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Hof- und Dorfleben

Formenvielfalt, die lecker schmeckt

von , am
12.03.2013

Vor drei Jahren verliebten sich Mark und Ellen Meijer in ein kleines Fachwerkhaus in Menslage - Hahlen. Dort widmen sie sich einem ganz speziellen Metier: Der Zucht von Kräuterseitlingen.

Jeder Zentimeter gut genutzt: In ihrem kleinen Zuchtraum ernten Ellen und Mark Meijer behutsam ihre Kräuterseitlinge. © Lüders

Vom Anfang ihres neuen Lebens erzählt Ellen Meiyer: "Ich war gleich verliebt in das kleine märchenhafte Haus. Wir haben das Gebäude ein Jahr lang saniert und mehr Licht ins Haus gebracht." Auch die ruhige Hahlener Umgebung im Landkreis Osnabrück mit ihrer Flora und Fauna entspricht genau den Vorstellungen der Naturliebhaber. Zuerst hatten Meijers an den Anbau von Shiitake - Pilzen gedacht. Aber die Großmärkte verlangten Kräuterseitlinge mit der Optik und dem nussigen Geschmack von Steinpilzen.

Seit November 2011 produzieren sie die dickbauchigen Pilze mit den bräunlichen Kappen. Sie haben weißes, festes Fleisch und beeindrucken durch ihre Formenvielfalt. "Es gibt jede Woche Überraschungen, denn die Seitlinge sind ein faszinierender Organismus mit einem schnellen Wachstum. Das hatten wir nicht erwartet", verweist Ellen auf bizarre Pilzlandschaften, die immer wieder anders aussehen.
Die Ernte erfolgt im zweitägigen Rhythmus in einem Zuchtraum, der aus einem Schweinestall entstanden ist. Es herrscht meditative Ruhe, wenn das Paar seine Schützlinge behutsam aus den Tüten schneidet. Sie entwachsen bei 15 Grad Celsius und viel Lichteinwirkung ihrem drei Kilogramm schweren Substrat, das aus Sägemehl (Buchenholz), Gips, Getreide und Wasser hergestellt wurde. Mark Meijer fährt jede Woche 500 Kilometer, um das Substrat in den Niederlanden einzukaufen.

Nach der Impfung mit dem Myzelium brauchen die Pilze 14 Tage bis zur Reife. Wenn die die Minipilze zwei Zentimeter groß sind, werden ihre Tüten aufgeschnitten, damit die Erzeugnisse herauswachsen können. Pro Woche können die Meijers so rund 100 Kilogramm der Pilze ernten.

Im Frühjahr ist eine Erweiterung der Pilzzucht in einem neuen Gewächshaus geplant. Hier sollen bis 300 Kilogramm Pilze gezüchtet werden, auch der sog. Affenkopf, eine asiatische Variante mit dem französischen Namen "Pompomblanc", den die Meijers ganz besonders wegen seines Waldaromas mögen. Sie möchten ihren Kunden auch geimpfte Baumstämme anbieten, die man in den eigenen Garten stellen kann.

Die verbrauchten Substrate werden als Humus im eigenen Garten verwendet und dienen zukünftig als Heizmaterial für das Gewächshaus. Wer dem Paar auf Wochen- und Weihnachtsmärkten begegnet, kennt auch ihre leckeren Pilzrezepte. Die Kräuterseitlinge schmecken übrigens gut gewürzt vom Grill, als Salatzutat und vegetarische Pilzburger.
 
Weitere Infos unter Telefon 05437/ 947411.
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