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Garten

Eine ganz besondere Pflanze

von , am
17.12.2013

Es ist ein kleines Naturwunder. In wenigen Stunden wird aus einer vertrockneten Gestrüppkugel eine samtgrüne Pflanze. Die Rose von Jericho oder Wüstenrose übt deshalb eine besondere Faszination aus.

Die Rose von Jericho (Selaginella lepidophylla) sieht beim Kauf völlig vertrocknet aus. © Stern
Die Rose von Jericho wird bereits in der Bibel erwähnt: Maria soll sie auf der Flucht nach Ägypten gesegnet und ihr ewiges Leben geschenkt haben. In  unserem Kulturkreis gilt sie als Glücksbringer.

In früheren Zeiten ließ man die Wüstenrose nur zu Ostern und an Weihnachten erblühen und vererbte sie als Kleinod an die nächste Generation weiter.  Es versteht sich von selbst, dass man dieser besonderen Pflanze heilkräftige Wirkungen zuschrieb. Ein Sud sollte Krämpfe lindern.

Die Rose von Jericho, bekannt auch als "Auferstehungspflanze" oder "Wüstenrose", stammt aus den Wüstengebieten des Nahen Ostens und Nordafrikas. Die einjährige, krautige Pflanze rollt sich nach der Samenbildung ein, löst ihre Wurzeln auf und lässt sich vom Wüstenwind weiterrollen. Botaniker bezeichnen diese Strategie zur Verbreitung der Samen als  "Chamaechorie".

Ein kräftiger Regenguss hilft

In der Natur keimen die Samen der Rose von Jericho nach einem kräftigen Regenguss, und dieser Vorgang lässt sich zu Hause nachahmen. Dazu gießt man handwarmes Wasser auf die trockene Kugel und stellt sie in eine Schale mit Wasser. Nach kurzer Zeit öffnet sich die Kugel, ihre Triebe entfalten sich und sie wird von der Mitte her grün.

Innerhalb weniger Stunden zeigt sich die Wüstenrose in voller Pracht und verbreitet einen würzig-frischen Duft im Raum. Wichtig: Die Pflanze sollte nicht länger als sieben bis acht Tage in der Wasserschale liegen blieben, sonst besteht die Gefahr der Schimmelbildung. Das Wasser sollte deshalb täglich gewechelt werden. Nach dem Blühen braucht die Rose eine Ruhepause an einem warmen, trockenen Ort, wo sie sich allmählich wieder in den vertrockneten, unscheinbaren Ball verwandelt. Zwei Wochen später darf sie erneut zum "Blühen" gebracht werden.

Ihre Wiederbelebung übersteht die Echte Rose von Jericho (Anastatica hierochuntica) meist nur einmal, alle weiteren Entfaltungen sind rein physikalische Vorgänge. Die Zellen saugen sich durch Kapillarkräfte voller Wasser und die hydrostatische Spannung sorgt für die Entfaltung der Pflanze, die jedoch nicht mehr assimilieren kann. Die erscheinenden grünen Blätter sind die jungen Keimlinge. Da bei jeder Wasserzufuhr immer nur ein Teil der Samen keimt, kann die Pflanze über Jahre hinweg immer wieder ergrünen.
Ebenfalls als Echte Rose von Jericho bezeichnet man Pallensis hierochuntica, die sich ihre Heimat mit der erstgenannten Art teilt. Ihre Blätter legen sich in getrocknetem Zustand über die nussförmigen Samen und geben diese bei Feuchtigkeit frei.

Die „Unechte“ stammt aus Amerika

Die dritte Rose im Bunde ist der Moosfarn Selaginella lepidophylla, der in den Wüsten im Südwesten der USA, Mexikos und El Salvadors beheimatet ist. Man bezeichnet den Moosfarn aufgrund seiner amerikanischen Herkunft auch als "Unechte Rose von Jericho". Die wechselfeuchte Pflanze (poikilohydre) lebt im Gegensatz zu den beiden anderen Arten tatsächlich.  Bei Trockenheit rollt sie sich ein, kommt über Monate ohne Wasser aus und treibt nach einem Regenguss innerhalb eines Tages wieder aus. Zu kaufen ist die Pfanze bei verschiedenen Anbietern im Internet.
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