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Hof- und Dorfleben

Früher Hauswirtschaft - jetzt Ikonen

von , am
06.11.2013

Wer hätte gedacht, dass in dem kleinen Dorf Eddelstorf, unweit von Bad Bevensen, eine Ikonen-Manufaktur zuhause ist. Auf einem Bauernhof malt Hauswirtschaftsleiterin Ursula Räke dort Ikonen.

Ursula Räke arbeitet an einer Jesus Christus Ikone. © Lange
Obwohl sie schon immer künstlerische Neigungen in sich spürte, gab sie dem Drängen ihrer Eltern nach und lernte etwas "Ordentliches". Sie heiratete einen Landwirt und zog zwei Kinder groß. Der Traum einer künstlerischen Laufbahn verflog aber nie.

Als 53-Jährige lernte sie 2006 in einer Kunstschule die Nonne und Ikonen-Malerin Nektarija  kennen. "Wir haben uns sofort verstanden. Es war, als ob wir uns gesucht und gefunden haben", ist Ursula Räke überzeugt. Die orthodoxe Nonne und Dipl.-Theologin erkannte schnell das Talent der Eddelstorferin und zog sogar für mehrere Monate auf den Hof Räke. "Wir haben oft gar nicht gemerkt, dass wir schon zwölf oder mehr Stunden gemalt haben, so intensiv war unsere Zusammenarbeit. Ikonen sind einfach faszinierend, wenn man sich damit intensiv beschäftigt", sagte Räke. Ihr Mann Heinrich hielt seiner Frau den Rücken frei, ihre künstlerische Ader auszuleben. "Dafür bin ich sehr dankbar", gesteht sie.

Das Erarbeiten einer Ikone ist sehr zeitaufwendig. Es beginnt mit der Suche nach einer möglichst guten und alten Vorlage. Das Auftragen des Blattgoldes bedarf einer Kunstfertigkeit, die lange geübt werden muss. Symbolisch steht das Gold für das göttliche Licht der Ikonen.

Von Schwester Nektarija lernte Ursula Räke auch die Eitemperamalerei, die noch heute typisch für die Ikonen ist. Für das Anmischen der Farben wird frisches Eigelb benutzt, das als Bindemittel für die Farbpigmente dient. Die Leuchtkraft der Ikonen entsteht aus sehr vielen dünnen Farbschichten. "Ikonen werden eigentlich nicht gemalt, sondern beschrieben. Das hat mit den Vorgaben und Vorlagen zu tun, die wir einhalten müssen", informiert Räke. Ihre Lehrmeisterin Schwester Nektarija ist 2011 verstorben. "Das war ein schwerer Schlag. Aber sie lebt in meinen Ikonen weiter", sagt Räke.

Die byzantinische Ikonographie, so wie Ursula Räke sie praktiziert, ist die älteste Technik der Ikonenmalerei. In der Regel wird Lindenholz mit einem besonderem Leim und Kreide in vielen Schichten präpariert. Danach erfolgt erst die Vergoldung. Die Motive sind streng vorgegeben. Vorlagen findet man bei überlieferten Ikonen, in Kirchen und in Fachbüchern.
 
"Jede orthodoxe Familie hat ihren eigenen Schutzheiligen, der an die nächste Generation weitergegeben wird", weiß Räke. Der Namenstag des Heiligen wird in den Familien mit einem Fest gefeiert. So ist zum Beispiel der Erzengel Michael der Schutzengel aller Deutschen und der Heilige Georg der Schutzpatron der Bauern. In den Ostkirchen sind Ikonen mehr nur als dekorative Bilder. "Sie sind fester Bestandteil der Liturgie", sagt Räke. Die christlichen Kirchen sind in letzter Zeit gegenüber Ikonen aufgeschlossener. So findet man Ikonen in zahlreichen evangelischen und katholischen Kirchen sowie in Privathaushalten.
Ursula Räke gibt ihr Wissen in Kursen und Fachvorträgen weiter. "Das Anfertigen von Ikonen ist Wellness für die Seele", ist Räke überzeugt. Wer mehr über die Ikonenmalerei wissen möchte, hat dazu am 14. und 15. Dezember 2013 jeweils von 14 bis 17 Uhr die Gelegenheit.
 
Dann können Interessierte nicht nur zahlreiche Ikonen bestaunen, sondern auch Ursula Räke in ihrer Byzantinischen Ikonen-Manufaktur über die Schultern schauen.
 
Infos unter: www.ikonenmanufaktur.de oder unter Tel. (05807) 245.
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