Login
Hof- und Dorfleben

Der Fischotter ist wieder da

von , am
30.10.2013

Er ist possierlich, streng geschützt und seine Population steigt an - der Fischotter. Diese aus Artenschutzsicht positive Entwicklung hat jedoch ihre Schattenseiten.

Otter sehen possierlich aus, sind aber Raubtiere. Die durch sie verusachten Schäden treffen die Teichwirte hart. © Templermeister/ pixelio.de
Carsten Brauer, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Niedersachsen e.V., ist verärgert über die Entwicklungen für die traditionelle Teichwirtschaft. "Unsere Betriebe wehren schon den starken Fraßdruck der Kormorane ab und gleichen dies weitestgehend aus betrieblichen Eigenmitteln aus." Das sei bereits ein wirtschaftlicher Grenzgang. Mit dem Fischotter kommt eine weitere große Belastung dazu. "Wenn die Gesellschaft und die Politik derartige Prädatoren schützen und fördern, dürfen kulturlandschaftsprägende Bewirtschaftungsformen in unserer Heimat nicht geopfert werden", sagt er.

Niedersachsens Teichwirtschaften werden überwiegend familiär in kleinen Haupt- oder Nebenerwerbsbetrieben zur Forellen- oder Karpfenerzeugung bewirtschaftet. Hierzulande ist die traditionelle Teichwirtschaft weit verbreitet. Die meist den natürlichen Bedingungen der Landschaft angepassten und fließgewässernah angelegten Teiche reizen den Fischotter natürlich. Denn er nutzt vorzugsweise die dichte "einfache" Nahrungsverfügbarkeit in solchen Fischhaltungsanlagen.

Meist kommen Fischotter im Schutz der Nacht zum Fressen. Der Fischbestand nimmt zum Teil stark ab. Derartige Problemberichte häufen sich, besonders im Winterhalbjahr schädigt dieser Otterfraß die Fischbestände in den Teichen. Die Teichwirte fühlen sich außerdem durch den großen Fraßdruck der Kormorane gebeutelt. Zusätzlich belasten sie die Diskussion und die Vorgaben zum EU Fischseuchenschutz und der Übertragung von Krankheiten durch Wildtierverschleppung.

Die Fischotter und ihre Lebensräume sind nach FFH Arten- und Habitatsrecht europaweit streng geschützt. Aktives Vergrämen, Verscheuchen oder sogar ein Ottermanagement sind rechtlich verboten oder naturschutzpolitisch nicht realisierbar. Diese Problemlage dürfte sich bei einer weiteren Ausbreitung des Otterbestandes nach Westen noch verstärken.
Zum Schutz gegen den Fischotter zäunen immer mehr Teichwirte ihre Anlagen ein. Auch der anerkannte Naturschutzverband "Aktion Fischotterschutz" hat sich der Problematik angenommen und im Rahmen einer Untersuchung verschiedene Formen von Schutzzäunen an Teichen getestet. In der Praxis ist die Einzäunung von Fischteichen jedoch schwierig. So gibt es neben oft schwierigen Geländeverhältnissen im Natur- und Landschaftsschutz auch rechtlich widersprüchliche Vorgaben, die eine Otterschutzeinzäunung nicht überall ermöglichen.

Zudem können die als sehr gelehrig geltenden Fischotter buddeln und klettern. Daher sollten zum Beispiel Maschendrähte stabiler Bauart immer auch ausreichend eingegraben werden. Oben am Zaun ist zusätzlich eine Stromlitze empfehlenswert, damit kletternde Otter mit einem Strompuls aus handelsüblichen Weidezaungeräten vergrämt werden können
Eine zu empfehlende Standardschutzumzäunung gibt es derzeit nicht. Ärgerlich für die betroffenen Teichwirte sind neben den Anschaffungskosten besonders die intensiven Aufwendungen zur Pflege der bodennahen Schutzzäune. Leider können betroffene Teichwirte bisher im Standartfall der Schutzzäunung und der erhöhten Aufwendungen keine öffentlichen Hilfen in Anspruch nehmen.

Der Landesfischereiverband hofft auf Gespräche mit den zuständigen Ministerien, um Schutzregelungen und Zukunftskonzepte für die meist kleinen familiären Binnenfischereibetriebe zu erwirken.
 
Weiter bietet die Fischereiberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betroffenen Teichwirten Beratung bei der Entwicklung standortangepasster Schutzzäunungen an (Kontakt: steffen.goeckemeyer@lwk-niedersachen; Tel. 0511-36654498).
Auch interessant