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Hof- und Dorfleben

Engagement für "Platt" belohnt

von , am
25.03.2014

Gerd Brandt schreibt plattdeutsche Lieder, Theaterstücke, und er macht Radio. Für sein Lebenswerk bekam er jetzt den Wilhelmine-Siefkes-Preis der Stadt Leer für besondere Verdienste um Ostfriesland und die plattdeutsche Sprache.

Die Friesenfolkband Laway besteht heute aus Gerd Brandt (hinten) sowie Jörg Fröse, Petra Fuchs und Jørgen Lang (vorne v.l.). © Jürgens
Der Laptop in seiner gemütlichen Küche glüht förmlich - Gerd Brandt arbeitet wie so oft an mehreren Theater-Ideen gleichzeitig. Alle haben mit der Vergangenheit Ostfrieslands zu tun und wollen erst einmal gründlich im Internet recherchiert werden. Ein Projekt dreht sich etwa um die Reformationszeit, auch für einen Kreuzfahrer aus der Region interessiert sich Brandt. Ganz sicher will er ein Stück über das Leben der großen ostfriesischen Autorin Wilhelmine Siefkes schreiben, zu ihrem 125. Geburtstag im Jahr 2015. "Persönlich kennengelernt habe ich sie leider nicht mehr", erklärt der 60-Jährige. "Aber schon als ich ein junger Mann war, war sie für mich eine sehr beeindruckende Figur in der plattdeutschen Szene." Die 1890 in Leer geborene Siefkes war Lehrerin und Sozialdemokratin, 1928 wurde sie ins Stadtparlament gewählt. In der Nazizeit erhielt sie ein Berufs- und Schreibverbot. Nach 1945 widmete sie sich ganz dem Schreiben und wurde für ihre häufig sozialkritischen Werke mehrfach ausgezeichnet. Wilhelmine Siefkes starb 1984. Seit 1990 vergibt die Stadt Leer alle vier Jahre den nach ihr benannten und mit 2.500 Euro dotierten Preis.

Anerkennung fürs Lebenswerk

Für sein Plattdeutsch-Engagement wurde Gerd Brandt bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Keerlke" - benannt nach Wilhelmine Siefkes‘ gleichnamigem Roman über einen kleinen Jungen aus dem Arbeitermilieu. "Der Keerlke ist sozusagen der ‚Ostfriesen-Oscar‘", erklärt Gerd Brandt, der den Preis 2005 für seine plattdeutschen Sendungen bei Radio Ostfriesland erhielt. "Ihn zu bekommen, hat mich sehr bewegt. Der Wilhelmine-Siefkes-Preis ist jetzt auch eine große Ehre und eine große Anerkennung für mich." Er habe sogar gerade in Wilhelmine Siefkes Buch "Erinnerungen" gelesen, als der Bürgermeister von Leer anrief und sagte, man habe ihn als Preisträger ausgelobt."

So wie Wilhelmine Siefkes begann auch Gerd Brandt als Pädagoge, der Sozialpädagoge leitete er schon mit Anfang zwanzig das Jugendzentrum in Jever. "Aber das war auf Dauer nichts für mich", gibt er zu. "1982, als mein Sohn geboren wurde, blieb ich als einer der ersten Väter zu Hause, während meine Frau durchgearbeitet hat." Parallel entwickelte sich seine musikalische Karriere: 1979 begründete der Ostfriese, geboren in Holtermoor im Landkreis Leer, die Folk-Formation Laway mit, die in wechselnder Besetzung bis heute besteht. "In den frühen 80er Jahren war Laway eine Band der Jugendszene. Wir haben damals platt- und hochdeutsch gesungen", erinnert sich Brandt. "Wir spielten in denselben Klubs wie der junge Herbert Grönemeyer, nur ist der irgendwann in die großen Hallen umgezogen, wir nicht." Doch schon damals gab es Preise für die Band, die zeitweise durch ganz Europa tourte und heute ebenso auf Konzertbühnen wie in Kirchen auftritt, zum Beispiel auf der gerade abgeschlossenen "Winterleed"-Tour.

Sänger, Schreiber, Plattschnacker

Neben der Musik, er betreibt auch ein eigenes Label, ist das Stückeschreiben für Gerd Brandt über die Jahre immer wichtiger geworden. Es begann damit, dass seine Band Laway die Störtebeker-Festspiele in Marienhafe musikalisch begleitete und Brandt dafür Lieder schrieb. Schon bald verfasste er Spielszenen, dann ganze Theaterstücke auf Platt- und Hochdeutsch. Darunter war 2011 zum Beispiel "De Schippers van Timmel", das in der napoleonischen Zeit um 1811 spielt. 2012 folgte das Freilichtdrama "Graf Gerd der Mutige" zum 550. Jubiläum des Schlosses Neuenburg und im vergangenen Jahr das Stück "Kanaal - 125 Jahre Ems-Jade-Kanal", das auf der Freilichtbühne in Wiesmoor zu sehen war. In die Vergangenheit Ostfrieslands zu schauen und diese Einblicke "op Platt" für die Bühne zum Leben zu erwecken, fasziniert Gerd Brandt eben - das merkt man schon am Bandnamen "Laway": Das Wort, das aus dem Plattdeutschen stammt und "Geschrei" bedeutet, soll an die gleichnamige Streikbewegung norddeutscher Deicharbeiter aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erinnern - die ihrerseits ein beliebtes Thema für plattdeutsche Theaterstücke ist.
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