Login
Familie

Frisch püriert wegschlürfen

von , am
05.11.2014

Wie ist der gesundheitliche Nutzen von grünen Smoothies einzuschätzen und worauf sollte man achten, wenn man sie zubereitet? Karin Nichter-Wolgast, Ernährungsfachfrau der LWK Niedersachsen, gibt Antworten.

Kräuter, Blattgrün und Gemüse mit Obst püriert - das sind "grüne Smoothies". © Dejan Lecic / fotolia

Sind grüne Smoothies einfach nur „in“ oder auch gesund?

Der Trend kommt - wie so vieles - aus den USA. Dort werden sie von den Reichen und Schönen angepriesen. Sie sollen für schöne Haut sorgen, das Altern hinauszögern und Krankheiten vorbeugen. Doch eins vorweg: Sie sind keine Wundermittel.

...aber im Gemüse steckt doch eine geballte Ladung gesunder Inhaltsstoffe, oder?

Klar, das ist ja auch allgemein bekannt. Aber ich sehe keinen besonderen Vorteil darin, „Grünzeug“ als Smoothie zu schlürfen, anstatt in Form eines Salates zu essen. Vorausgesetzt man kaut ihn sehr gründlich. Der Körper kann die wertvollen Stoffe besser aufnehmen, wenn ihre Zellen zerstört wurden.

Schlürfen geht aber schneller.

Ja, schon. Der Smoothie ist fix hergestellt und auch schneller konsumiert als ein Gemüsegericht oder ein Salat. Positiv ist sicherlich auch, dass durch grüne Smoothies der ein oder andere mehr Gemüse isst.

Na bitte.

Mein Kritikpunkt ist: Wo bleibt der Genuss? Ein Salat mit dünnen Scheiben einer Fenchelknolle, feinen Röllchen einer Lauchzwiebel, knackigen Salatblättern angemacht mit Kräuter-Vinaigrette, dazu duftendes Brot - so eine kleine Mahlzeit kann in Sachen „sinnliche Freuden“ jeden grünen Smoothie toppen, meine ich.

Aber ein Grüner Fertig-Smoothie zum Mittag ist doch besser als ein Burger, oder?

So einfach ist es nicht. Der Begriff "Smoothie" ist nicht geschützt. Daher gibt es im Supermarkt, was Zutaten und Rezeptur angeht, verschiedenste Produkte. Es gibt Smoothies, die überwiegend aus Saft hergestellt sind und andere hochwertige aus Fruchtstücken und/oder Fruchtmark zubereitet. Je höher der Saftanteil, desto geringer ist der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Also: Vorm Kauf eines Fertig-Smoothies sollte die Zutatenliste genau geprüft werden, beispielsweise auf Zucker und Aromastoffe.

Grüne Smoothies aus frischem saisonalen und regionalem Gemüse und Obst, gleich nach dem Mixen getrunken, sind reicher an wertvollen Inhaltsstoffen als gekaufte.


Also lieber selbst herstellen. Darf ich da jegliches "Grünzeug" reintun?

Nein, Vorsicht! Grüne Blätter wie Kopfsalat oder Spinat können neben den wertvollen Inhaltsstoffen reichlich Nitrat enthalten, vor allem im Winter. Deshalb sollten Sie die dicken Blattstiele und Blattrippen entfernen. Gemüse wie Rote Bete Sauerampfer oder Mangold enthalten Oxalsäure. Sie behindert die Aufnahme bestimmter Mineralstoffe im Körper. Diese Gemüse sollten nur in kleinen Mengen verwendet werden. Das gilt aus einem anderen Grund auch für Petersilie. Dieses Küchenkraut enthält ätherische Öle, die in großen Mengen ungesund sind. Und bestimmte Inhaltsstoffe im Gemüse sind fettlöslich, zum Beispiel Carotinoide. Sie brauchen etwas Fett - am besten hochwertiges Öl - damit der Körper sie aufnehmen kann.

Worauf muss ich noch achten?

Verwenden Sie nicht zu viele Obstsorten und Blattgemüse auf einmal. Nur so können die enthaltenen Nährstoffe gut verwertet werden. Achtung: Nehmen Sie kein stärkehaltiges Gemüse. Möhren, Kohlrabi, Blumenkohl, Erbsen, Zucchini, Mais, Rote Bete sind kohlenhydratreich und in Kombination mit Früchten nicht gut bekömmlich.

Und womit sollte ich als Einsteigerin anfangen?

Mit Blattsalaten, Porree, Kohl oder Chicorée. Das Gemüse gründlich waschen, mixen und mit Obst - ebenfalls gut gewaschen - verfeinern. Reifes Obst mildert den bitteren Geschmack des Gemüsepürees. Auch Honig und etwas Zitronensaft machen es wohlschmeckender. Wichtig: Den Drink frisch püriert wegschlürfen, denn viele Vitamine werden durch Licht und Sauerstoff zerstört. Oder löffeln. Gut eingespeichelt ist der grüne Smoothie besser verdaulich. Und achten Sie auf Hygiene; waschen Sie alle pflanzlichen Zutaten gut vorm Mixen.

Mein Tipp: Achten Sie bei der Gemüse- und Obstauswahl auf Abwechslung und Vielfalt, damit Ihr Körper die ganze Bandbreite an wertvollen Inhaltsstoffen aufnehmen kann.
 
Die Fragen stellte
Hilke Lehmann  
Auch interessant