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Hof- und Dorfleben

Hofreport: Federpicken kein Thema

von , am
25.11.2014

Salzdahlum - Ein LKW mit 1.700 Junghennen erreicht die Domäne Salzdahlum bei Braunschweig. Auf dem Verbundbetrieb wird eingestallt. Betriebsleiter Johannes Weber berichtet über seine Herde.

Johannes Weber, Betriebsleiter der Domäne Salzdahlum, wartet vor einem seiner drei Mobilställe - mit dem Handy am Ohr im Gespräch mit seinem Mitarbeiter. Gleich wird der LKW vom Geflügellieferanten vorfahren - mit 1.700 gackernden Junghennen der Rasse Tetra und 40 Hähnen. Heute wird eingestallt.
 
Insgesamt halten die Webers in ihrem Verbundbetrieb in Salzdahlum bei Braunschweig 4.800 Legehennen in drei Mobilställen mit Kotgrubensystem. Auf drei Hektar Auslauffläche finden die Hennen ausreichend Beschäftigung. Die Eier vermarktet der Betrieb zu 60 Prozent über den Einzelhandel in der Region. Der Rest wird im Hofladen verkauft. Zur Domäne gehören außerdem 420 ha Fläche sowie Erdbeeranbau- und -direktvermarktung auf 10 Hektar.

Rasse Tetra bevorzugt

Der LKW vom Geflügelhof fährt jetzt vor. Bald werden die ersten Transportkäfige in den freien Mobilstall geschoben. Vor 10 Tagen war der vorherige Durchgang ausgestallt, der Stall über der Mistmatte umgezogen, mit Hochdruck gereinigt und schließlich desinfiziert worden.

Johannes Weber greift in einen der Transportkäfige, holt ein Huhn heraus und setzt es auf eine Sitzstange. Während er weitere Tiere einstallt, erzählt der Landwirt, warum er sich für die braune Rasse Tetra entschieden hat: "Die Tiere haben zwar eine etwas niedrigere Legeleistung. Aber sie legen mehr L-Eier als andere Rassen. Das ist natürlich gut für unsere Direktvermarktung." Außerdem sind sie schwerer als andere Rassen, ein wichtiger Vorteil, denn nach 15 Monaten verkauft der Landwirt sie als Suppenhühner.
 
Hennen kennen Menschen
 
Johannes Weber schaut sich im Stall um. Die ersten 100 Tiere haben sich bereits auf den Stangen niedergelassen oder fressen. Der Landwirt bezieht die Junghennen von einem mittelständischen Aufzuchtbetrieb. "Die Tiere wachsen dort mit direktem Bezug zum Menschen auf und sind deshalb bereits gut an uns gewöhnt. Das ist bei der Arbeit mit ihnen sehr von Vorteil." Der Aufzuchtbetrieb produziert 150.000 bis 180.000 Junghennen im Jahr. Sie werden in geschlossenen Ställen mit mehreren Ebenen aufgezogen. So lernen die Hennen für ihr zukünftiges Leben in Volieren oder Mobilställen von Anfang an zu klettern und zu fliegen.
 
Kein Kannibalismus
 
Weber findet es erstaunlich, wie schnell sich die Tiere nach dem Umstallen wieder beruhigen: "Tetra ist sowieso eine sehr ruhige Rasse. Das kommt uns zugute, denn Kannibalismus gibt es in unserer Herde nicht. Bei uns scheuern sich die Hühner eher mal ein paar Federn irgendwo ab, als dass sie sich diese gegenseitig auszupfen." Trotzdem stallt er mit einer 5 bis 10 Prozent geringeren Besatzdichte als erlaubt ein. Eigentlich sind die drei Mobilställe für je 1.816 Tiere ausgelegt.
 
"Solange die Hühner untereinander keine Aggressionen haben, sollte es auch mit Licht keine Probleme geben." In den Mobilställen der Domäne haben die Tiere viel Licht und die Rasse Tetra kommt damit gut zurecht. An der Decke leuchten, gleichmäßig verteilt, Leuchtstoffröhren. Entlang der Seitenwände der Mobilställe verlaufen breite Lichtbänder, durch die Tageslicht einfällt. Entscheidend sei es aber auch, dass man den Tieren ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten biete. "Bei uns finden sie die im Kaltscharraum mit Stroh und Hackschnitzel sowie im Freilandauslauf."
 
Kupierverbot mit Bedenken
 
Johannes Weber hat dennoch Bedenken vor dem Verbot des Schnabelkürzens ab 2017. Die Tiere würden sich mit ihren spitzen Schnäbeln eher verletzten: "Das kann schon bei der täglichen Gefiederpflege geschehen." Häufigere E. coli-Infektionen könnten die Folge sein. "Ein vernünftig gestutztes Huhn leidet meines Erachtens nicht unter dem Kürzen des Schnabels", unterstreicht Johannes Weber. Das geschehe ausschließlich vorne im Hornbereich. Entscheidend sei es, dass die Kürzung von einem Fachmann vorgenommen werde, der sich genug Zeit dafür nehme: "Ich zahle für das Stutzen gerne etwas mehr. Es soll aber vernünftig gemacht werden."
 
Impfen stallspezifisch
 
Für das Einstallungsprotokoll wird das Gewicht der 18 Wochen alten Junghennen bei der Lieferung von einer Tierärztin stichprobenartig kontrolliert. Außerdem nimmt sie Blutproben, um den Impfstatus zu überprüfen. Zusätzlich zum Standardimpfprogramm haben die Hühner eine Salmonellen- und eine E. coli-Impfung per Nadel bekommen: "Bei unserer Herde ist jetzt das erste Mal eine leichte E. coli-Infektion aufgetreten. Auslöser war ein stallspezifischer Stamm." So war es nötig, dafür einen Impfstoff herstellen zu lassen.
 
Bereits im Aufzuchtbetrieb werden die Junghennen auf das Umstallen vorbereitet. Eineinhalb Wochen vorher wird Vorlegemehl gefüttert. Das hat einen höheren Calciumgehalt. Damit legen die Hennen Kalkdepots für die Legeperiode an. Außerdem erhöht sich die Knochenfestigkeit der Tiere. Dieses Vorlegemehl bekommen die Hühner auch an ihren ersten Tagen auf der Domäne Salzdahlum. "Eine Futterumstellung wäre für die Tiere zusätzlicher Stress. Deshalb bieten wir für eine bessere Eingewöhnung das Futter des Züchters an."
 
Erste Eier nach zehn Tagen
 
In den nächsten Tagen wird der Aktionsbereich der Legehennen nach und nach erweitert. Zunächst bleiben sie einen Tag lang im Futter-, Tränke- und Legebereich. Dann wird der Kaltscharraum geöffnet. Nach 10 bis 14 Tagen legen die Hühner die ersten Eier, dann dürfen sie auch in den Auslauf unter freiem Himmel.
 
 
Im Mai waren wir zum ersten Mal auf der Domäne Salzdahlum. Wir haben Johannes Weber bei der Bestandkontrolle auf den Acker begleitet und in seine Legehennen-Mobilställe. Klicken Sie in den Film zu unserem ersten Besuch vor Ort ...
 
Im Juni haben wir aus den Erdbeerfeldern berichtet und uns unter eine Gruppe Landfrauen gemischt, die die Legehennen des Betriebes kennenlernen möchten. Klicken Sie hier in unseren Bericht...

Im Juli haben wir nach den Ergebnissen der Gerste- und Rapsernte gefragt. Lesen Sie hier, was Betriebsleiter Johannes Weber eingefahren hat...

Anfang Oktober waren wir dabei, als auf der Domäne Salzdahlum der Weizen gedrillt wurde. Klicken Sie hier zum Film...

 
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