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NS-Geschichte

Hameln-Pyrmont: Der Bückeberg soll ein Gedenkort werden

Bueckeberg-Gedenkort
Werner Preugschat
am
22.03.2018

An dem einst für Reichserntedankfeste genutzten Bückeberg wird ein Dokumentationszentrum gebaut. Der Kreistag Hameln-Pyrmont stimmt zu. Doch es gibt Zwist.

Dass einmal auf dem unspektakulären Hang nahe Hagenohsen im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont über eine Million Menschen beim Reichserntedankfest ihrem Führer huldigten, ist heute kaum vorstellbar.

Nur noch ein paar unter Büschen versteckte Betonreste, einstmals Teile einer Rednertribüne, und ein mittig verlaufender Pfad, der sogenannte Führerweg, sowie ein perfekt planiertes Gelände erinnern an die Nazi-Massenveranstaltungen.

Ein paar Tage im Staatsbad Pyrmont logiert

Zwischen 1933 und 1937 fanden diese Veranstaltungen jeweils am Sonntag nach Michaelis (Anfang Oktober) statt. Sie dienten auch als Gegenstück zu den ebenfalls spektakulär inszenierten NSDAP-Parteitagen in Nürnberg.

Nicht nur die Landbevölkerung ließ sich aus Nah und Fern herankarren, sogar aus Ostpreußen. Auch, was in Reich und Partei Rang und Namen hatte, war vertreten und logierte ein paar Tage im Staatsbad Pyrmont.Je näher man dem bevorstehenden Krieg mit seinen über 55 Millionen Toten kam, desto mehr Militär präsentierte nahe der Weser auch wiedererlangte deutsche Stärke.

Hamelner Historiker bringt Projekt voran

Mehr als 50 Jahre lang gab es um den im Eigentum des Landes Niedersachsen stehenden Nordhang kaum Diskussionen. Er wird landwirtschaftlich von der Domäne Ohsen genutzt.

Erst eine vom Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom gegründete Gruppe brachte die Idee eines Dokumentations- und Lernortes auf den Weg. Erster Erfolg: Der Berg wurde 2010 unter Denkmalschutz gestellt.

Der 75-jährige ehemalige Gymnasiallehrer, der mit mehreren Buchveröffentlichungen Hamelns düstere Zeit beschrieb und nicht nur Freunde in der Rattenfängerstadt und ihrer Umgebung hat, glaubt nicht, dass das einst von Hitler-Architekt Albert Speer gestaltete Gelände zu einem Wallfahrtsort für Neonazis werden könnte.

Das befürchten vor allem Anlieger. Im Gegenteil: „Dafür ist das etwa 40 Fußballfelder große Gelände viel zu weitläufig.“ Und der Bückeberg stand auch bisher nicht auf der Agenda der Ewiggestrigen. Im Übrigen sei es das beste Mittel, unerwünschtem Besuch vorzubeugen, den Berg mit Informationstafeln zu „besetzen“.

Kritiker, auch aus der CDU, haben bereits 2.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Sie argumentieren unter anderem mit Folgekosten für den Landkreis und fürchten Massentourismus. Schon ist von einem norddeutschen Pendant zum stark frequentierten Besuchszentrum Obersalzberg bei Berchtesgaden die Rede.

Experten-Jury wählt Entwurf für Dokumentationszentrum aus

„Der Bückeberg war ein Ort, an dem ganz gezielt Ausgrenzung propagiert wurde – und es war vor unserer Haustür“, sagte dagegen Landrat Tjark Bartels. Aus Respekt vor den Opfern des NS-Terrors und allen Opfern des Zweiten Weltkriegs müsse am Bückeberg etwas geschehen, betonte der SPD-Politiker anlässlich der Kreistagssitzung.

Den Entwurf des Dokumentationszentrums hat eine Experten-Jury ausgewählt. Demnach soll auf dem Gelände ein geschwungener Grasweg mit acht Informationsinseln entstehen. Die Kosten sollen laut Gelderblom bei 450.000 Euro liegen.

Für die Hälfte lägen bereits Finanzierungszusagen von landesweiten Stiftungen vor. Träger soll eine gemeinnützige GmbH werden, an der neben dem Landkreis auch der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte beteiligt ist.

Deren Gründung stimmten die Kreistagsmitglieder von SPD, Grünen, Linken und FDP in der vergangenen Woche zu. Auf Anregung der Fraktion von FDP und den Unabhängigen (DU) soll ein Antrag auf Mitfinanzierung an die Bundesregierung gestellt werden. CDU und AfD votierten gegen den Entwurf.

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