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Hof- und Dorfleben

Die Heide im Galopp erleben

von , am
24.07.2013

Speisen im altehrwürdigen Gutshaus, Urlaub im beschaulichen Feriendorf und qualifizierter Reitunterricht auf Lehrpferden – auf dem Heidegut Eschede ist alles zusammen möglich.

Das Heidegut Eschede beherbergt ein Feriendorf und eine Reitsportanlage. Am Rande des Naturparks Südheide lässt es sich dort gut entspannen. © Sonntheimer
Wandern, Fahrrad fahren, Golfen, Tischtennis spielen oder einfach nur auf der Terrasse unter Bäumen oder vor den Volieren mit Pfauen, Hühnern und Fasanen entspannen, das "Beiprogramm" klingt auch für Nichtreiter interessant. Obwohl auf dem Heidegut Eschede das Reiten im Vordergrund steht, wird es auch anderen Gästen nicht langweilig.

Auf dem Gutsgelände im alten Gutspark gibt es ein Feriendorf mit zehn Ferienhäusern im skandinavischen Blockhausstil für zwei bis fünf Personen. Aus Bremen, Hannover, Kassel, Wuppertal, sogar aus dem weit entfernten München kommen die Reitgäste hierher und werden von Guts-Chefin Iris Schlottau-Blume bestens mit Brötchenservice für die Ferienhäuser oder auf Wunsch im Herrenhaus mit einem reichhaltigen Frühstück versorgt.
In die Wiege wurde ihr das Hauswirtschaftliche keineswegs gelegt. Sie studierte zunächst Gartenbau und entdeckte ihre Liebe zur Verbindung von gärtnerischem Gestalten und der Betreuung von Gästen in England in einem Herrenhaus.

"Sicherlich muss man eine fachliche Grundlage haben, doch die vielen Facetten des Gästebetriebs sieht man erst über die Jahre hinweg", erklärt sie und die Freude daran merkt man ihr beim Betriebsrundgang auch an.

Die Geschichte des Gutes lässt sich bis ins Jahr 1888 zurückverfolgen. In diesem Jahr kaufte ein Major aus Goslar von einem Escheder Bauern den Betrieb. 1916 wurde der Betrieb an einen Großschlachter verkauft, der im Wesentlichen die heutigen Gebäude errichtete. Von 1928 bis 1932 wurde das Gut vorübergehend von der Landwirtschaftskammer bewirtschaftet. Ab 1939 bis 1945 wohnten mehrere Flüchtlingsfamilien auf dem Gut.

Von 1955 bis 1970 bewirtschaftete es wieder ein Pächter, bevor Familie Blume schließlich das Gut kaufte. Mit großem Aufwand wurden die Felder saniert und die Gebäude nach und nach modernisiert.

1974 begannen Schlottau-Blumes, Gästezimmer einzurichten und Feriengäste zu beherbergen. 1976 übernahmen Klaus-Dieter Schlottau und seine Frau Iris Schlottau-Blume das Gut. Sie ließen sich bei der DLG für Urlaub auf dem Bauernhof anerkennen.

Rundum-Service für Pferd und Reiter

Die Ferienhäuser haben heute mittlerweile überwiegend drei Sterne. Die Reitanlage umfasst 60 Pferdeboxen, jeweils zu einem Drittel für eigene Pferde und Lehrpferde, Gastpferde sowie Pensionspferde. Zum Reiten stehen zwei Reithallen, zwei Außenreitplätze, ein Longier- und ein Springplatz sowie eine acht Kilometer lange, hofeigene Geländestrecke mit Naturhindernissen zur Verfügung.

"Service wird bei uns großgeschrieben“, erklärt Sohn Claus-Christian Schlottau. „Zum Vollservice mit dreimaligen Füttern und täglichen Misten gehört außerdem, dass wir die Pferde täglich auf den Paddock, die Weide oder in die Führanlage bringen, ihnen Gamaschen anlegen oder sie auf Turnieren vorstellen."

Für diesen Betriebsbereich ist seine Schwester Marie-Louise zuständig. Marie-Louise Schlottau ist Pferdewirtschaftsmeisterin mit Schwerpunkt Reitausbildung. Sie unterrichtet die Gäste auf deren eigenen Pferden oder Lehrpferden des Heideguts individuell in kleinen Gruppen oder im Einzelunterricht. Für erfahrene Reiter bietet sie geführte Ausritte an.
"Ich lege Wert auf eine vielseitige und solide Ausbildung nach den Grundsätzen der klassischen Reiterei", erklärt sie, "dabei muss das Lehrprogramm immer abwechslungsreich bleiben." Mehrmals im Jahr bietet sie in der Vier-Sterne-Reitschule der deutschen Reiterlichen Vereinigung FN Lehrgänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten für Einsteiger, ambitionierte Freizeitreiter oder leistungsorientierte Turnierreiter an.

Allein reisende Kinder sind willkommen

Kinder und Erwachsene sind auf dem Heidegut Eschede gleichermaßen willkommen. Beliebt sind zum Beispiel die Reiterferien für Mädchen von zehn bis 18 Jahren. Jedes Mädchen - manchmal sind auch Jungs dabei - hat in dieser Woche sein eigenes Pflegepferd, um das es sich kümmert, auf dem es Reitstunden bekommt und mit dem es einen großen Teil seiner Freizeit verbringt.

Die Kinder wohnen in gemütlichen Ein- bis Vierbettzimmern des Feriendorfes und werden von der Gutsleiterin Iris Schlottau-Blume in Vollpension versorgt. Bei entsprechendem Leistungsstand können die Jugendlichen auch die Prüfungen zum Kleinen oder Großen Hufeisen, Basispass, Reitpass, Deutsches Reitabzeichen, Longierabzeichen oder Geländereitabzeichen ablegen. Dazu kommt künftig das Angebot, Trainerlizenzen zu erwerben.

Ein so vielseitiges Programm lässt sich natürlich nicht alleine stemmen. Neben der Unternehmerfamilie Schlottau-Blume helfen zwei ausgelernte und zwei angehende Bereiterinnen, ein Stallhelfer und eine Aushilfe im Stall und bei der Pflege des Gutsgeländes. Klaus-Dieter Schlottau kümmert sich um den landwirtschaftlichen Bereich mit den Außenanlagen; Iris Schlottau-Blume ist für die Organisation und das leibliche Wohl der Gäste verantwortlich. Eine weitere Mitarbeiterin hilft im Feriendorf und in der Küche.
"Wir müssen flexibel im Angebot sein", erzählt Iris Schlottau-Blume, "es ist heute längst nicht mehr so, dass es nur eine Hauptsaison im Sommer gibt." Auch Ostern, der Herbst in der Heide oder die Lehrgänge im Winter seien inzwischen besucherstarke Zeiten. Viele Reit-
urlauber bleiben im Kurzurlaub, etwa über ein verlängertes Wochenende, die Lehrgänge dauern auch mal ein bis zwei Wochen.

Zur Pferdehaltung gehört natürlich auch die Futterbereitstellung. 200 ha land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche umfasst das Gut. Die Hälfte davon ist an einen Landwirt verpachtet, der wiederum für den Strohnachschub der Pferde sorgt. Die restliche Fläche besteht aus Weide, Wald und Teichen erklärt Iris Schlottau Blume. Ein Teil des Heu- und Heulagebedarfs wird heute noch auf den eigenen Flächen erzeugt, einige Maschinen noch vorgehalten, doch einen Großteil davon erledigen benachbarte Landwirte über den Maschinenring oder der Lohnunternehmer. Hafer und Pellets werden komplett zugekauft.
"Wir haben 30 Jahre lang die Landwirtschaft selber betrieben und auch zehn Jahre ein Restaurant geführt", erzählt Iris Schlottau-Blume, "doch die Zeiten ändern sich und man muss auch mal etwas abgeben." Die Vielseitigkeit behalten, um den Betrieb stabil am Laufen zu halten, sich gleichzeitig aber auf seine Stärken zu konzentrieren, unter diesem Motto wird das Heidegut Eschede sicherlich auch in den nächsten Jahren geführt werden und zufriedene Gäste haben.
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