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Hof- und Dorfleben

Edle Pferde in der Hohen Schule

von , am
14.05.2013

Die bückeburgische Barockreiterei am fürstlichen Hof zu Schaumburg Lippe hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert. Seit 2004 führt in der Fürstlichen Hofreitschule die Familie Krischke diese Reitkunst nach der Originallehre vor.

Christin und Wolfgang Krischke demonstrieren ba-rocke Reitweise in historischer Kleidung. © Linck

Heute gibt es nur noch vier Hofreitschulen in der Welt, die auch für die Öffentlichkeit entsprechendes Wissen vorführen können. Sie befinden sich in Wien, Saumur in Frankreich, Wallerstein und eben Bückeburg. Doch weltweit einzigartig sind nur hier in Bückeburg 26 Hengste aus sieben Rassen zu sehen! Darunter ein reinweiß geborener Schimmel. Der hannoversche König zahlte seinerzeit für ein solch seltenes Tier unvorstellbare 500 Kilogramm Gold. Er "sammelte" genau diese Tiere, weshalb das Ross im Niedersachsenwappen wahrscheinlich in weißer Farbe dargestellt ist.

Nur in Teamarbeit sind die "Hohe Schule" und die damit verbundenen Leistungsansprüche an Pferd und Reiter zu schaffen. Hofreitmeister Wolfgang Krischke, seine Frau Christin, Tochter Diana, Elevin und Pferdewirtin Rebecca Güldenring sowie die in der Ausbildung befindlichen Elevinnen Dorothea Glindemeyer und Franziska Schwarze zeigen in Bückeburg zum einen die Leistung der Pferde. Zum anderen probieren sie immer wieder das aus, was in alten Lehrbüchern über die barocke Reiterei zu finden ist.

Damals waren die Pferde "Kriegsmaschinen". Der Reiter musste sich in jeder Situation auf das Tier verlassen können. Das setzte eine gute Ausbildung von Pferd und Reiter voraus. Und natürlich die dafür geeigneten Rassen. Das sind Andalusier, Berber, Lusitanos, Lippizaner, Knappstrupper sowie Fredriksborger und Geneten, eine Kreuzung aus Andalusiern und Berberpferden. "Seit 600 Jahren werden diese Rassen, die alleine die geforderten Eigenschaften bringen, für genau diese spezielle Reiterei gezüchtet", sagt Diana Krischke.

Man muss Diana Krischke erleben, wie sie mit Begeisterung die geschichtlichen Zusammenhänge darstellt. So ist auch zu erfahren, dass diese Pferde mit ihrem Imponiergehabe vor den Zuschauern brillieren und den verdienten Applaus sichtbar genießen. Die klassische Reitkunst der alten Reitmeister stellt deutlich heraus, dass dafür ein ganz besonderes Verhältnis zwischen Mensch und Tier notwendig  ist. Das wird hier durch jahrelange Zuwendung bei der Ausbildung erreicht.

Die Hofreitschule Bückeburg bekommt keinerlei Zuschüsse und finanziert sich komplett selbst. So werden auch manchmal ausgebildete Pferde zum Kauf angeboten. Allerdings muss die Chemie zwischen Pferd und Interessent stimmen. "An den Erstbesten geben wir die Tiere nicht ab. Bei uns suchen die Pferde ihre Reiter aus", betont Christin Krischke. "Wir haben jüngst eine Kooperation mit dem berühmten spanischen Gestüt "La Perla" begonnen, die uns ausgesuchte Jungpferde zur Ausbildung und zum Verkauf schicken."
Vor ihrem Engagement in Bückeburg war die Familie Krischke viele Jahre lang in ganz Europa auf der Suche nach einem geeigneten Domizil für ein "lebendiges Pferdemuseum". Als sich in Bückeburg der Reiterverein auflöste, kam die große Chance. Ein Gespräch mit dem Fürsten war erfolgreich und so wurde vor fast zehn Jahren hier die Fürstliche Hofreitschule gegründet.

Bückeburg hat eine lange und sehr bekannte Hofreitschultradition gehabt. Das ist im Staatsarchiv nachzulesen. So forschen die Krischkes weiter in Geschichtsbüchern, um die Barockreiterei authentisch präsentieren zu können. An alledem können hautnah Besucher teilnehmen. Am Pfingstsonntag, dem 19. Mai, ist eine Galavorstellung von 15 bis 16.30 Uhr geplant. Zuvor, um 12 Uhr, gibt es eine Marstallführung.
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