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Haushalt

"Bunte" bringen Farbe auf den Teller

von , am
20.08.2013

Weltweit gibt‘s mehr als 7.000 Kartoffelsorten, und bunte Knollen werden - auch bei uns - immer beliebter. Die "Blaue Elise", "Rote Emma", "Rosalie" und der "Blaue Schwede" machen das Kartoffelangebot vielseitig und attraktiv.

Sehen nicht nur gut aus, sind auch gesund: Blaue Elise (l.), Rote Emma (Mitte), Rosalie (hinten r.) und Bamberger Hörnchen (vorne r.) - und sind noch dazu echte Kartoffel-Delikatessen. © fotolia
Violett, blau, rosa oder weiß - Kartoffeln blühen in unterschiedlichen Farben. Aber auch die Knolle muss nicht immer gelb sein.
Es gibt Sorten, die blaue,  rosafarbene, violette oder dunkelrote Kartoffeln hervorbringen. Auch die Formen sind sehr unterschiedlich. "Bamberger Hörnchen" sind beispielsweise klein und länglich.

Bei diesen in der Farbe und teilweise auch Form auffälligen Kartoffeln handelt es sich um alte Sorten, die heute in der Liste des Bundessortenamtes nicht mehr auftauchen. Zwar dürfen sie von Bauern direkt oder auf dem Markt verkauft werden, für den Anbau im großen Stil eignen sie sich jedoch nicht, weil sie pflegeintensiv oder maschinell schwer zu verarbeiten sind. Dennoch liegen die "alten Sorten" wieder im Trend.

Sind blaue gesünder?
Die weltweit größte Gendatenbank unterhält das internationale Kartoffel-Forschungszentrum in Lima (Peru). Das ist die Heimat der Kartoffeln. Sie enthält mehr als 7.000 Sorten Kartoffeln - rund 8.000 von Süßkartoffeln sowie etwa 1.500 Sorten Anden-Wurzel- und Knollengemüse.

2011 machte eine amerikanische Studie Schagzeilen, nach der 18 vorwiegend übergewichtige Personen mit Bluthochdruck einen Monat lang zweimal am Tag sechs bis acht gekochte, kleine blaue Kartoffeln mit Schale verspeisten und so ihren Blutdruck senken konnten.

Es wurden blaue Kartoffeln eingesetzt, da diese vermehrt gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.
Die blaue Färbung der Kartoffeln wird durch Anthocyane bewirkt, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören. Diese besitzen laut Laboruntersuchungen eine antioxidative Wirkung. Das heißt, im menschlichen Körper können sie freie Radikale binden und den Körper somit vor Schädigungen schützen.

Den Anthocyanen werden noch weitere Wirkungen zugeschrieben: Sie sollen entzündungshemmend und gefäßschützend wirken. Es wird jedoch bezweifelt, dass die Anthocyane über die Nahrung aufgenommen, auch diese starke antioxidative Wirkung entfalten können, da die Bioverfügbarkeit schlecht ist.

Die Bioverfügbarkeit der Anthocyane liegt bei Aufnahme mit normaler Nahrung nur bei etwa ein Prozent. In Anbetracht der Essgewohnheiten muss zudem erwähnt werden, dass die sekundären Pflanzenstoffe durch hohe Verarbeitungstemperaturen beim Herstellen von Chips, Pommes, etc. zu einem Großteil zerstört werden.

Möglichst unverarbeitet

Heute wird jede zweite bis dritte Speisekartoffel indu-striell verarbeitet. Bundesweit wird also von rund 180 g Kartoffeln pro Tag knapp die Hälfte als Chips, Pommes, Knödel und Co. gegessen. Vor gut 50 Jahren aß jeder Deutsche im Schnitt noch 530 g Kartoffeln pro Tag und vor 100 Jahren waren es 730 g.

Im Laufe des Jahrhunderts hat sich die Knolle vom Sattmacher zur Beilage entwickelt und wird vorwiegend als Pommes, Knödel, Gratin oder Fertigpüree verzehrt. Dabei ist die traditionelle Salz- oder Pellkartoffel nicht nur schnell zubereitet, sondern deutlich kalorienärmer.

Das vielfältige Angebot an kalorien- und salzreichen Kartoffelzubereitungen hat sicherlich einen größeren Einfluss auf Übergewicht oder Bluthochdruck als die Farbe der Kartoffel.
So gesehen ist es weniger wichtig, ob die "Blaue Elise" oder die "gelbe" Linda auf den Teller kommt. Wichtig ist, dass Kartoffeln regelmäßig und in möglichst unverarbeiteter Form verzehrt werden.
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