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Hof- und Dorfleben

Die Hofkäserei stützt den Betrieb

von , am
09.04.2013

Christa und Wilhelm Jacob in Berglage am Dümmer bewirtschaften ihren Milchviehbetrieb, eine Hühnerfreilandhaltung und eine Biogasanlage. Seit einigen Jahren stellen sie auch Käse her.

Im Hofladen bieten Christa und Wilhelm Jacob nur Produkte aus eigener Herstellung an. © Bischof

Die Düversbrucher Straße zieht sich Kilometer lang in gerader Linie vom Dümmer See Richtung Wagenfeld. Das Hofschild der Käserei Jacob ist weithin sichtbar. So finden auch Neukunden leicht den Weg zum Hofladen in Berglage, wo ausschließlich Produkte aus eigener Herstellung angeboten werden.
 
Vielseitig war der Betrieb von Christa und Wilhelm Jacob schon immer. Doch was im Kleinen begann, wurde mit den Jahren immer mehr ausgebaut. Heute umfasst die Landwirtschaft eine Milchviehhaltung mit 80 Kühen und Jungvieh, die Hühnerfreilandhaltung und eine Biogasanlage. "Wir haben alle Betriebszweige ein wenig vergrößert", erklärt der Landwirt.

1991 nahm die Direktvermarktung auf dem Hof ihren Anfang. Die Lebensmittelläden in der Umgebung wurden mit Eiern aus der eigenen Hühnerhaltung beliefert. "Dann haben wir uns überlegt: wenn wir schon mit den Eiern fahren, können wir noch ein weiteres Erzeugnis mitnehmen", erzählt Jacob. So entstand die Idee, aus der hofeigenen Milch Käse herzustellen. Im gleichen Jahr wurde in der Samtgemeinde der erste Wochenmarkt eröffnet. Das bot den künftigen Käsehandwerkern neue Möglichkeiten. "Wir waren zwar noch in den Vorbereitungen, doch wir konnten den Markt schon bedienen", erläutert der 62-Jährige.
Anfangs wurde die Ware mit einem Verkaufsanhänger transportiert. Doch der wurde bald durch einen Verkaufswagen ersetzt. Denn die Anzahl der Marktbeschickungen erweiterte sich. "Wenn man schon produziert, dann versucht man auch, auf andere Märkte zu kommen", sagt Jacob. Heute findet man die Produkte aus der Hofkäserei an acht verschiedenen Plätzen. Zum Verkauf angeboten werden bis zu 30 verschiedene Käsesorten, Quark, Joghurt und Butter. Hinzu kommen Nudeln und Eierlikör aus eigener Herstellung.
Ob für die Verarbeitung der Hofeigenen Milch eine Ausbildung erforderlich ist, hängt ab von der Milchmenge. "Bei kleineren Mengen kann man es sich selbst aneignen", erklärt Jacob. Für größere Mengen sei eine Ausbildung zum Molkereifachmann erforderlich. Er selbst belegte Lehrgänge im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Risweck im Rheinland. Der Lehranstalt ist eine Hofkäserei angeschlossen.

Zwanzig Prozent der gewonnenen Milch werden zu Käse- und Milchprodukten verarbeitet. Dabei verändern sich Geschmack und Konsistenz immer wieder. "Die Milch ist individuell", sagt Jacob. "Je nachdem wie das Futter ausfällt oder die Temperatur. So schmeckt der Käse im Winter anders als im Sommer".

Christa und Wilhelm Jacob verwenden für die Herstellung der Käse immer die gleichen Grundzutaten: pasteurisierte Milch, Lab und Salz aus dem Salzbad. Das Lab liefert Enzyme, damit sich Gallerte bildet. So lässt sich der Käse schneiden und die Molke tritt aus. Es bildet sich der Käsebruch. Durch weiteres Rühren wird mehr Molke ausgeschieden. Auf diese Weise entstehen aus zehn Litern Milch ein Kilogramm Käse.

Nach 24 bis 36 Stunden Verweildauer im Salzbad beginnt die Käsepflege. In der Hofkäserei Jacob wird für die Konservierung der Oberfläche kein Natamycin (E 235) verwendet. "Der Käse wird nur mit Rotschmiere gepflegt und alle paar Tage mit dieser Kultur gewischt. Dadurch entsteht Naturrinde", erklärt Christa Jacob. "Auf den Wochenmärkten fragen die Kunden danach".

Für die 59-Jährige ist der Kontakt zum Verbraucher ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Und sie betont: "Wir betreiben ganz viel Aufklärungsarbeit. Dass der Hofkäse nach Tilsiter Art nicht immer gleich schmeckt, das akzeptieren die Kunden dann auch." Es sei auch für sie eine schöne Erfahrung, wenn der Käufer mit einem positiven Geschmackserlebnis zurückkomme.

Verkauf und Käserei sind arbeitsintensiv. Deshalb wurden zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt: Zwei Frauen arbeiten im Verkauf mit und drei in der Käserei. Neben Hofladen und Wochenmärkten sieht Wilhelm Jacob einen weiteren Weg der Vermarktung in der Nutzung des Internets. Ein Online-Shop sei eine Perspektive. Das wäre eine Aufgabe für den jüngsten Sohn Wilhelm, der zurzeit eine Ausbildung zum Landwirt absolviert und den Hof übernehmen wird. Im Internet unter www.hofkaeserei-jacob ist der Hof mit seinen Angeboten aber schon jetzt zu finden.
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