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Hof- und Dorfleben

"Das ist fast wie Ostereier suchen"

von , am
22.10.2013

Violetter Rötelritterling oder Fichtenreizler: Die phantasievollen Namen vieler Pilze lassen einen schmunzeln. Wolfgang Krantz, Pilzberater aus Braudel kennt sich damit aus. Welche Tipps er auf Lager hat, lesen Sie hier.

Pilzberater Wolfgang Krantz veranstaltet derzeit Führungen und Seminare. In der "pilzfreien" Zeit widmet er sich der Musik. © Witte
Der Voreilende Ackerling beispielsweise wächst vor allem im Frühjahr, also vor den Ackerpflanzen. Der Stiel des Exzentrischen Röhrlings sitzt nicht zentral, sondern eben leicht exzentrisch. All sein Wissen bietet Krantz, der früher Gitarrist in einer Rockband war, bei Pilzführungen und Seminaren in seiner "Pilzschule Braudel" an. Die Teilnehmer erfahren sehr viel über die Lebewesen, die wegen ihrer genetischen Eigenschaften weder zu den Pflanzen, noch zu den Tieren gezählt werden.
 
Pilze gibt es fast immer

Die diesjährige "sehr gute Pilzsaison" habe ihren Zenit überschritten, sagt Krantz, der auf seinen Gängen durch die Wälder schon die ersten Spätherbstpilze wie den Hallimasch gefunden hat. Doch auch wenn September und Oktober die Pilz-Hauptzeit ist, so kann man sie doch fast das ganze Jahr über finden, informiert der Mykologe: "Ich habe Weihnachten schon mal den Austernseitling, den Winterrübling und den Frostschneckling in der Pfanne gehabt." Zu den ersten Pilzen im Frühling gehöre der März-Ellering, später kämen Morcheln und Maipilze. Und je nach Wetterlage könne man schon im Juni die ersten Steinpilze finden und genießen. "Das richtet sich nach der Temperatur und Feuchtigkeit. In trockenen Sommern wachsen Pilze, die sonst nicht kommen, wie der rotschuppige Rauhkopf. In diesem Jahr kamen die Maronen erst Ende September. Es gibt immer Überraschungen", sagt Krantz.

Genau das fasziniert den 67-Jährigen an den Pilzen: "Das Schönste ist die Bewegung in der freien Natur und dass man dabei immer wieder Entdeckungen machen kann, es ist fast wie Ostereiersuchen." Damit angefangen hat Wolfgang Krantz mit etwa 30 Jahren. Damals fand der gebürtige Hannoveraner in seinem Braudeler Wochenendhaus den "Großen Pilzführer" des italienischen Mykologen Bruno Cetto und versuchte anschließend, einige der dort abgebildeten Pilze wiederzufinden. "Ich war einfach neugierig, und es hat Spaß gemacht. Ich habe dann auch tatsächlich einige der Pilze gefunden, die ich in dem Buch gesehen hatte", erinnert sich Krantz. Derart auf den Geschmack gekommen, nahm er an einem Pilzkurs im Schwarzwald teil und bestand auf Anhieb die Pilzberaterprüfung. Heute bereitet der Braudeler in seiner Pilzschule selbst Teilnehmer auf die Prüfung vor.

Am meisten freut er sich, "wenn ich neue Pilze entdecke". Im Wendland hat er bisher über 1.000 Pilze registriert und in die deutsche Pilz-Datenbank eingegeben. Davon sind etwa zehn bis zwölf Prozent genießbar und acht Prozent giftig, berichtet der Mykologe. Der große Rest ist ungenießbar. Bei einer Pilzausstellung, die er Anfang Oktober gezeigt hat, gab es 225 Arten zu sehen, darunter 17 verschiedene Röhrlinge, "das war Rekord", freut sich Krantz. Mit Röhrlingen seien wenig kundige Pilzesammler übrigens "auf der sicheren Seite": Der einzige giftige Röhrenpilz, der Satanspilz, wachse nur auf Kalk und nicht in der norddeutschen Tiefebene. Eine Einschränkung macht Krantz, der selber begeisterter Pilzesser ist, dann doch noch: Der netzstielige Hexenröhrling darf nicht mit Alkohol genossen werden.

Erfolgreicher Musiker

Die Mykologie ist die zweite Karriere des Wolfgang Krantz, der in den 1970er-Jahren Gitarrist bei der damals europaweit erfolgreichen Rockband Jane gewesen war. Nach zwei Alben, mehreren Tourneen und vielen Auftritten stieg Krantz bei Jane aus, gründete mit "Harlis" eine weitere Band, machte ein Album mit "Efendi’s Garden", bevor er sich, zunächst, ganz aus der Szene verabschiedete und nach Braudel zog. Vor ein paar Jahren ist er nach 35 Jahren noch einmal bei Jane eingestiegen und für den erkrankten Keyboarder mitgetourt. "Am Anfang habe ich ganz schönes Lampenfieber gehabt, aber es dann hat es Spaß gemacht", sagt Wolfgang Krantz, der auch eine Solo-CD mit deutschsprachiger Musik herausgebracht hat.

Musik ist nach wie vor ein wichtiger Teil seines Lebens. "Ein guter Sheriff trägt immer zwei Revolver: Wenn einer nicht geht, geht der andere", zitiert Krantz schmunzelnd sein Motto, das er von einem ehemaligen Mathelehrer übernommen hat. Bei dem Braudeler geht allerdings beides: die Mykologie und die Musik. Und so will er sich, wenn die Pilz-Zeit demnächst vorbei ist, wieder mehr um die Musik kümmern.
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