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Hof- und Dorfleben

Feines aus Filz

von , am
11.02.2014

Das Filzen ist eine der ältesten Techniken zur Verarbeitung von Wolle und erlebt eine Renaissance. Selbstgefilzte Mützen und Figuren sind wieder "in". Gabriele Mazaracis gibt Filzkurse an Volkshochschulen.

Vor Ostern werden gerne Hühnerfiguren aus Filz modelliert. © Lüders
Die Workshops von Gabriele Mazaracis aus Freren (Landkreis Emsland) sind gefragt. Vor 20 Jahren haben vor allem Künstler diese alte Form der Wollverarbeitung wiederentdeckt. Seitdem ist Gefilztes wieder angesagt. In dieser Zeit wurde auch Mazaracis mit dem "Filzvirus" infiziert und nicht mehr geheilt, wie sie selbst sagt.

Träume verwirklichen

"Filzen ist eine der ältesten Techniken der menschlichen Kleiderherstellung, älter noch als Spinnen und Weben", erzählt Gabriele Mazaracis. Ursprünglich wollte sie Hutmacherin werden, avancierte jedoch zur Arzthelferin, um später in einer Tierarztpraxis zu arbeiten. Erst nach der Familienphase begann die 58-jährige die früheren Pläne aufzunehmen. "Eine Freundin wollte mir ihre Schafe vermachen, da wurde ich an meinen Traum erinnert", erzählt sie.

In den folgenden sechs Jahren nutzte sie die Zeit, um in ihrem umfunktionierten Gartenhaus mit Schafwolle zu experimentieren. "Immer schleiche ich mit Taschen in der Gegend herum, um Pilze, Wurzeln, Blätter und Blüten zu sammeln. Filzen bietet ein weites Experimentierfeld, für das ich gern selbst gefärbte Wolle verwende. Dadurch erweitere ich das Farbenspektrum, da es nicht alle Farben im Handel gibt", verweist Mazarakis auf die vielen möglichen Zwischentöne. Besonders wichtig ist ihr die Verwendung von schöner weicher Wolle der alten Landschafrassen. Dazu gehören Gotland Schafe, Bergschafe, Steinschafe, Waliser und Merino Landschafe sowie Waldschafe. Für die Filzfähigkeit der Wolle ist die Wollstruktur entscheidend. Sie muss die Möglichkeit haben, sich zusammenzuziehen und die Faserschuppen abzuspreizen. Beim Filzen verdichtet sich die Wolle durch eingeschlossene Luft und erhält dadurch eine gewisse Steifigkeit. Man kann auch Seiden- und Baumwollstoffe einarbeiten, um schöne Effekte zu erzielen. Das Herstellen von großer Kleidung ist nicht Gabrieles Mazaracis Ding, viel lieber filzt sie Schals, Puppen, Tiere, Taschen und Spielzeug. Im Frühjahr filzen Kursteilnehmerinnen gern österliche Figuren wie Hasen, Hühner und Schafe.

Für das Filzen braucht man Noppenfolie oder eine Bastmatte, zwei Handtücher, Kernseife und Essig. Letzterer neutralisiert vorhandene Seifenreste, glättet die Fasern und bringt die Farben zum Leuchten. In den gut besuchten Workshops dampft und duftet es aus dem Kessel mit Kernseife, während die Teilnehmer ihre sorgsam geschichteten Wollschals in einer großen Folie hin- und herwalken. Immer wieder wird das Material mit heißer Seifenlauge eingesprüht. Die heiße Dusche "erschreckt" die Wolle ebenso wie das Schlagen und Werfen des feuchten Produktes, das um ein Drittel seiner ursprünglichen Größe und Länge schrumpft. Was beim normalen Waschvorgang gefürchtet ist, wird hier extra herbeigeführt.Später können noch gefilztes Schmuckwerk wie kleine Blumen eingefügt oder raffinierte Muster hineingeschnitten werden. Beim Filzen von Tierfiguren verwendet Mazaracis kurzfaserige Vlieswolle, die eine gute Standfestigkeit der dreidimensionalen Geschöpfe garantiert. Die Figuren werden Schicht für Schicht aufgebaut, Gliedmaßen und Kopf drangefilzt. Wichtig ist das sanfte Reiben mit Hilfe heißer Seifenlauge bis sich die Fasern miteinander verhakt haben. Bei eintretender Festigkeit, kann der Druck verstärkt werden - das sogenannte Walken. Die Filznadel hilft bei den Feinarbeiten wie Augen, Mund und Nase.

Idealer Werkstoff

"Filzwolle ist ein idealer Werkstoff für Kinder, weil das Naturprodukt keine Verletzungsgefahr birgt und keine Giftstoff enthält. Mir selbst macht das Filzen vor allem deswegen Spaß, weil man daraus formen kann, was man im Kopf und in den Händen hat".
Im Februar und März veranstaltet Gabriele Mazaracis unter dem Motto "Das Huhn/ der Hahn oder andere schräge Vögel" Kurse bei den Volkshochschulen Bersenbrück, Meppen und Fürstenau an. Am 29 März gibt sie einen Filzkurs an der Kunstschule der Samtgemeinde Freren. Außerdem können private Gruppen bei ihr filzen.
 
Weitere Infos gibt es im Internet unter: www.filzkram.de
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