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Gesundheit & Ernährung

Bevor der Arzt kommt

von , am
11.09.2013

Die Palette an Vorsorgeuntersuchungen ist groß. Doch das allein reicht nicht aus, um geistig und körperlich möglichst lange fit zu bleiben. Wir sagen Ihnen, was Sie noch tun können.

Bello sorgt dafür, dass Herrchen Bewegung kriegt - ein paar gymnastische Frischluftübungen tun zusätzlich gut. © fotolia
Wer wünschte sich das nicht: Bis ins hohe Lebensalter körperlich und geistig fit zu bleiben. Dem Alter ein Schnippchen zu schlagen, ist für die "Generation 50plus" einfacher, als viele denken. Vorbeugen lautet das Zauberwort.

Es ist nichts Neues, aber man sollte es sich bewusst machen: Unser Körper macht im Laufe des Lebens einen natürlichen Alterungsprozess durch. Die Muskelmasse wird geringer und der Anteil an Fettgewebe nimmt zu. Die Beweglichkeit lässt ebenso nach wie körperliche Leistungsfähigkeit und geistige Reaktionsgeschwindigkeit. Eine Verminderung der Knochendichte erhöht das Risiko, an Osteoporose (Knochenschwund) zu erkranken. Diese altersbedingten Veränderungen sind völlig normal, aber bei jedem Einzelnen unterschiedlich stark ausgeprägt. Menschen können ihren Alterungsprozess spürbar verlangsamen und selbst eine Menge dafür tun, Körper und Geist so lange wie möglich fit zu erhalten. Hierbei gilt: Vorbeugen ist besser, als erst dann an die Gesundheit zu denken, wenn schon Krankheiten da sind.

Vorsorge wahrnehmen

Die Krankenkassen bieten eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen an, die alle Versicherten wahrnehmen sollten. Je früher eine Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind schließlich die Heilungschancen. Ab dem 35. Geburtstag können Patienten alle zwei Jahre einen Gesundheits-Checkup mit Blut-und Urinanalyse sowie Hautkrebsscreening durchführen lassen. Im Alter von 50 bis 54 Jahren kann ein jährlicher Darmkrebstest auf Blut im Stuhl in Anspruch genommen werden. Ab einem Alter von 55 Jahren sind zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren möglich.

Zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr werden Frauen alle zwei Jahre schriftlich zu einer kostenfreien Brustmammografie (Röntgen beider Brüste) eingeladen, um Tumoren frühzeitig zu erkennen. Hinzu kommt der jährliche Besuch bei der Gynäkologin oder beim Gynäkologen für die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung.

Bei Männern gehört ab dem 45. Lebensjahr die jährliche Prostatakrebs-Untersuchung zum Vorsorgeprogramm. Und Mann und Frau sollten einmal pro Halbjahr ihren Besuch in einer zahnärztlichen Praxis zur Kontrolle und regelmäßig zweimal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung (selbst zu zahlen) gehen.

Für Selbstzahler

Zusätzlich zu den Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenkassen, gibt es spezielle, nicht erstattungsfähige Untersuchungen, die im Einzelfall durchaus sinnvoll sein können. "Dies ist der Fall, wenn es in der Familie eine auffällige Häufung von Erkrankungen gibt, zum Beispiel bei Lungenkrebs oder Herz-Kreislauferkrankungen. Jeder kann mit seiner Lebensgeschichte in die Privatsprechstunde eines Altersmediziners gehen und sich dort umfassend beraten lassen", informiert Altersforscher Prof. Dr. Stefan Schreiber von der Uni Kiel.

Doch Vorsorgeuntersuchungen allein reichen nicht aus, um im höheren Lebensalter gesund zu bleiben. Experten raten, aufs Rauchen zu verzichten und nur wenig Alkohol zu trinken. Stress zu minimieren, sich Auszeiten im Alltag zu gönnen, ist ebenfalls wichtig. Denn Stress kann Krankheiten, bei denen das Immunsystem eine Rolle spielt, verschlimmern. Auch kann er schnell in eine behandlungsbedürftige Depression münden. Man weiß heute, dass diese Erkrankung mit einer verringerten Lebenserwartung einhergeht.

Im Alltag mehr bewegen

Ein besonderes Augenmerk sollte in späteren Lebensjahren auf der Ernährung liegen. Schreiber: "Eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung bietet Schutz vor Infekten und beugt gleichzeitig einer Leberverfettung vor. Kohlenhydrate, wie sie in Brot, Nudeln, Zucker und Pizza enthalten sind, dürfen deshalb nicht allzu häufig auf dem Speiseplan stehen." Der Internist setzt zudem auf Bewegung. Er empfiehlt, sich mindestens dreimal in der Woche für eine halbe Stunde körperlich auszupowern. "Man kann diese Bewegungseinheiten gut in seinen Alltag einbauen, zum Beispiel das Auto einfach mal stehen lassen und mit dem Fahrrad  fahren."

Ans Herz denken

Neben ausreichender Bewegung und gesundem Essen ist für Schreiber der Erhalt der geistigen Fitness sehr wichtig. "Ich rate Älteren, sich geistig rege zu halten und herauszufordern. Zum Beispiel ist es eine gute Übung, komplizierte Texte mit vielen Nebensätzen zu lesen."

In seinem Berufsalltag hat Schreiber beobachtet, dass es einen Unterschied gibt, wie Männer und Frauen mit ihrer Gesundheit umgehen. "Frauen ernähren sich meist gesünder und treiben mehr Sport. Bei der Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen, die das Herz, die Hormone und den Darm betreffen, sind aber die Männer mit 85 Prozent in der Überzahl. Frauen nehmen zwar die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahr, aber wenn es um ihr Herz geht, stehen sie der Vorsorge weit weniger aufgeschlossen gegenüber. Doch auch Frauen bekommen Herzinfarkte. Das erwischt beide Geschlechter gleichermaßen", gibt Schreiber zu bedenken.
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