bei Blähungen und bei Erkältungskrankheiten sind Kräuter als Heilmittel gut einsetzbar."

Sie erklärt den Teilnehmern der Wanderung deshalb auch, dass der Bärlauch nicht nur ein feines Aroma hat, sondern auch sehr gesund ist und seit Jahrhunderten als Hausmittel bei Magen- und Darmproblemen eingesetzt wird.
Wissen weitergeben

Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich mit Wildkräutern und nutzt sie aus der unmittelbaren Umgebung. "Es ist faszinierend, wie reichlich der Tisch von Mutter Natur gedeckt ist!" Bärlauch, Gundermann, Brennnessel, Knoblauchrauke, Giersch, Vogelmiere, Löwenzahn - das alles sammelt sie  
und möchte ihr Wissen weitergeben.

"Mein Wunsch ist es, die Wildkräuter den Menschen wieder näherzubringen, damit sie sie in der Natur erkennen und in eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung einfügen können."

Deshalb hat sie verschiedene Kräuterkurse besucht, unter anderem bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Hier hat sie das Zertifikat zur Kräuterexpertin erhalten. Ergänzt wurde bei den Lehrgängen das Fachwissen durch Seminare in Rhetorik, Kommunikation, Pädagogik, Recht, Versicherung und Werbung, so dass dieses Wissen in eine erfolgreiche Geschäftsidee umgesetzt werden konnte.
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