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Familie

Gemeinsam anpacken

von , am
03.12.2013

Im Alter in den eigenen vier Wänden leben? Die Generationenhilfe "Hand in Hand im Bördeland" in Hohenhameln im Kreis Peine unterstützt diesen Wunsch. Vor einem Jahr ist das Projekt gestartet.

Dorflust - Dorffrust: Gemeinsam anpacken. © Gerstenkorn
 
Rampen für den Weg zur Haustür, barrierefreie Dusche, Zugänge zum Bad und mehr Platz - all das wird benötigt und all das wird Wolfgang Spiekermann in die Wege leiten.

Er steht im Hausflur einer älteren Dame, die ihn um Hilfe gebeten hat und macht sich Notizen. "Darum kümmere ich mich wirklich gern", sagt der 64-Jährige. Seit seiner Ausbildung zum Wohnberater ist er noch gefragter. Er ist bei dem Projekt „Hand in Hand im Bördeland“ Ansprechpartner für die "Hilfe in Haus und Hof". Insgesamt gibt es fünf Bereiche: Alltags- und Haushaltshilfen, Begleitdienste, Entlastung pflegender Angehöriger, Hilfen in Haus und Hof sowie sonstige Hilfen.

Wer dem Verein "Hand in Hand im Börderland" beigetreten ist, dem helfen die Ansprechpartner beim Finden und Vermitteln von Experten. Sie geben aber auch den Angehörigen Tipps und betreuen die einzelnen Projekte.

Nach seinem Einsatz kehrt Spiekermann zu einer kurzen Kaffeepause bei Wolfgang Schulze, dem Vorsitzenden des Vereins, ein. Noch laufen alle Anfragen über dessen Esszimmertisch. "Wir wollen für ältere und hilfebedürftige Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, die Möglichkeit schaffen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden selbstbestimmt leben zu können", fasst Schulze zusammen und schenkt Kaffee ein. Wie enorm wichtig die ehrenamtliche Arbeit des Vereins ist, erleben die Helfer und Bereichsleiter jeden Tag.

Das Konzept: Geben und Nehmen

Die Mitglieder können zum Beispiel Leistungen wie Alltagshilfen, Begleitdienste zum Arzt oder zu Behörden, die Entlastung pflegender Angehöriger oder auch Haustierbetreuung anbieten oder in Anspruch nehmen. Wer Hilfe annimmt, zahlt acht Euro pro Stunde. Davon gehen sechs Euro an den Helfer und zwei Euro an den Verein. Alternativ können Mitglieder die Leistungen, die sie erbracht haben, auf einem Treuhandkonto beim Verein ansparen und später selbst in Anspruch nehmen.

Der Jahresbeitrag für die Mitglieder beträgt 36 Euro pro Person, Paare zahlen 60 Euro. Altersbegrenzungen für Helfer gibt es nicht. Das jüngste Mitglied ist elf Jahre alt und "hilft", indem es beim regelmäßig angebotenen Kaffeeklatsch vorliest.

"Bedingung, um Hilfe in Anspruch nehmen zu können, ist, dass man Mitglied ist, und die Hilfebedürftigkeit muss gegeben sein", erläutert Schulze.  Das ist der Fall, wenn das Mitglied entweder älter als 75 Jahre ist oder eine Krankheit oder Behinderung vorliegt.

Die Telefonzentrale der Generationenhilfe vermittelt die Anfragen an fünf Tagen in der Woche an die jeweiligen Bereichsleiter, die wiederum ihre Helfer benachrichtigen. Etwa 30 aktive Helfer sind in den fünf Arbeitsbereichen im Einsatz. Beim ersten Treffen von Helfer und Hilfebedürftigem ist der Bereichsleiter dabei. "Wir haben rüstige Mitglieder, die älteren helfen. Zum Teil ist das die Generation, die dieses Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hat", sagt der Vorsitzende Schulze.

60 bis 70 Einsätze im Monat

Für ihn ist das Konzept auch deshalb so erfolgreich, weil es auf Geben und Nehmen beruht. "Für die meisten ist es wichtig, im Alter eine sinnvolle Tätigkeit zu haben. Viele unserer Mitglieder bitten nicht gern um Hilfe, finden es aber in Ordnung sie bei uns anzunehmen, weil sie entweder selbst welche anbieten oder sie bezahlen." Die enorme Entwicklung innerhalb eines Jahres hat jedoch auch ihn überrascht. Zwischen 60 und 70 Einsätze monatlich gibt es im Bereich Begleitdienste.

Diskussionen und Vorträge zum Thema Demenz und demografischer Wandel machten den Verein schnell auch über die Grenzen der Gemeinden Hohenhameln, Harsum, Algermissen und Sehnde hinaus bekannt. Längst ist der bürokratische Aufwand zu groß, als dass er von Schulzes Kaffeetisch aus geregelt werden könnte.
Um allen Menschen, Helfern und Hilfesuchenden einen Treffpunkt zu bieten, hat der Verein seit kurzem eine Begegnungsstätte in Hohenhameln angemietet, in der ab dem nächsten Jahr auch Sprechstunden und Treffen unterschiedlicher Art angeboten werden.

Inzwischen wird Mitgliedern auch bei der Suche nach einem geeigneten Pflegeplatz geholfen. So arbeitet der Verein mit Pflegestützpunkten, dem Roten Kreuz und Altenheimen zusammen. "Zum Beispiel hat ein Patient in Pflegestufe 0
keinen Anspruch auf die die Begleitung zum Arzt. Also werden wir hinzu geholt", sagt Schulze. Der Verein kümmert sich nicht nur um die Fahrt, sondern auch um die Betreuung vor Ort.
 
Heute schon an morgen denken

"Ich finde es wichtig, die Senioren wieder zurück in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu holen", beschreibt Spiekermann seine Motivation. "Der Mensch ist so mit dem hier und jetzt beschäftigt, dass er darüber, wie er im Alter leben möchte, häufig gar nicht nachdenkt. Dabei ist das so wichtig."
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