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Haushalt

Das blaue Wunder wieder erleben

von , am
14.01.2015

Seit 14 Jahren druckt Margret Heinicke mit Holzmodeln. "Ich habe irgendwann ein Holzmodel mit Blümchenmotiv für zehn Mark auf dem Flohmarkt gekauft. Es wollte einfach zu mir", erzählt die Emsländerin von den Anfängen.

Sorgfalt ist beim Druck gefragt: Fertig ist das dekorative Motiv. © Lüders

Lange dekorierte das Blümchenmotiv ihren Kaminsims, bevor Heinicke eine Blaudruckerin kennenlernte und einen VHS-Kurs absolvierte. Mit ihren ersten Produkten machte die 65-Jährige zunächst anderen Menschen eine Freude, später beschickte sie Hobby- und Weihnachtsmärkte, bevor sie in Aschendorf ein Drucklädchen eröffnen konnte. Dank ihrer Nähkunst fertigt sie aus den fertigen Druckstoffen unter anderem individuelle Tischbänder, Überhandtücher, Brotkorbdeckchen an. "Am liebsten drucke ich auf Leinen, weil die Struktur den Motiven einen lebendigen Charakter verleiht", verweist sie auf die unterschiedlich starken Webfäden in den Leinenstoffen. Mittlerweile verwendet sie 600 Model (Blaudruck-Druckstöcke) in ihrer Werkstatt. Dazu gehören auch historische Unikate und die eines Leipziger Modelstechers. Ihr Mann Werner hat für sie verschiedene Blattformen und Elche nach ihren eigenen Entwürfen in seiner Holzwerkstatt geschnitzt. Auch Freunde halten die Augen offen. Ihr ältestes Model stammt von einem Flohmarkt in Hannover und ziert heute ihre Visitenkarte.

"Für mich sind die Motivkombinationen wichtig, um die Themen Küste, Deich und Bauernhof auf Stoffen darstellen zu können", zeigt Heinicke anhand von verschiedenen Beispielen. Im Gegensatz zur historischen Blaudruck-Technik nimmt sie die Farbe mit Schwämmchen auf, tupft sie auf das Model und überträgt die Form auf den Stoff. Neben dem klassischen Blau finden sich unter ihren Werken Kompositionen in den Farben der vier Jahreszeiten. Sie verziert Lavendelsäckchen mit hübschen Blüten ebenso wie Korbdeckchen, Servietten oder Kissenbezüge mit filigranen oder rustikalen Mustern, ganz nach den Wünschen ihrer Kunden. Die Stoffe muss Heinicke vorher waschen und bügeln, denn sie müssen frei von Appretur und Weichspüler sein. Als weiche Unterlage zum Drucken dient ein altes Biberbettlaken. Nach dem Trocknen werden die bedruckten Werke auf der Rückseite bügelfixiert. Jedes zweite Wochenende im Monat gibt sie Kurse in ihrem eigenen Wohnhaus. Zwei Mal im Jahr läuft ein Kurs im Mühlencafé in Jemgum (bei Leer). "Ich habe aber auch schon viele Kurse auf Einladung der Landfrauen und in Museen gegeben", berichtet Heinicke von ihrer mobilen Blaudruck-Werkstatt. "Manche Frauen wollen gern ihr ererbtes Leinen individuell gestalten. Andere erwerben Leinen und verschiedene Farben von mir", beschreibt Heinicke die unterschiedlichen Möglichkeiten. "In drei Kursstunden gelingt den meisten schon sehr viel für das eigene Heim oder für die Kinder", freut sich Heinicke.

Sie selbst hat schon zehn Taufkleidchen mit ornamentalen Blütenmotiven gefertigt. Diese kleinen Schmuckstücke sind ihr ganzer Stolz. Wer ihre Schätze sehen möchte, kann sie auf Kunsthandwerkermärkten, Gartenfesten, an Mühlentagen und auf Bauernmärkten in der Weser-Ems-Region antreffen. Dort genießt sie den Kontakt zu Menschen. Weitere Infos unter Tel.: 04962-862.
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