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Familie

Die Herren führen "Dieselgespräche"

von , am
31.07.2013

Ist ein Traktor im Innenhof eines Seniorenheims ungewöhnlich? Für die meisten Bewohner des Niels Stensen Pflegezentrums in Ankum nicht. Rund 80 Prozent von ihnen kommen aus der Landwirtschaft und haben jahrelang mit Traktoren zu tun gehabt.

Der Trecker im Niels Stensen Pflegezentrum in Ankum ist ein echter Blickfang und steht immer wieder im Mittelpunkt der Gespräche. © meier
Für die Frauen waren im Innenhof des Heims Beete mit Obst und Gemüse angelegt worden, die bei ihnen landwirtschaftliche Erinnerungen wachrütteln sollten. "Wir brauchten aber auch etwas, das die Männer anspricht", sagt Pflegedienstleiter Axel Spieker. Und so sei vor einigen Jahren die Idee geboren worden, einen Trecker zu beschaffen, damit die älteren Herren "Dieselgespräche" führen können.

Es wurde nach einer passenden Zugmaschine gesucht - und in Stemwede Niedermehnen gefunden: Ein Hatz TL 10 von 1958, zwölf PS und fast sieben Meter lang. In einer aufwändigen Aktion wurde er aus dem mehr als 50 Kilometer entfernten Herkunftsort nach Ankum gebracht.

Damals schauten die Patienten, Besucher und Mitarbeiter des benachbarten Marienhospitals sehr verwundert, als ihr Pflegedirektor Hubert Riese zusammen mit Axel Spieker und Hausmeister Reinhold Wehberg sowie weiteren Kollegen aus der Geschäftsführung und Haustechnik mit einem alten Traktor zum Hackmanns Boll fuhren.
"Was habt ihr denn damit vor? Müssen die Bewohner im Pflegezentrum demnächst den Innenhof pflügen?" - so lauteten die Fragen, denen sich der Verantwortlichen stellen mussten, als sie den Traktor in den Innenhof des Pflegezentrums rangierten. Finanziert werden konnte der Hatz TL 10  durch Spendengelder, für die sich das Heim bei der Familie Kessen-Albers und dem Musikverein Nortup bedankte.
Erinnerungen über Reize wecken

Beim großen Frühlingsfest mit dem Motto "Der Hatz ist los" hatte der Trecker seinen Probelauf. Reinhold Wehberg, der damalige Haustechniker des Marienhospitals und des Pflegezentrums, startete den Trecker und zeigte, dass die alte Technik noch gut funktioniert. Die Reaktivierung des Treckers gelang. "Die Einsatzmöglichkeiten im Innenhof sind natürlich beschränkt", erklärt Axel Spieker. Aber der Trecker stehe hier aus einem anderen Grund. Er soll ganz einfach die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich ziehen, Beachtung finden, zu Gesprächen anregen und nicht zuletzt bei den Bewohnern des Hauses die Erinnerung an früher wach halten.

Denn ältere Menschen verlieren häufig das Interesse an den alltäglichen Dingen, weil ihnen Anregungen dazu fehlten. "Unseren großzügigen Innenhof haben wir deshalb mit vielen Themen gestaltet, von denen sich die Bewohner, besonders auch Demenzkranke, angesprochen fühlen", erläuterte er: "Wir regen die Erinnerungen über verschiedene Reize an."

Und das funktioniert sehr gut. Der Trecker ist ein echter Blickfang und steht immer wieder im Mittelpunkt. Das technische Gerät passt auch thematisch gut in den Innenhof. Denn die Beete sind mit Gewürzen, Gemüse, Obstbäumen und -sträuchern bepflanzt, die auch in Bauerngärten nicht fehlen.

Liebgewonnenes im Pflegezentrum

Aber es gibt noch andere heimische Objekte. So haben die Bewohner Frieda und Rudolf von der Heide aus Berge eine alte Holzwindmühle mitgebracht, die nun das Ambiente des Innenhofs bereichert. Beide hatten die Windmühle so lieb gewonnen, dass sie sie auch im Pflegezentrum nicht missen wollten. Und so können sich nun nicht nur die beiden daran erfreuen, sondern auch ihre vielen Mitbewohner und die Angehörigen.
Traktorfreunde für Wartung gesucht

Der Innenhof mit seiner landwirtschaftlich geprägten Gestaltung wird mit viel Einsatz gepflegt. Aber so ein alter Trecker hat eben doch seine technischen Finessen und so sucht das Pflegezentrum Menschen, die sich mit Traktoren auskennen und den Hatz regelmäßig warten und überprüfen können. Interessierte können sich direkt bei Axel Spieker melden.
Daniel Meier

Das Niels Stensen Pflegezentrum ist im Jahr 2008 gebaut worden, es umfasst 44 Bewohnerplätze. Die Bewohner leben in kleinen Wohngruppen mit einer gemeinsamen Wohnküche. Zusätzlich befinden sich im Erdgeschoss ein großer Mehrzweckraum, der für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann, sowie ein Wohlfühlbad zum Entspannen.

Kontakt: Axel Spieker, Tel. 05462-881-8000, Fax.: -8005, E-Mail: info@pflegezentrum-ankum.de
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