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Hof- und Dorfleben

Fischer pflegen Schilfbestände

von , am
19.03.2014

Schon seit Generationen betreiben einige Fischereibetriebe die Schilfmahd und anschließende fachgerechte Bereitstellung des Reets für das Dachdeckerhandwerk als wertvolle Einkommensquelle im Winter.

Mit der neuen Technik kann Rudolf Endjer das Reet umweltschonend "ernten". © Endjer
Reetdächer prägen bis heute ganze Ortsbilder in Niedersachsen. Wasserdurchflutete, intakte Schilfbestände stellen einen der wertvollsten Lebensräume, beispielsweise für Fischbrut oder Nährtieraufkommen dar und dienen als Schutz für Fische, Vögel und andere gefährdete Tiere. "Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten die Situation der Schilf- und Röhrichtbestände, somit auch die der Reetschneider oft erheblich verschlechtert", sagt Steffen Göckemeyer, Fischereiberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zum Saisonende der "Reeternte" gegenüber der LAND & Forst.

Weniger Flächen

Zwar sei der Bedarf an gutem, regionalem Reet für das Decken von Dächern ungebrochen, jedoch hätten Vorgaben von Naturschutzbehörden sowie wasserwirtschaftliche Rahmenbedingungen zum Verlust traditioneller Reetmahdflächen geführt. Hinzu kommen weitere komplexe und wohl auch nicht abschließend wissenschaftlich erforschte Faktoren wie Gänseverbiss, Nährstoffbeeinflussungen oder mögliche Erkrankungen des Schilfs, die ebenfalls einen Verlust von Reetflächen verursacht haben könnten.

Wird die Reetmahd unregelmäßig oder gar nicht mehr durchgeführt, verbuschen die Reetflächen oft durch Weiden und Erlen. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind in Niedersachsen so wertvolle offene Röhrichtpflanzen-Lebensräume verloren gegangen, erklärt Göckemeyer. Inzwischen haben Naturschutzbehörden und -verbände diese auch aus Artenschutzsicht kritische Entwicklung erkannt und einige Konzepte zur Revitalisierung und zum Erhalt von Schilfflächen eingeleitet, beispielsweise am Dümmer See.

Der Landesfischereiverband Niedersachsen begrüßt diese ökologischen Erhaltungsmaßnahmen und Strukturverbesserungen von Röhrichtbeständen an den Binnengewässern. Der Vorsitzende Carsten Brauer hält die Einbindung der regionalen Fischereibetriebe mit ihren Ortskenntnissen, Logistikvoraussetzungen und zum Teil sogar noch vorhanden Reetmahdausrüstungen für schlichtweg die kostengünstigste und arbeitswirtschaftlichste Lösung. Hier werden öffentliche Mittel effektiv und erebnisorientiert eingesetzt.

Tolle Kooperation

Sehr positiv und beispielhaft verläuft derzeit eine Kooperation des Fischereibetriebs Endjer aus Emden-Uphusen mit der Stadt Emden sowie dem Landkreis Aurich. Der Fischereibetrieb verfügt über eine lange Tradition und umfangreiche Praxiserfahrung in Sachen Reetmahd. Fischer Rudolf Endjer investierte, eigens für die Schilfpflege und Reetgewinnung an den Ostfriesischen Binnengewässern, in eine neue umweltschonende und auf Kleinflächen sehr mobile Technik. Wichtig für eine umweltschonende Reetpflege ist, dass der Gewichtsdruck mit den ballonähnlichen Reifen der Schneide- und Transporttechnik sehr gering ist und Lenkbewegungen nicht zu massiven Verletzungen der sensiblen Flächen führen.
 
Mittlerweile setzt Rudolf Endjer die Technik im zweiten Betriebsjahr ein. Er hat damit sehr gute praktische Ergebnisse erzielt. Auch Naturschutzvertreter und ostfriesische Reet-Dachdeckerbetriebe freuen sich über das erweiterte Angebot der Fischerfamilie. Ein Konzept was sicher auch an anderen Gewässern außerhalb Ostfrieslands "Schule" machen könnte.
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