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Hof- und Dorfleben

Zur Hochzeit gab es einen Rosenstock

von , am
24.06.2014

Schätzungsweise 40.000 Rosensorten gibt es weltweit. Und 2.000 von ihnen hat Karin Schade in Reinhausen (Landkreis Göttingen) für ihren privaten Rosenpark zusammengetragen.

Wunderbar idyllisch: Der Rosenpark Reinhausen bei Göttingen ist einer der größten privaten Rosenparks Deutschlands. © landpixel

Am Ufer des Wendebaches nahe der Domäne Reinhausen hat Karin Schade ein Grundstück gepachtet. "Im Garten war einfach kein Platz mehr", sagt die 48-jährige Sprachwissenschaftlerin. Aus einem Hektar Pferdeweide hat sie innerhalb von elf Jahren einen schmucken Rosenpark geformt, in mehreren Rabatten stehen systematisch geordnet die unterschiedlichen Rosentypen.

Der Rosenpark Reinhausen soll Arche sein für längst vergessene, nicht mehr im Handel erhältliche Rosensorten. Außerdem dient er wissenschaftlichen Zwecken: So besteht ein Kooperationsvertrag mit dem Rosarium Sangerhausen, in dem vereinbart wurde, dass in Reinhausen für das Rosarium die so genannten Galicia- und Albarosen angepflanzt werden. So soll überprüft werden, ob lokale Rosensorten den bekannten Albarosen ähneln. Gleichzeitig sollen die Pflanzungen in Reinhausen als "Sicherheitsduplikate" auch dafür sorgen, dass die Sorte erhalten bleibt, wenn die Rosenstöcke in Sangerhausen beispielsweise von Krankheiten heimgesucht werden.

Viele alte Rosen sind im Schaugarten zu finden. Etliche davon sind Fundrosen, Schätze, die sich in alten Gärten, aufgelassenen Dörfern oder alten Friedhöfen fanden: "Eine wunderbar duftende Rose habe ich in Ballenhausen gefunden, der Name ist unbekannt." Leute aus den Nachbardörfern brachten ihr wurzelechte Ableger, häufig verbunden mit einer Geschichte: "Früher war es üblich, dass Frauen, wenn sie auf einen anderen Hof heirateten, einen Rosenstock von ihrem elterlichen Hof mitbrachten - quasi, um Wurzeln zu schlagen." So seien viele alte Rosensorten verbreitet worden.

Über 300 Fundrosen stehen im Park. Teilweise harren sie noch auf die Entdeckung ihres alten Namens oder auf die Erkenntnis, dass diese Rose einzigartig ist, in keiner Sammlung mehr vorhanden und in keinem Versandkatalog mehr angeboten wird. "Fundrosen kommen inzwischen aus aller Welt. Ob aus den USA, aus Tibet oder Finnland: Über das Internet erfahren viele Rosenfreunde von dem Reinhäuser Projekt und erhoffen sich eine Bestimmung ihrer Funde", erklärt Schade.

Auch andere alte Rosenklassen sind vertreten, wie etwa die Damaszenerrosen, aus denen meist das Rosenöl gewonnen wird oder Gallicas, deren bekannteste Vertreterin die Apothekerrose und ihr gestreifter Abkömmling, die Rosa Mundi, sind. Die Albarosen haben es Schade besonders angetan. "Vor 200 Jahren waren noch 250 Sorten bekannt, heute gibt es nur noch 18 im Handel. Viele sind verschollen, ein Verlust von Kulturgut." Sie hat über 200 von ihnen wieder zusammengetragen und damit die weltgrößte Albarosensammlung.

Schade schätzt die alten Rosen, besonders die so genannten Kohlrosen: "Sie sind nicht so anfällig, sie kommen mit sich selbst gut zurecht und erneuern sich. Einige Sorten haben 200 Jahre in und an Hausruinen überlebt - das schafft keine moderne Rosensorte."

Natürlich gibt es in Reinhausen auch sehr viele moderne Rosen - viele Romantikrosen wie die sogenannten "Englischen Rosen" oder die Teehybriden, die meist als "Edelrosen" bekannt sind. Im Rosenpark stehen viele Raritäten: Rosen in ungewöhnlichen Farben und Formen, etwa eine umfangreiche Sammlung von sogenannten "blauen" Rosen. Ebenfalls viele neue ungewöhnliche Rosen, die von Hobbyzüchtern gezüchtet wurden. Auch brandneue interessante Züchtungen aus den USA und Finnland können im Rosenpark Reinhausen bestaunt werden.

Derzeit erstrahlt die Hauptblüte der historischen und der modernen Rosen. Auch danach bleibt der Park interessant: Die Blüte der Taglilien im neuen Hemerocallis-Garten schließt an und viele Stauden blühen mit den modernen Rosen um die Wette. Mit einem großen Astern-Höhepunkt im Herbst endet dann die Pracht.
 
Das Wichtigste in aller Kürze

Öffnungszeiten Rosenpark Reinhausen, 37130 Reinhausen, Rosental (Ausfahrtsstraße nach Stockhausen/Ballenhausen). 1. Mai bis 15. Oktober, freitags 14 - 17.30 Uhr, im Juni und Juli zusätzlich Mi, Fr, Sa 14 - 17.30 Uhr sowie nach Vereinbarung. Eintritt frei, Führungen sind nach Absprache per mail an mail@stauden-und-rosen.de möglich. Einen Überblick über den Rosenpark verschafft die Internetseite www.stauden-und-rosen.de.
 
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