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Hof- und Dorfleben

Hofreport: Gerste ertragreich, Raps verhagelt

von , am
24.07.2014

Salzdahlum - Auf der Domäne Salzdahlum bei Braunschweig ist die Gersten- und Rapsernte in vollem Gange. Wir haben uns mit in den Mähdrescher gesetzt.

Wir treffen Betriebsleiter Johannes Weber bei der Gerste. Er füllt gerade eine Kornprobe ab, um auf dem Hof die Feuchtigkeit des Getreides zu bestimmen. Anhand des Ergebnisses weiß er, ob er mit dem Dreschen beginnen kann. Auf dem 420 Hektar-Betrieb läuft die Ernte der 65 Hektar Gerste bereits seit zehn Tagen. Wetterbedingt gab es kurze Unterbrechungen.
 
Dreschen in Gemeinschaft
 
An diesem sonnigen Tag fährt Andreas Faber, fester Mitarbeiter auf der Domäne, den Mähdrescher. Er holt die letzten fünf Hektar vom Feld. Der Drescher ist eine Leihmaschine, die auf der Domäne über eine Druschgemeinschaft mit zwei anderen Landwirten genutzt wird. 10,50 m breit ist das Schneidwerk, 40 bis 60 Tonnen Gerste drischt es in der Stunde, bei einer Stoppelhöhe von etwa 20 cm. Die automatische Lenkung hält das Fahrzeug per GPS auf Kurs.
 
Jetzt zur Ernte ist die Feuchtigkeit im Boden von Nachteil: "Für den Mähdrescher ist das nicht das Problem. Der hat ein Bandlaufwerk. Es sind die voll beladenen Anhänger auf dem Feld, die die Bodenstruktur angreifen." Wenn möglich, werden die LKW am Feldrand befüllt.
 
Logistik zählt
 
"Die eigentliche Herausforderung beim Dreschen ist die Logistik hinter dem Mähdrescher", betont Johannes Weber. "Wir fahren meist einen Teil zum Händler. Da sind wir mit drei Zügen unterwegs." Den anderen Teil bringen sie in die eigenen Anlagen. Auf dem Hof gibt es zwei Getreideannahmen und zwei Trocknungen. "Und wenn wir damit nicht hinter der Leistung des Dreschers herkommen, dann weichen wir noch auf unser Flachlager aus."

Verluste prüfen

Die Verluste hat Johannes Weber genau im Blick. Regelmäßig überprüft er hinter dem Mähdrescher durch Pusten auf die Bodenoberfläche, wieviele Körner auf den Boden fallen und nicht im Drescher landen. "Alle zwei bis drei Tage nutze ich aber auch eine Auffangschale, damit ich mich nicht nur auf mein Bauchgefühl verlasse", erzählt der Landwirt.

Nur ein ausgeschlafener Mähdrescherfahrer bringt auch die notwendige Leistung. Deshalb wird der Fahrer regelmäßig gewechselt. "Wir haben insgesamt drei Fahrer und teilen zwei davon für einen Tag ein, damit sie ausgeruht ans Werk gehen und den Mähdrescher auch an dessen Leistungsgrenze nutzen können."

Später vermarkten
 
Über das Ergebnis der Gerstenernte ist Johannes Weber sehr erfreut: "Wir kommen auf zehn Tonnen pro Hektar, ein guter Ertrag!" Für die Kultur hat er bisher noch keine Vorverträge abgeschlossen. "Beim Weizen haben wir das zu einem Viertel schon getan. Im Frühjahr stand ich bei der Gerste immer einmal wieder kurz vor dem Verkauf. Aber der Preis ging dann relativ stark herunter." Deshalb lagert der junge Landwirt die komplette Gerstenernte in diesem Jahr erst einmal ein. Die Vermarktung will er auf den Herbst und den Winter verschieben.

Pech mit dem Raps

Später fahren wir noch zu einem Rapsschlag. Auch hier steht die Ernte an. Der Mähdrescher wurde auf dem Hof zwischenzeitig umgebaut, um den Tisch zu verbreitern und die Seitenmesser zu installieren. Beim Raps hat Johannes Weber in diesem Jahr Pech gehabt: Ein Hagelschauer hat den Bestand auf acht Hektar zu 95 Prozent geschädigt. Der Boden unter den Pflanzen ist schwarz vor lauter Rapskorn, die Hülsen leuchten hell in der Sonne. "Wir fahren hier mit dem Mähdrescher zwar noch durch. Aber nach viereinhalb Hektar haben wir den Korntank noch nicht einmal halb voll," berichtet Weber etwas niedergeschlagen.
 
Nachauflauf ausmerzen
 
Den direkten Schaden gleicht die Versicherung aus. Aber den Schaden durch den künftigen Nachauflauf kann der Landwirt nur durch Mehrarbeit auffangen. "Den Raps, der jetzt hier auf dem Boden liegt, bringen wir nur sehr schwer zum Auflaufen," weiß er. Zunächst wird er den Acker walzen, damit möglichst viel auskeimt. Nach einer gewissen Zeit bringt er ein Herbizid aus. "Danach grubbern wir zwei- bis dreimal flach und setzen wahrscheinlich auch den Häksler noch einmal ein". So können es sechs statt drei Arbeitsgänge werden, teure Folgen eines kurzen Hagelschauers.
 
Keine Vorkontrakte
 
Insgesamt gibt es in diesem Jahr 25 Hektar Raps auf der Domäne Salzdahlum. Das, was letztendlich davon geerntet wird, lagert Johannes Weber komplett beim Handel ein. Vorkontrakte hatte er bisher zum Glück nicht abgeschlossen. "Beim Raps verkaufen wir generell nicht mehr als 30 Prozent vorweg. Das Risiko ist uns einfach zu groß."
 
Als wir uns verabschieden, erzählt Johannes Weber von einem freiwilligen Flächentausch auf insgesamt 130 Hektar. Den hat er zusammen mit acht Kollegen vor kurzem vertraglich vereinbart. Ziel ist es, auf sinnvoll abgegrenzten größeren Flächen besser wirtschaften zu können. Bei unserem Hofreport vom September werden wir darüber berichten.
 
In Teil I des Hofreportes von der Domäne Salzdahlum begleiten wir Johannes Weber bei der Bestandkontrolle auf den Acker und schauen in seine Legehennen-Mobilställe. Klicken Sie in den Film zu unserem ersten Besuch vor Ort ...
 
Beim zweiten Besuch berichten wir aus den Erdbeerfeldern und mischen uns unter eine Gruppe Landfrauen, die die Legehennen des Betriebes kennenlernen möchten. Klicken Sie hier in unseren Bericht...

 
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