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Familie

Eisgenuss direkt ab Hof

von , am
21.05.2015

Nicht nur im Melkhus auf ihrem Hof in Heine bei Wulsbüttel, Landkreis Cuxhaven, serviert Tanja Kühne selbst gemachtes Speiseeis aus der Milch von eigenen Kühen, auch auf Hoffesten oder Märkten gibt es diese Köstlichkeit.

© Hüneke-Thielemann

Seit 2002 produziert die 42-Jährige den kühlen Genuss auf ihrem Betrieb, fährt auf Hoffeste und besucht Märkte mit dem inzwischen angeschafften Eiswagen. Und das alles, obwohl ihr Familienhaushalt alles andere als klein ist: Tanja und Andreas Kühne haben sieben Kinder im Alter von knapp drei bis 19 Jahren. Das verlangt noch einiges mehr an Organisationstalent, als es in der Landwirtschaft ohnehin der Fall sein muss.

Der Anfang der "süßen Eiszeit"

Der 33-Hektar-Hof von Andreas und Tanja Kühne liegt im Bremischen bei Wulsbüttel, ziemlich abseits, aber auch sehr idyllisch am Rande des Staatsforstes "Düngel" mit seinen vielbesuchten Radwegen. "Man müsste was für die Radtouristen anbieten, haben wir damals überlegt. Aber kein Hofcafé, wir wollten etwas machen, was noch keiner hatte", erzählt Tanja Kühne. In der LAND & Forst stieß sie damals auf eine Anzeige des holländischen Franchiseunternehmens "Bauernhofeis". Eine interessante Idee, fanden die Kühnes und machten sich auf den Weg in die Niederlande.

Der Eis-Geschmackstest vor Ort überzeugte die beiden voll und ganz, und auch das Konzept der Holländer fanden sie für ihren Hof passend. Die Eismaschine und Zutaten für Hunderte von erprobten Rezepten bezieht man über den Anbieter "Bauernhofeis". Die Milch kommt aus dem eigenen Stall und die Früchte stammen je nach Saison aus dem Garten. Um auf dem Hof Speiseeis herstellen zu können, waren allerdings noch weitere Investitionen notwendig: Eine ehemalige Waschküche wurde zum abgeschlossenen Produktionsraum umgebaut, der mit Vollverfliesung, Edelstahleinrichtung und technischem Gerät den Hygiene-vorschriften des Veterinäramtes entsprach.
"Bis die erste Kugel Eis verkauft war, hatten wir schon rund 25.000 Euro investiert", sagt die 42-Jährige. Aber die Investition sollte sich lohnen. Die Qualität und Frische der hausgemachten und mit eigener Milch produzierten kühlen Köstlichkeit sprach sich bald herum. Manche Kunden nutzen die Chance auf ein Gespräch, sogar in den Stall darf man nach Absprache schauen. "Es gibt viele Stammgäste, die für ein gutes Eis auch aus der Stadt zu uns aufs Land kommen", weiß die staatlich geprüfte Wirtschafterin. Anders als bei manchem Industrie- und mittlerweile auch Eisdielen-Eis, wird beim "Bauernhofeis" keine Luft eingeschlagen. "Das macht die Konsistenz so cremig und kompakt", sagt Tanja Kühne. "Ausgenommen Sorbets, die sollen ja fruchtig-leicht sein."

Exotische Köstlichkeiten

15 verschiedene Sorten hat sie im Angebot. Besonders beliebt bei vielen Frauen: das Baileys-Eis. Unangefochtene Lieblinge in den Eistüten aber sind die Klassiker  Vanille, Stracciatella, Schokolade, Erdbeere. Je nach Saison und Anlass zaubert die siebenfache Mutter in ihrer Eismaschine auch solche exotischen Köstlichkeiten wie Kürbis-eis im Herbst, Spargeleis zum Spargelfest oder Spekulatiuseis für die Winterzeit. Um diese Jahreszeit  kommt das Rhabarbereis von frischen Stangen aus dem eigenen Garten in die Melkhus-Kühlvitrine, und noch ein paar Wochen weiter wird der Erdbeereisbecher mit frischen Früchten und Sahne der Renner sein.

Der Verkauf im Melkhus, läuft von April bis Oktober täglich von 10 bis 20 Uhr. Dann gibt’s die sahnig-cremigen Eissorten vom Hof nicht nur lose in der Waffel, sondern auch als Eisbecher. Außerdem hat Tanja Kühne 15 Sorten Milchshake, Käsekuchen und Kaffee im Angebot. Wer mag, kann das Bauernhofeis auch im kleinen, verschlossenen Eisbecher oder im Liter-Pack für daheim kaufen. Mit diesen Produkten werden auch die anderen Melkhüser in der Region beliefert. Der Außer-Haus-Verkauf ist ganzjährig möglich. Auf Bestellung fertigt Tanja Kühne spezielle und ungewöhnliche Sorten wie Pfeffereis an oder sorgt auf Anfrage mit ihrem Eisverkaufswagen für einen exklusiven Nachtisch bei Privatfeiern.

Leben können sie davon jedoch nicht

In der Saison täglich zehn Stunden und ohne Ruhetag das Melkhus besetzt zu halten, ist eine Herausforderung für den Groß-familienbetrieb - aber inzwischen können auch die großen Kinder prima im Verkauf mithelfen. "Und wenn das Melkhaus gerade nicht besetzt ist, dann wird eben mal an der Haustür geklingelt."

Bis 2009 kümmerte sich Tanja Kühne zudem noch ums tägliche Melken. "Aber das ging irgendwann nicht mehr - jetzt haben wir einen Melkroboter", erzählt sie. Gerade zur  Melkzeit seien oft ein oder zwei Radfahrer vorbeigekommen. Das bedeutete: Für zwei Kugeln Eis alles unterbrechen, waschen, umziehen - und nach dem Verkauf wieder umziehen. Dank des Melkroboters fällt dieser Stress nun  weg.

Trotz des zusätzlichen Betriebszweiges mit der Eisproduktion entschlossen sich die Kühnes 2007, den Vollerwerb aufzugeben. Landwirtschaftsmeister Andreas Kühne machte sich als Klauenpfleger selbstständig. "Die Eisproduktion ist ein nettes zusätzliches Standbein, aber leben können wir davon nicht - da müsste unser Hof noch viel verkehrsgünstiger liegen", so die Erfahrung von Tanja Kühne.

Pure Begeisterung über den süßen Vermarktungsweg der Hofmilch herrscht natürlich bei allen Klassen- und Spielkameraden der Kühne-Kinder. Bei Spielbesuch darf sich jedes Kind zwei Kugeln aussuchen, so lautet die Regel. Und wenn Tanja Kühnes Kinder Geburtstag haben, wird in der Schule statt Gummibärchen oder Schokokuss eine Runde Eis ausgegeben - was nicht nur die Kleinen freut: "Ihre Kinder sollten wirklich öfter im Jahr Geburtstag haben", so das Kompliment der Lehrerin.
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